Zwischen Utopie und Abgrund: Diese Kunstwelt zeigt Felix Grundhöfer in Lahr

Felix Grundhöfer hat die futuristische Wolkenstadt „Kla-ud-ta-un“ mit Modellen, Installationen, Wandreliefs und Zeichnungen geschafften. Sie wird in Lahr ausgestellt.
HabererBei der Eröffnung seiner großen Ausstellung in der städtischen Galerie, im alten Rathaus, im Frühjahr 2023, präsentierte sich Felix Grundhöfer noch als Pendler zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite die Arbeit als Architekt in der Schweiz, auf der anderen Seite die Lust an der künstlerischen und kreativen Entfaltung. Zwei Jahre später zeichnet sich ein ganz anderes Bild.
Grundhöfer ist zurück in Lahr, zählt längst zu den Aktivposten der heimischen Kunstszene. Er engagiert sich stark im Vorstand des Kunstvereins „L‘art pour Lahr“, hat gemeinsam mit Kurt Hockenjos ein Kulturprojekt in einem ehemaligen Pumpwerk in Hugsweier auf den Weg gebracht. Das Thema Architektur ist zwar nach wie vor in einem gewissen Sinne präsent. Grundhöfer ist aber endgültig in die Weiterentwicklung seiner futuristischen Wolkenstadt „Kla-ud-ta-un“ eingestiegen.
Er bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Zeichnung, Comicgeschichten und Modellbau, bei dem Grundhöfer auf die weißen, federleichten Kapaline-Platten zurückgreift die auch bei Architekturmodellen zum Einsatz kommen. Er schneidet dabei aber auch mit hintersinnigem Humor gesellschaftspolitische Themen an, entwickelt eine Utopie, die durchaus auch dystopische Züge in sich trägt. Seine Ausstellung in der Galerie von „L’art pour Lahr“ muss dabei ohne das raumgreifende, ungemein komplexe Innenstadtmodell der Wolkenstadt auskommen, dass in der städtischen Galerie klar im Zentrum stand. Grundhöfer dringt dafür immer tiefer in das klar von der Science-Fiction geprägte Gesamtkonzept ein und stellt erstmals auch einen Stadtplan der fliegenden Wolkeninseln vor.
Aufmerksame Kunstfreunde erinnern sich vielleicht noch an die Traumfabrik, in der die Gedanken der Menschen eingefangen, in rosafarbenen Bubbles abtransportiert und archiviert werden. Nun stehen sie vor dem auf einem Walfisch errichteten Casino von „Kla-ud-ta-un“, vor „Maniac Industries“, dem „Theater Rundum“ und dem „Rabbithole Network“.
Auf den zweiten Blick geht das Spielerische verloren
Neue Viertel und städtische Einrichtungen, die wie in den Nebenräumen der Galerie ersichtlich wird, auch auf vier Größen der Unterwelt der Stadt verweisen. Der Chef von „Maniac Industries“ ist ein Clown mit zwei Gesichtern, er produziert Droiden und optimierte Lebewesen für niedere Arbeiten, beherrscht den Dienstleistungssektor der Stadt. Das Casino gehört der „Chillkröte“, die gemeinsam mit „Mime“ dem Chef des Theaters und großen Wohltäter der Stadt, den ganzen Unterhaltungssektor dominiert. Die vierte Unterweltgröße der Stadt ist ein auf den ersten Blick harmloses Kaninchen, das mit „Rabbithole Network“ das süchtig machende „Candy“ produziert und vertreibt.
Die überbordende Fantasiewelt, die Grundhöfer mit Modellen, Installationen, Wandreliefs und Zeichnungen, vor dem Auge des Betrachters mit immer neuen Details auftürmt, verliert auf den zweiten Blick schnell ihren spielerischen und harmlosen Charakter.
Er erzählt eine an die real existierende Welt erinnernde Geschichte von Macht- und Geldgier, Korruption und Manipulation, in der die Umwelt, die tierische (menschliche) Existenz nach Belieben zerstört und umgeformt wird. Eine Dystopie die uns bei aller Lust an der Sciences Fiction auch ganz klar einen Spiegel vorhält, auf die Abgründe verweist, in die wir längst blicken.
Öffnungszeiten
Die Arbeiten von Felix Grundhöfer sind noch bis Freitag, 8. August, in der Produzentengalerie von „L’art pour Lahr“, in der Obertorstraße zu sehen. Die Öffnungszeiten sind jeweils donnerstags von 17 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 15 Uhr.