Überblick über Ausbildungsmarkt
: Lehrstellen im Europa-Park sind sehr begehrt

Große Arbeitgeber aus dem Lahrer Raum haben sich in diesem Jahr bei der Suche nach Azubis leichter getan – entgegen dem Bundestrend.
Von
Herbert Schabel
Lahr
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Schwarzwälder Bote

Laut der Deutschen Industrie- und Handelskammer haben sich bundesweit zuletzt wieder viele Unternehmen vergeblich nach Azubis umgesehen. Wir haben uns bei großen Arbeitgebern im Raum Lahr umgehört, ob sie bei der Suche nach Nachwuchs erfolgreich waren.

Stadt Lahr: „Wir freuen uns, dass alle Ausbildungs- und Praktikumsplätze belegt sind“, heißt es aus dem Lahrer Rathaus. Konkret habe man in diesem Jahr mehr als 40 Ausbildungs- und Praktikumsplätze in 19 Berufen vergeben. Im öffentlichen Dienst habe man glücklicherweise wenig Probleme, geeignete Azubis zu finden, teilt die Verwaltung mit. Die Zahl der Bewerbungen sei in den vergangenen drei Jahren leicht angestiegen.

Auch die Ausbildungsstellen in Splitterberufe habe man so erfolgreich besetzen können. Gemeint sind anerkannte Ausbildungsberufe, die aber so wenige Azubis haben, dass es schwierig ist, dafür spezielle Fachklassen oder Berufsgruppenklassen in der Berufsschule einzurichten. Bei der Stadt Lahr sind das die Berufe des Umwelttechnologen und Geomatikers.

Die Stadt unternimmt darüber hinaus eine Menge, um junge Leute zu erreichen: „Wir sind auf den regionalen Ausbildungsmessen präsent, machen Unterrichtsbesuche an allgemeinbildenden Schulen und sind bei Berufsorientierungsveranstaltungen der Schulen vor Ort.“ Auch auf der städtischen Website und in den sozialen Medien werbe man für die eigenen Ausbildungsangebote.

Junge Frauen und Männer können bei der Stadt unter anderem diese Berufe erlernen: Verwaltungsangestellter, Forstwirt, Gärtner, Kfz-Mechatroniker, Fachangestellter für Bäderbetrieb, Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste oder Altenpflegehelfer.

Europa-Park: Auch der Freizeitpark hat aktuell keine Probleme bei der Suche nach Nachwuchs – das Freizeitunternehmen hat ebenfalls alle neuen Ausbildungsplätze besetzt, 96 an der Zahl. „Im Vergleich zu den Vorjahren spüren wir einen positiven Trend, sowohl bei der Anzahl als auch bei der Qualität der Bewerber“, teilt der Park erfreut mit. Gerade bei den Berufen im Hotel- und Gastronomiesektor verzeichne man eine deutliche Steigerung. „Die letzten Jahre war es hier sehr schwer, Stellen zu besetzen, während es in diesem Jahr kein Problem dargestellt hat“, heißt es.

Nachfrage nach Lehrstellen in der Gastronomie des Europa-Parks ist gestiegen

Bei den kaufmännischen und handwerklich/technischen Berufen sowie den dualen Studiengängen habe man bereits in den vergangenen Jahren keine Schwierigkeiten gehabt, „die Stellen nach unseren Anforderungen zu besetzen“.

Auf die Frage, was man aktiv tut, um betrieblichen Nachwuchs zu finden, nennt der Park unter anderem Social Media- und Marketing-Kampagnen, Schul- sowie Messebesuche. Insgesamt hat man 35 Ausbildungsberufe, etwa Zimmerer, Gärtner, Industriemechaniker, Kaufleute für Tourismus und Freizeit, Fachinformatiker, Koch oder Fachleute für Systemgastronomie. Der Park bietet auch zwölf Studiengänge, etwa für BWL und Tourismus, Wirtschaftsinformatik, Data Science und KI.

