Abwasser in Lörrach
: Bei Ratten werden Externe dazu geholt

Der Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung der Stadt Lörrach, kurz EBA genannt, arbeitet auch mit externen Dienstleistern zusammen.
Von
Alexandra Günzschel
Lörrach
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Unternehmer Björn Griener demonstriert eine Kanalreinigung mit seinem gut ausgerüsteten Spezialfahrzeug.

Alexandra Günzschel

Griener ist Geschäftsführer des gleichnamigen Rohr- und Kanalreinigungsunternehmens aus Wehr. Zum Pressetermin hatte er ein hochmodernes Fahrzeug mitgebracht, das sich neben der Reinigung auch zu Dokumentationszwecken eignet. Darüber hinaus gab Griener einen Einblick in neuere Hilfsmittel zur gezielten Rattenbekämpfung.

Mit Allradantrieb geht es auch einmal über Äcker

Damit auch jeder Kanal angefahren werden kann, verfügt die Spezialfirma über Fahrzeuge mit Allradantrieb. Denn manchmal führt die Fahrt zum Einsatzort auch über den Acker.

Mit unterschiedlichen Schläuchen und Düsen sind die Fahrzeuge auf alle Eventualitäten eingestellt, wie Griener ausführt. Da gibt es zum Beispiel den Halbzollschlauch für Hausanschlüsse, aber auch einen sehr dicken Schlauch zum Absaugen und dazu entsprechend große Tanks für den Schlamm und das Reinigungswasser.

Verschiedene Düsen helfen beim Arbeitseinsatz

Ein Gebläse auf dem Dach des gut ausgerüsteten Fahrzeugs sorgt in der Kanalisation in nur fünf bis zehn Minuten für unbedenkliche Frischluft. Für die Kanalreinigung wiederum kann das Unternehmen mit einer Auswahl an Düsen für jeden Bedarf aufwarten. Da gibt es beispielsweise die Rotationsdüse, die den Kanal für Kamerafahrten bereit macht. Per Knopfdruck kann der Unternehmer zudem dafür sorgen, dass alle Arbeiten dokumentiert werden. Diese Dokumentation wird dem Kunden auf Wunsch per USB-Stick ausgehändigt.

Düsen für alle Fälle

Foto: Alexandra Günzschel

Ein Service, der beim Eigenbetrieb Abwasserversorgung in Lörrach sehr geschätzt wird, wie beim Gespräch vor Ort deutlich wird. „Das gibt uns die Sicherheit, dass nichts kaputt geht“, erklärt Betriebsleiter Frank Beuschel. Er spricht von einer sehr ausgeklügelten Schadensdokumentation im Bereich der Abwasserbeseitigung. In KI-gestützten Systemen, wie sie in St. Gallen bereits im Einsatz sind, sieht er eine Chance, unabhängiger von den rarer werdenden Fachkräften zu werden.

Eigene Fahrzeuge zur Kanalreinigung haben sich für den Lörracher Eigenbetrieb bisher übrigens nicht gerechnet. Die gut ausgelasteten Kanalreinigungsfirmen wiederum seien zunehmend schwieriger zu buchen, erklärt der Betriebsleiter. Griener beispielsweise hat Aufträge von Konstanz bis in den Hochschwarzwald hinein.

Zu den Aufgaben, die in Kooperation mit externen Anbietern wie der Firma Griener durchgeführt werden, gehört auch die gezielte Bekämpfung von Ratten und anderen Schädlingen im Abwassernetz zur Wahrung der Hygiene und als Gesundheitsschutz im Stadtgebiet. Hierzu werden in der Kanalisation spezielle Köderboxen ausgelegt, bei denen durch einen Mechanismus sichergestellt ist, dass das Gift auch bei Überflutungen nicht in den Wasserkreislauf gelangt. Um die oberirdischen Trockenfallen kümmert sich die Abteilung Tiefbau bei der Stadt.

Entwicklungen im Kampf gegen Schädlinge

Die Rattenboxen dienen zunächst der Überwachung und werden nur im Bedarfsfall mit toxischen Substanzen bestückt – immer dann, wenn über einige Tage hinweg in einer Box mit einem Köder mindestens 100 Begehungen gezählt werden. Denn die Experten gehen davon aus, dass einzelne Ratten mehrfach zur Futterquelle zurückkommen. Diese Daten können automatisiert ausgelesen werden. Ist ein Hotspot erkannt, wird der externe Anbieter beauftragt, die entsprechende Falle auf Gift umzustellen. Dabei handelt es sich um einen Blutverdünner. Der Tod setzt zeitverzögert ein, so dass die Artgenossen nicht gewarnt werden.

Durch das gezielte Vorgehen mit der Zählung der Tiere konnte die Giftmenge in den vergangenen Jahren drastisch reduziert werden – von einst 900 auf nur noch 30 Kilogramm pro Jahr. Eine weitere effektive Maßnahme zur Rattenbekämpfung sind runderneuerte Kanäle. Denn zu diesen finden die Tiere keine Zugänge mehr. Allerdings ist die Instandhaltung des 238 Kilometer langen Kanalnetzes eine Daueraufgabe, die wohl nie zu einem Abschluss kommt.