Basel feiert Fasnacht: So war der Fasnachtsmontag in Basel

Der Fasnachtsumzug in Basel lockte Besucher aus nah und fern ans Rheinknie.
Michael Werndorff„Waggis, Waggis – hesch mer öppis?“ hallt es durch die Rheingasse, in der Wagencliquen, Trommler und Pfeifer darauf warten, auf die Mittlere Brücke abbiegen zu können. Das Rufen wird belohnt: Orangen, Bananen und Süßigkeiten fliegen zur Freude von Klein und Groß vom den Wagen herab. Als Zuschlag gibt es noch eine Räpplidusche. Aus nah und fern strömen die Menschen in die Stadt am Rheinknie, um den ersten Cortège am Montagmittag zu erleben. Dieser präsentiert sich bunt und fröhlich, aber auch nachdenklich bis melancholisch.
Teilweise sind Klänge zu vernehmen, die man nicht an der Fasnacht erwartet. Die Stammclique der Basler Bebbi zum Beispiel marschiert mit schwarzen Lautsprecher-Larven durch die Stadt. Aus Lautsprechern am Wagen sind propagandistische Sequenzen und martialische Musik zu hören. Das Sujet der Formation bezieht sich auf die Untergrabung der Demokratie durch Falschinformationen in den USA.
Nachwuchs im Fokus
Derweil beschäftigen sich die Lälli Jung Garde mit dem Videospiel-Spiel „Super Mario“. „E Video-Game? Das isch nit woor! Het me sich dänggt vor 40 Joor. Doch fir dä Held mit sym Akzänt hänn vyyli Härze sofort brennt“, heißt es auf dem „Zeedel“, der das Sujet in Versform zu Papier bringt und obendrein für ein aktives Engagement in Fasnachtscliquen wirbt.
Die Jungen Garden haben nämlich gemeinsam mit dem Fasnachts-Comité die Aktion „Jetzt afo Fasnacht mache“ ins Leben gerufen. Mit dieser soll Kindern und Jugendlichen sowie interessierten Erwachsenen gezeigt werden, dass die Basler Fasnacht mehr zu bieten hat als die „drei scheenschte Dääg“. So ist auch eine Standaktion am Samstag, 28. Februar, von 10 bis 15 Uhr beim Dreizackbrunnen in der Freien Straße geplant. Unterdessen zeigt sich die Stammclique der Alti Stainlemer als eine Mischung aus Soldaten und Engeln. Während vorne Friedensnobelpreise verteilt werden, donnert hinter der Laterne aus mitgetragenen Blechplatten der Krach des Krieges. Ihr Thema setzt sich mit dem Paradoxon auseinander, Frieden mit Krieg erkämpfen zu wollen.
Bußen sind Thema
Gleich mehrere Formationen greifen das Bußensystem in Birsfelden auf. Die automatische Durchfahrtskontrolle, die all jene straft, die ohne Bewilligung in weniger als 15 Minuten durch die Gemeinde fahren, hatte vergangenes Jahr für großen Wirbel gesorgt und ist noch immer umstritten. Die Gerichte müssen sich mit dem Thema befassen.
Trump in der Kritik
Andere Formationen präsentieren weitere Sujets, so etwa den Verkehr, Spielen ohne Bildschirm, KI oder Putin. Wie in den rheinischen Karnevalshochburgen wurden auch internationale Themen aufgegriffen. Einige Cliquen beschäftigten sich mit US-Präsident Donald Trump und seiner Zollpolitik: „Zoll uf d Rolex us Gold und Glanz. Am Abend zahlt s Volk sy Handelsbilanz.“ Oder: „Make Fasnacht Great Again“ als Seitenhieb auf die nationalistisch-populistische Agenda der US-Führung.
Bisweilen sind Sujets aber so verklausuliert, dass die Botschaft erst auf den zweiten Blick ankommt. Klare Worte finden unterdessen die „Rhyschnooge“. Als blaue Clowns verkleidet, bringen sie die Sorge vor dem weiteren Erstarken der AfD zum Ausdruck: „Si meechten e Wält wie friener haa –Waissch, aagfiert vom e stargge Maa. Denn, was dää sait, das glaubt men au – Im Schwoobeland isch dää e Frau.“ Währenddessen entluden Waggis Haufen von Räppli in die Menge – oder sie zeigten sich gnädig und gaben dem Publikum Geschenke mit. Der Dienstag stand dann ganz im Zeichen der Kinderfasnacht. In kleinen Gruppen übten sich die „Binggis“, begleitet von ihren Eltern, Großeltern oder anderen Erwachsenen in der Pflege der Traditionen. In fantasievollen Kostümen, mit Trommeln, Instrumenten und Wägelchen zogen sie durch die Straßen.
Am Mittwoch findet ab 13.30 Uhr der zweite Cortège statt. Im Anschluss gibt es Schnitzelbänke und die Laternenausstellung, ehe kurz vor vier Uhr am Donnerstagmorgen die „Drey scheenschte Dääg“ mit dem Endstreich beschlossen werden.