Herrenknecht: Anders sieht es beim Schwanauer Tunnelbohrer aus: Herrenknecht hatte 75 Ausbildungsplätze für 2025 ausgeschrieben, von denen bis zur Vorwoche 65 besetzt waren. Offen seien noch vier Ausbildungsplätze als Konstruktionsmechaniker, drei als Fachkraft für Lagerlogistik, ein Ausbildungsplatz als Industriemechaniker, einer als Mechatroniker und einer als Technischer Systemplaner Elektrotechnik, hieß es. Dabei seien die Bewerberzahlen gegenüber 2024 leicht angestiegen, „wir haben den Eindruck, dass sich die Lage weiter positiv entwickelt“, teilt das Unternehmen mit.

Als einer der größten Ausbildungsbetriebe in der Region investiere Herrenknecht darüber hinaus in eine Vielzahl von Maßnahmen, um sich als attraktiver Ausbilder und Arbeitgeber vorzustellen. „Wir nehmen an Events und Ausbildungsmessen teil und bieten Infoveranstaltungen wie den hauseigene Ausbildungstag an, bei dem wir im Mai über 280 Besucher begrüßen konnten.“

Ein Schwerpunkt seien Social-Media-Initiativen mit einem von den eigenen Azubis gestalteten TikTok-Kanal. Dort berichten sie aus ihrem Arbeitsalltag und vermitteln so, was Herrenknecht als Arbeitgeber ausmacht. Die Ansprache von Gleichaltrigen, die bereits bei Herrenknecht eine Ausbildung machen oder gemacht haben, sei besonders wirkungsvoll, so das Unternehmen.

Wagner System: Auch der Lahrer Hersteller von Möbelkomponenten und Transporthilfen hat noch freie Ausbildungsplätze – als Fachlagerist sowie Kunststoff- und Kautschuktechnologe. Fünf Ausbildungsplätze für Industriekaufleute und einen als Fachlagerist hat man aktuell vergeben.

Insgesamt hat Wagner ab Herbst damit 18 Azubis in den Berufen Industriekaufmann, Bürokaufmann, Fachinformatiker Systemintegration, Kunststoff- und Kautschuktechnologe sowie Fachlagerist. Außerdem bilde man ab Herbst zwei duale Studenten mit den Studiengängen Marketing und BWL aus, heißt es. Dabei sei die Suche nach Nachwuchs schwieriger geworden, da das Interesse an einer dualen Ausbildung bei vielen jungen Menschen nicht mehr gegeben sei, besonders bei gewerblichen Ausbildungsberufen wie Fachlagerist sowie Kunststoff- und Kautschuktechnologe.

Wagner ist regelmäßig auf Ausbildungsmessen vor Ort, bietet Praktika und Ausbildungsplätze auf Online-Plattformen an, spricht Schulen aktiv an und bespielt Social-Media-Plattformen mit Infos und Ausbildungsangeboten. Das Unternehmen ist auch federführend bei der Job-Expedition, der Ausbildungsinitiative der mittelständischen Unternehmen in Lahr.

Die Umfrage der DIHK

Die wirtschaftliche Lage einerseits und der Mangel an geeigneten Bewerbern andererseits setzen den Ausbildungsmarkt von zwei Seiten unter Druck – das geht aus der Ausbildungsumfrage 2025 der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hervor. Die Erhebung, die auf 15 000 Unternehmensantworten aus allen IHK-Branchen und Regionen beruht, mache klar: Die Rezession komme nach dem Arbeitsmarkt jetzt auch auf dem Ausbildungsmarkt an, so die DIHK. Laut Umfrage planen mehr als ein Viertel der Unternehmen, ihre Ausbildungsplätze 2025 zu reduzieren. Bei den Betrieben mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten liegt die Zahl noch höher – vier von zehn verringern ihr Ausbildungsangebot.

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