Arbeitsagentur Lörrach zieht Bilanz: Entspannung am Arbeitsmarkt lässt auf sich warten

Besonders für Menschen ohne Qualifikation oder mit eingeschränkter regionaler Mobilität gestaltet sich der Einstieg in Beschäftigung schwieriger
Michael WerndorffZum Jahresende zeigt sich der Arbeitsmarkt in der Region stabiler als saisonal erwartet. Die Anzahl der arbeitslos gemeldeten Menschen sank um 16 Personen im Vergleich zum Vormonat. Gleichzeitig zeigt sich der Arbeitsmarkt weiterhin belastbar: Die Beschäftigung nahm um 49 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zu, auch wenn sich die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen im Jahresverlauf spürbar abgekühlt hat, wie die Agentur für Arbeit Lörrach am Mittwoch schreibt.
Das Jahr 2025 stellte den regionalen Arbeitsmarkt erneut vor besondere Herausforderungen, heißt es weiter. Die wirtschaftliche Entwicklung sei von Zurückhaltung geprägt gewesen – insbesondere in jenen Branchen, die stark von Investitionen, Exporten und grenzüberschreitenden Verflechtungen abhängen.
Viele Unternehmen reagierten auf die unsicheren Rahmenbedingungen mit vorsichtigen Personalentscheidungen. Während sich Teile des Dienstleistungssektors vergleichsweise stabil zeigten, standen andere Wirtschaftsbereiche unter erhöhtem Anpassungsdruck.
„Insbesondere das produzierende Gewerbe und industrienahe Bereiche haben die schwache Konjunktur und die zurückhaltende Nachfrage deutlich gespürt“, erklärt Jennifer Schmucker, Leiterin der Agentur für Arbeit Lörrach. Viele Betriebe reagierten mit Kurzarbeit, Einstellungsstopps oder einer sehr vorsichtigen Personalplanung. Gleichzeitig blieb der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in spezialisierten Tätigkeiten bestehen.
Weniger offenen Stellen
Über weite Strecken des Jahres blieb die Beschäftigung stabil, allerdings nahm die Bewegung am Arbeitsmarkt ab. Weniger Stellenmeldungen, längere Suchzeiten und eine zurückhaltende Wechselbereitschaft prägten das Bild.
„Besonders für Menschen ohne Qualifikation oder mit eingeschränkter regionaler Mobilität gestaltete sich der Einstieg in Beschäftigung schwieriger“, weiß Schmucker. Im Dezember waren 11 437 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 16 Personen weniger als im November. „Entgegen der üblichen saisonalen Entwicklung ist die Arbeitslosigkeit im Dezember leicht zurückgegangen. Unser regionaler Arbeitsmarkt zeigt sich damit zum Jahresende stabiler als erwartet“, so die Leiterin. „Daraus leite ich aber noch keine nachhaltige Entspannung für die kommenden Monate ab, diese Entwicklung ist eher Ausdruck der verhaltenen Bewegung und der abgeschwächten saisonalen Dynamik am Arbeitsmarkt.“ Stärken gezielt nutzen– Qualifizierung rückt in den Fokus, heißt es weiter. Trotz der angespannten Lage zeigt sich der regionale Arbeitsmarkt insgesamt stabil. Die Betriebe setzen weiterhin auf ihre eingearbeiteten Fachkräfte und vermeiden, soweit möglich, Personalabbau. „Die Unternehmen denken langfristig“, betont Schmucker. „Sie wissen, dass qualifizierte Mitarbeitende ein entscheidender Standortfaktor sind. Für das Jahr 2026 wird es entscheidend sein, Beschäftigte gezielt weiter zu qualifizieren und Menschen ohne Berufsabschluss stärker zu unterstützen“, betont Schmucker.
Regionale Stärken nutzen
Der Strukturwandel betrifft nicht alle Branchen gleichermaßen – umso wichtiger sei es, Übergänge zwischen Bereichen zu erleichtern und Fachkräftepotenziale in der Region zu sichern.
„Unsere Aufgabe wird es sein, regionale Stärken zu nutzen und Beschäftigung auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen zu stabilisieren.“ Die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Lörrach bleibt bei 5,1 Prozent. Im Landkreis Lörrach liegt der Anteil der Arbeitslosen an den Erwerbspersonen bei 5,2 Prozent, im Landkreis Waldshut bei 4,8 Prozent, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Zahlenwerk hervorgeht
Im Landkreis Lörrach nahm die Arbeitslosigkeit um 48 auf 6876 ab und im Landkreis Waldshut um 32 auf 4561 zu. 2112 Personen meldeten sich neu oder erneut arbeitslos. Davon kamen 899 Personen direkt aus einer Beschäftigung, heißt es weiter. Gleichzeitig beendeten 2134 Personen ihre Arbeitslosigkeit, davon nahmen 644 Personen eine Beschäftigung auf.
Dem Arbeitgeberservice wurden im Dezember 581 neue Stellen von den Betrieben und Verwaltungen gemeldet. Das sind 95 mehr als vor einem Monat und 44 weniger als vor einem Jahr. Der Stellenbestand ist gegenüber dem Vormonat um vier gesunken und liegt nun bei 2577.