Ausritt in Weil am Rhein
: Abenteuer und Grenzerfahrung

Es ist ein Abenteuer der besonderen Art, den Jakobsweg mit einem Pferd zurückzulegen.
Von
Siegfried Feuchter
Weil Am Rhein
Jetzt in der App anhören

Elmar Lehmann mit seinem Pferd bei seinem Zwischenstopp in Haltingen.

zVg

Am 29. Oktober, so seine akribische Planung, hätte er das Ziel Santiago de Compostela erreichen sollen. Doch daraus wird nun nichts. Unerwartete Probleme des Pferdes machten einen Strich durch das außergewöhnliche und ambitionierte Vorhaben.

Elmar Lehmann (69), der in München lebt und seit seiner Haltinger Jugendzeit ein passionierter Reiter ist, entschloss sich, nach 520 Kilometern bei Montbéliard sein Unterfangen abzubrechen. Denn die Gesundheit des Tieres hat für ihn oberste Priorität.

„Der Versuch war es allemal wert. Einen Monat lang auf dem Rücken des Pferdes zuzubringen, war ein Abenteuer“, sagt der ehemalige Weiler Kant-Schüler und Ex-Haltinger im Gespräch mit unserer Zeitung. Kurzentschlossen rief er Hans Brändlin, den früheren Haltinger Reitstallbesitzer an, auf dessen Anwesen er zu Jugendzeiten ständig anzutreffen war. Dieser fuhr mit einem Pferdeanhänger nach Frankreich und brachte das Tier zunächst ins Haltinger Reitsportzentrum Lehmann.

Dreieinhalb Jahre dauerte die Reiseplanung

Damit endete eine außergewöhnliche Pilgerreise vorzeitig, die der 69-jährige Elektroingenieur bis ins kleinste Detail dreieinhalb Jahre lang akribisch vorbereitet hatte. Er fuhr am Wochenende mit dem Zug nach Hause und wird in den nächsten Tagen mit Auto und Anhänger nach Haltingen zurückkehren und sein Pferd abholen.

Nicht schlecht hatten kürzlich seine früheren Klassenkameraden vom Weiler Kant-Gymnasium gestaunt, als Elmar Lehmann aus München mit seinem Reitpferd zu dem in Haltingen stattfindenden Klassentreffen kam, wo man gemeinsam das Jubiläum „50 Jahre Abitur“ feierte. Das Pferd stellte er im Reitsportzentrum Lehmann im Haltinger Niederried während seines Zwischenstopps in der alten Heimat unter. Lehmann, der in Haltingen aufgewachsen ist, ehe er mit zwölf Jahren mit seinen Eltern ins Nachbardorf nach Eimeldingen umzog, wollte nach Santiago de Compostela, dem Endpunkt des Jakobswegs, reiten.

Kindheitstraum sollin Erfüllung gehen

Damit wollte sich Elmar Lehmann, Vater von zwei erwachsenen Kindern, einen alten Kindheitstraum erfüllen. Denn als er als Zehnjähriger Karl Mays „Schatz im Silbersee“ las, war er von der Idee fasziniert, einmal „ohne jeglichen Verpflichtungen durch die Prärie zu ziehen“. Einen Vorgeschmack darauf, wie sich diese Freiheit und Unbekümmertheit anfühlen, erhielt er 2006 bei einem zehntägigen Ritt durch die Anden oder 2012, als es auf dem Rücken des Pferdes von München nach Wien ging.

Täglich von der Hand in den Mund leben

Jetzt sollte es mit dem 2500 Kilometer langen Ritt von München nach Santiago de Campostela das ganz große Abenteuer werden. Am 7. Juni war der 69-Jährige in München gestartet. „Es ist eine Grenzerfahrung, ob das Pferd und ich das schaffen“, sagt Lehmann und fügt an: „Ich mache diesen langen Ritt nicht zur Selbstfindung, sondern weil ich ausloten will, wie es ist, täglich von der Hand in den Mund zu leben und wie man mit den damit verbundenen Unsicherheiten bei diesem Vagabundenleben umgeht.“

Fallback Image SB

Schwarzwälder Bote

Eines hat Elmar Lehmann nach über einem Monat auf dem Rücken des Pferdes festgestellt: „Man muss flexibel sein. Trotz aller Planung kommt es erstens anders, zweitens als man denkt.“ Denn es ist nicht immer einfach, eine passende Unterkunft für Reiter und Pferd zu finden.

Gefühl grenzenloser Freiheit genossen

Auch wenn er nun sein Vorhaben mit Rücksicht auf die Gesundheit des Pferdes nach über einem Monat in Montbéliard nach einem Fünftel der geplanten Strecke abbrechen musste, möchte er seine dabei gewonnenen Erfahrungen nicht missen. Das Gefühl grenzenloser Freiheit hat er trotz allem erfahren und genossen.