Vor dem Derby: Das hat sich bei der RG Lahr vor der neuen Saison geändert

Die RG Lahr (in Gelb) geht wieder auf die Matte. Die neue Saison in der Regionalliga beginnt mit dem Derby in Schuttertal.
VereinNach der Meisterschaft in der Oberliga 2022 und dem Aufstieg in die Regionalliga ist die erste Mannschaft der Ringergemeinschaft Lahr im vergangenen Jahr grandios auf dem zweiten Tabellenplatz gelandet. Nun herrscht große Freude auf das zweite Jahr Regionalliga und vor allem auch darüber, dass der RSV Schuttertal aufgestiegen ist und es am kommenden Samstag in Schuttertal gleich zum heißen Lokalderby kommt.
„Einfach wird es sicherlich nicht“, sagt Dorothea Oldak. Die 58-Jährige weiß, wovon sie spricht. Sie hat Höhen und Tiefen im Lahrer Ringen erlebt. Oldak führte die RG Lahr von 2010 bis 2014 als Vorsitzende, engagierte sich vorher seit 1994 als Schriftführerin, auf der Geschäftsstelle und als Pressereferentin. Heute ist sie weiterhin Pressereferentin und kümmert sich um die Homepage und die sozialen Medien der RG Lahr und des Südbadischen Ringerverbands.
Die Lahrer waren 1998 schon einmal in die Regionalliga aufgestiegen – mit einer Mannschaft, die ein Durchschnittsalter von 19 Jahren aufwies. Sieben Jahre lang hielten sich die Lahrer in dieser hohen Klasse. Sie verpassten im Februar 2001 sogar denkbar knapp den Sprung in die zweite Bundesliga, als in den Aufstiegskämpfen gegen den AC Lichtenfels in der Addition von Hin- und Rückkampf lediglich ein halber Punkt fehlte.
Am Ende der Saison 2004 stieg die Lahrer Staffel jedoch in die Oberliga ab. Zwei Jahre danach stieß die RGL an Grenzen. Da sich mehrere Leistungsträger wegen eines Studiums oder beruflicher Anforderungen verabschiedeten, sah der Vorstand mit dem Vorsitzenden Klaus Girstl keine andere Möglichkeit, als die Mannschaft aus der Oberliga zurückzuziehen. Das war mit einem Neuanfang in der untersten Klasse – damals die Bezirksliga – verbunden. Dort richtete die RGL mit jungen Ringern und dem bewährten Trainerteam, bestehend aus Andreas Steinbach und Jürgen Schlegel, die Mannschaft neu aus. Im Jahr 2007 gab es in der Bezirksliga immerhin stark besuchte Lokalderbys mit dem RSV Schuttertal und am Ende stiegen die Lahrer Matten-Profis in die Verbandsliga auf. Toni Oldak stieg als Trainer mit ein.
Im Februar 2014 gab es einen radikalen Schnitt
Nachdem die erste Mannschaft 2013 die Verbandsligasaison auf dem fünften Platz beendet hatte, sah sich der Verein im Februar 2014 erneut zu einem radikalen Schnitt veranlasst. „Nach gescheiterten Versuchen, eine verbandsligataugliche Mannschaft zu stellen, hat sich die Vorstandschaft der RGL dazu entschlossen, die erste Mannschaft zurückzuziehen“, teilte der Verein damals mit. „Wir haben uns die Entscheidung wahrlich nicht leicht gemacht“, sagt Oldak. Sie vertrat immer die Position, „dass es nicht das Vereinsziel sein kann, auf Biegen und Brechen Ringer zu holen, die sich nicht wirklich für unsere Vereinsarbeit interessieren. Wir möchten uns künftig voll auf unsere eigene Jugend konzentrieren, was angesichts des enormen Zulaufs auch ein deutlich größeres Budget erfordert. Wir haben eine großartige Jugend mit sehr großem Potenzial. Sie sind die Zukunft unseres Vereins“.
Eduard Kratz und Julian Steinbach sind bereit
Der Neuanfang begann in der Kreisliga, wo sich sonst nur Reservemannschaften tummelten. Die folgende sportliche Entwicklung gab den handelnden Personen am Ende jedoch recht. Nach vier Aufstiegen ist die RGL nun wieder Regionallist. „Wenn wir, aus welchen Gründen auch immer, Trainer oder ein paar Leistungsträger verlieren, wird es verdammt eng. Wir sind nicht in der komfortablen Lage, dass wir unsere Top-Ringer locker ersetzen können. Das war immer so“, hält Oldak fest. „Ich hatte große Sorgen, wie es im Aktivenbereich mal weitergeht, wenn sich unser eingespieltes und erfolgreiches Trainergespann Andreas Steinbach und Toni Oldak langsam zurückzieht. Doch mit Eduard Kratz und Julian Steinbach, zwei ehemaligen Top-Ringern aus den eigenen Reihen, hat der Verein eine tolle Lösung gefunden“. Beide haben erfolgreich ihre Trainer-Ausbildung absolviert und sind voller Tatendrang.
Das große Ziel ist es nun, auch in der neuen Saison wieder ganz vorne mitzumischen. Neu im Team sind Mohammad Umkhadjiev vom ASV Urloffen und Igor Gruneschow vom AC Gutach-Bleibach. Gruneschow steht der Mannschaft ab dem 30. September zur Verfügung.
Nikita Ovsjanikov hat die RG Lahr verlassen und ringt in der neuen Saison bei der RKG Freiburg 2000 in der zweiten Bundesliga und auch Constantin Demajew wechselte zum AC Gutach-Bleibach.
KSV Lahr-Kuhbach war Bundesligist
Die Lahrer Ringer hoffen auf die starke Unterstützung von den Rängen. „Im vergangenen Jahr sind immer mehr als 300 Zuschauer in die Geroldseckerhalle gepilgert“, so Oldak.
Die sportlichen Erfolge des KSV Lahr-Kuhbach sind unerreicht. Der Verein, ein Aushängeschild des Lahrer Sports, rang von 1987 bis 1992 in der ersten Bundesliga. Entstanden war er 1978 aus den beiden Traditionsvereinen ASV Germania Lahr und KSV Alemannia Kuhbach. 1997 verschmolz der KSV Lahr-Kuhbach mit dem ASV Germania Reichenbach dann zur RG Lahr. Doch wer weiß, wo die Reise mit den zwei neuen Trainern und dem neuen Vorsitzenden Artur Derr bei der RG Lahr noch hingeht. „Artur hat die ersten Monate schon viele tolle neue Ideen eingebracht. Auf jeden Fall wird es eine spannende Runde, da sind sich alle einig“, so Oldak. „Ich freue mich auf die neue Runde und viele spannende Kämpfe und ich wünsche allen drei Mannschaften ganz viel Erfolg“, so Oldak weiter, die vor ein paar Wochen eine Woche Ringen auf Weltklasse-Niveau in Paris bei den Olympischen Spielen verfolgt hat. Sie war als Gast in das Deutsche Haus und auf das Hausboot der UWW (United World Wrestling), dem Weltverband des Ringkampfsports, eingeladen, wo sie unter anderem Ringerlegende Mijaín López aus Kuba traf, den sie schon einige Jahre kennt und der sich mit 42 Jahren in Paris die fünfte Goldmedaille bei Olympischen Spielen nach 2008, 2012, 2016 und 2020 gesichert hatte, was einem Ringer bisher noch nie gelungen war.
„Es war eine unglaublich beeindruckende Reise“, schwärmt Oldak. „Doch nun geht es in der Heimat in der Regionalliga wieder los. Eine sicherlich spannende Runde beginnt“.