Abwasser in Lörrach
: Wo das Wasser nach Gebrauch hingeht

Weitgehend unbemerkt von den Augen der Öffentlichkeit verrichten die Angestellten des EBA seit nunmehr 33 Jahren ihre wichtige Arbeit.
Von
Alexandra Günzschel
Lörrach
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Mathias Eberhardt erklärt die Funktionsweise des Dreibaums für die Kanalarbeiten.

Alexandra Günzschel

Dieser ging im Januar 1992 mit einem Bestandsvermögen von 100 Millionen Euro an den Start – seinerzeit das größte Anlagevermögen der Stadt.

33 Jahre, das ist aufgrund der Kreditfinanzierung auch die übliche Abschreibungsdauer für Kanalsysteme. Das EBA-Team nahm dieses Schnapszahljubiläum deshalb zum Anlass, um die Presse über seine unterirdischen Aktivitäten eingehend und anschaulich zu informieren. Der Eigenbetrieb sei nun ein solider Pfeiler der kommunalen Infrastruktur, wurde beim Vor-Ort-Termin betont.

Kanalnetz von 238 Kilometern

Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, was mit dem Wasser passiert, wenn er zuhause den Stöpsel aus dem Spülbecken zieht oder die Klospülung betätigt.

Für den Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung ist dies das tägliche Brot. Die ersten Kanäle wurden in Lörrach bereits im 19. Jahrhundert angelegt. Heute erstreckt sich das Kanalnetz der Stadt über 238 Kilometer. Rund 35 000 private Anschlüsse sind an den öffentlichen Sammelkanal angebunden. Hinzu kommen zahlreiche Sonderbauwerke wie Regenüberlaufbecken, Stauraumkanäle und Regenklärbecken. Diese enorme Infrastruktur muss überwacht, regelmäßig überprüft und gewartet werden.

Ein Spezialfahrzeug mit Anhänger des Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung

Foto: Alexandra Günzschel

„Wir arbeiten im Untergrund leise vor uns hin“, verdeutlicht Betriebsleiter Frank Beuschel in seiner Einführung. Erst kürzlich habe sein Team ein noch intaktes Schachtelement aus dem Jahr 1898 entdeckt. Mindestens halb so lang sollten die neuen Kanäle schon halten, so sein Anspruch. Neben der Abwasserbeseitigung als technischer Hauptaufgabe leistet der EBA im Bereich Entwässerung auch seinen Anteil am Starkregenrisikomanagement, wie Beuschel weiter ausführt. Gereinigt wird das Lörracher Abwasser in der Kläranlage Bändlegrund des Abwasserverbands Wieseverband in Weil am Rhein.

Die Arbeit des Eigenbetriebs ist beitrags- und gebührenfinanziert. Neun bis zehn Millionen Euro stehen jährlich zur Verfügung, um auf die gewünschte Schwarze Null zu kommen.

Es stehen einige Sanierungsarbeiten an

Größere Anpassungen erwartet Beuschel in den kommenden Jahren nicht, obwohl in nächster Zeit einige Sanierungsmaßnahmen anstehen, etwa in Stetten, Brombach oder entlang der Teichstraße. Das EBA-Betriebsgebäude und einige der Becken sollen Photovoltaikanlagen erhalten. Ein neues Regenklärbecken für etwa 4,4 Millionen Euro ist im Entenbad geplant. Als wichtige Entscheidungsgrundlage für all diese Maßnahmen gilt die digitale Datenbank des Kanal-Informationssystems (KIS).

Rainer Stächelin, Frank Beuschel, Volker Plump, Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic und Mathias Eberhardt (von links) vor einem Einsatzfahrzeug des Eigenbetriebs.

Foto: Alexandra Günzschel

Trotz vieler technischer Hilfsmittel wie Kamerafahrten durch die Kanäle, einer möglicherweise bald verlässlich KI-gestützten Schadenserkennung sowie einer Fernwirkanlage, mittels derer sich Vorgänge und Abläufe auf dem Monitor erkennen und steuern lassen, ist auch weiterhin die klassische Kanalarbeit gefragt. Ein riskantes Unterfangen, bei dem es aus Gründen des Arbeitsschutzes vieles zu beachten gilt. Das beginnt schon bei der Atmosphäre im Schacht, wie Kanalwärter Volker Plump erklärt. Denn dort unten können sich leicht Gase wie Schwefelwasserstoff bilden. Für Arbeiten, die tiefer in den Kanal hineinführen, braucht es deshalb auch immer einen dritten Mann, der mit hinabsteigt und aufpasst, während ein weiterer oben bleibt, um die Kollegen mit dem Klettergeschirr am Dreibaum oder dem Karabinerhaken am Spezialfahrzeug wieder hinaufzuziehen. Der Kanalarbeiter, der sich am weitesten vorwagt, trägt einen „Selbstretter“ in Form einer Gasmaske bei sich. Der Ernstfall wird regelmäßig geprobt. „Der beste Einstieg ist kein Einstieg“, erklärt deshalb der stellvertretende Betriebsleiter Mathias Eberhardt (wir berichten noch ausführlich).