Ärzteversorgung in Grenzach-Wyhlen: FDP-Fraktion fordert eindringlich zum Handeln auf

Die Ärzteversorgung in der Gemeinde treibt die FDP Grenzach-Wyhlen um. (Symbolfoto)
Darko Stojanovic/PixabayMit einer aktuellen Versorgungsquote von nur rund 78 Prozent sei die medizinische Grundversorgung gefährdet, heißt es in einer Mitteilung der FDP. Besonders mit dem neuen Ortsteil Kapellenbach Ost verschärfe sich die Lage weiter.
Die Hausarztpraxis Gartenstraße trage inzwischen die Hauptlast der Versorgung: Sie behandelt rund 5000 Patienten pro Quartal, doppelt so viele wie noch 2022, und betreut damit geschätzt 75 Prozent aller hausärztlich versorgten Patienten in Grenzach-Wyhlen. „Diese extrem hohen Fallzahlen pro Arzt sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Gemeinde faktisch unterversorgt ist. Wir stehen an einem Kipppunkt. Wenn wir jetzt nicht handeln, droht die hausärztliche Versorgung zusammenzubrechen“, erklärt die FDP-Fraktion.
Auf Wohnraum angewiesen
Besonders deutlich werde das Engagement der Hausarztpraxis in der Ausbildung, denn sie übernimmt nicht nur die Qualifizierung von Medizinischen Fachangestellten, sondern begleitet auch junge Ärzte in ihrer Weiterbildung. Im Hauptausschuss hat die Praxis klar gemacht, dass sie bei der Gewinnung von PJ-Studenten (Praktisches Jahr) auf Unterstützung angewiesen sei. PJ-Studenten absolvieren jeweils vier Monate am Stück in der Praxis. Für diese Zeiträume sind sie auf geeigneten Wohnraum angewiesen.
Die FDP betont, dass es eine zentrale Aufgabe der Gemeinde sei, hier aktiv einzuspringen und mit konkreten Angeboten die Attraktivität Grenzach-Wyhlens als Standort für den ärztlichen Nachwuchs zu erhöhen.
Vielfältige Ursachen für die Situation
Die Ursachen für die aktuelle Situation seien vielfältig: „Bezahlbarer Wohnraum ist ein Kernproblem, das viele junge Ärztinnen und Ärzte davon abhält, sich hier niederzulassen. Viele bleiben nach dem Studium in Freiburg, weil sie in Grenzach-Wyhlen keine Perspektive finden. Hinzu kommt der demografische Wandel, der mit einer steigenden Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen den Versorgungsbedarf erhöht. Gleichzeitig fehlt es an Nachwuchs, da die Bereitschaft zur Niederlassung abnimmt, während die Gemeinde wächst. Belastend wirken zudem die zunehmende Bürokratie und die Anforderungen der Digitalisierung“, schreibt die FDP.
Wohnraum für Hausärzte und PJ-Studenten müsse mit Vorrang geschaffen und bezuschusst werden, etwa über die Wohnbau, die Baugenossenschaft oder private Anbieter, fordert die Fraktion. Ebenso seien familienfreundliche Rahmenbedingungen wie Kita-Plätze im Interesse aller und ein entscheidender Standortfaktor.
Sichtbar werden
Die FDP sieht es zudem als notwendig an, dass gemeindeeigene Praxen als Ausbildungsstätten für Nachwuchsärzte dienen und dass Grenzach-Wyhlen durch gezieltes Standortmarketing in Fachzeitschriften und Online-Portalen sichtbar wird. „Wir müssen jetzt handeln, nicht nur reden. Persönliche Zusagen für Wohnraum und Unterstützung sollten sofort umgesetzt werden. Das Ärztehaus in Wyhlen hat gezeigt, dass solche Modelle funktionieren. Grenzach-Wyhlen darf nicht zurückfallen“, betont Felix Düster, Mitglied der FDP-Fraktion und Landtagskandidat.
Auch die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung müsse kritisch hinterfragt werden. „Ein Gemeinderatsbeschluss zur Bitte um Überprüfung der Bedarfsplanung wäre formal zulässig und könnte die KV zwingen, ihre Daten neu zu berechnen. Damit könnte die Unterversorgung offiziell festgestellt werden, ein wichtiger Schritt für weitere Fördermaßnahmen“, schreibt die FDP.