Basel testet den ersten Superblock: Autos müssen draußen bleiben

Im ersten Basler Superblock werden der Durchgangsverkehr und zahlreiche Parkplätze aufgehoben.
Michael WerndorffNoch haben die Autofahrer nicht erkannt, dass sie nicht mehr durch einen Abschnitt der Basler Davidsbodenstraße fahren dürfen. Dort wurde am Samstag Basels erster „Superblock“ eingeweiht. Beim Presserundgang im Vorfeld mussten Regierungspräsident Conradin Cramer und seine Ratskollegin Esther Keller mehrmals Autofahrern die Straße frei machen – die Botschaft müsse bei den Verkehrsteilnehmern erst noch ankommen, so die Vorsteherin des Bau- und Verkehrsdepartements vor zahlreichen Medienvertretern.
Im St.Johann-Quartier sind mehrere Straßen für den Durchgangsverkehr gesperrt und Parkplätze aufgehoben worden. Ihren Platz eingenommen haben eine Boulebahn, Infostelle, Gerüste, Holzvorrichtungen, Tafeln und Pflanzentröge. „Es ist aber keine autofreie Zone“, sagte Catherine Heinzer, eine der beiden Projektleiterinnen. Auch weil Fahrzeuge des Kantons, Rettungsfahrzeuge und Zulieferer noch passieren werden.

Im Superblock müssen auch Regeln beachtet werden, weiß Catherine Heinzer,
Foto: Michael WerndorffIn einigen Millionenstädten längst etabliert
Noch war kurz vor dem Startschuss nicht alles aufgestellt und fertig, deutete Heinzers Kollegin Nicole Morellini auf die teilweise noch nackten Gerüste für den Superblock. Bei diesem handelt sich um ein Konzept der städtischen Verkehrsplanung, das unter anderem der Verkehrsberuhigung von Wohngegenden dienen soll. In der Stadt am Rheinknie will der Regierungsrat im Sinne von „Stadt als Labor“ in einer einjährigen Testphase herausfinden, wie ein Superblock in Basel umgesetzt werden und ob das System ausgeweitet werden kann.
Das Ziel: Klimaneutralität bis zum Jahr 2037 und die Reduzierung des Autoverkehrs um ein Drittel. Jedenfalls sei der Superblock ein kleines Element zur Erreichung dieses Ziels, kommentierte Keller das umstrittene Projekt. Und weiter: „Superblocks schaffen mehr Raum für das Quartierleben und sind ein Ort zum Wohlfühlen, Spielen und Verweilen.“ Das Vorhaben sei ein Anliegen aus Bevölkerung und Politik, ließ die Regierungsrätin nicht unerwähnt. Die Versuchsanlage sei unter anderem auf Wunsch von rund 1400 Menschen entstanden, die die Petition „Basel St. Johann – begrünt, klimafreundlich, lebenswert“ unterzeichnet haben. Gefördert werden soll demnach ein nachhaltigeres und klimagerechteres Wohnumfeld.

Auf diesem Podest können Nachbarn gemeinsame Zeit verbringen und zum Beispiel jassen, wie Regierungsrätin Esther Keller beim Presserundgang sagte.
Foto: Michael WerndorffÜberwiegend positive Rückmeldungen
Dass dem Ganzen noch etwas Leben eingehaucht werden müsse, unterstrich Morelli. Bislang habe sie bei den Vorbereitungsarbeiten überwiegend positive Rückmeldungen erhalten. „Die Leute freuen sich. Schulkinder bleiben stehen und finden es toll –vor allem die Spielkiste.“ Die Quartierbevölkerung war bei der Entwicklung der Möblierung und Ausstattung einbezogen. Im Februar fand eine Dialogrunde statt. Rund 40 Quartierbewohner gingen der Frage nach, wie sie den zusätzlichen öffentlichen Raum in ihrer Straße nutzen möchten. Die Teilnehmer konnten ihre Ideen und Anliegen einbringen.
Testlauf soll Rückschlüsse für Zukunft erlauben
Themen waren unter anderem Aufenthalt, Aktivitäten, Gemeinschaft, Nachbarschaft, Gewerbe, Sauberkeit sowie Spiel und Sport. Die Dialogrunde war gleichzeitig der Start für das sogenannte Straßenbüro, das während eines Monats an der Ecke Davidsbodenstraße/Davidsrain Interessierten offen stand. Hier konnten weitere Anregungen für den Superblock-Test eingebracht und deren Umsetzung vor Ort besprochen werden, wie die Projektverantwortlichen erklärten.
Durchweg positiv äußerte sich Anwohnerin Indre Grumbinaite. Sie verspricht sich, Sicherheit, Ruhe und Kontakt mit den Menschen, die im Quartier wohnen. Ihr Sohn spiele bereits jetzt auf der Straße Fußball. Mit weniger Verkehr dürfte das Spielen auf der Straße sicherer werden, so Grumbinaite, der die nachbarschaftlichen Beziehungen am Herzen lägen, wie sie sagte. Und auch Susanne Wolf, Pafarrerin der Johanneskirche, zeigte sich begeistert: „Mitmachen heißt Nachbarschaft leben. Die Leute tun sich zusammen und stellen etwas gemeinsam auf die Beine. Solche Aktionen verbinden.“

Die Basler Regierungsräte Esther Keller und Conradin Cramer (rechts) beim Boule-Spiel.
Foto: Michael WerndorffNeben Zustimmung wird auch Kritik geäußert
Doch es gibt auch Kritik: Nachdem die geplanten Parkplatzaufhebungen im Frühling 2024 im Kantonsblatt veröffentlicht worden waren, gab es sechs Einsprachen gegen das Vorhaben. Weil es zu Verzögerungen kam, konnte der Test erst ein Jahr später starten. Die eingegangenen Rekurse wurden aber alle abgewiesen. Anders im Bereich Fatio- und Jungstraße: Dort wurde gegen die Abweisung der Einsprachen erneut Rechtsmittel eingelegt. Deswegen kann dieser Perimeter nicht weiterbearbeitet werden, so der Kanton. Eigentlich sollte der Superblock viel größer werden. Insgesamt sind im St-Johann-Quartier 48 öffentliche Parkplätze für den Superblock verschwunden, sieben davon wurden in Parkverbotsfelder für den Güterumschlag umgewandelt. Der Superblock-Test im Matthäus-Quartier soll voraussichtlich Mitte September eröffnet werden.
Wie es nach der Testphase weitergeht? Das sei jetzt noch nicht klar, so Cramer. Erst nach dem Versuch werde man wissen, was verbessert werden könne und ob der Kanton dann auch definitiv auf Superblocks setzen werde.
