Sonderausstellung eröffnet: Stadtmuseum bietet Blick in die Lahrer Kriminalgeschichte

Auch um Hexenprozesse in Lahr geht es in der neuen Sonderausstellung des Stadtmuseums.
Endrik BaubliesDie Ausstellung präsentiert bis Februar 2026 echte und bekannte Kriminalfälle aus etwa 800 Jahren Stadtgeschichte, darunter auch eine berühmte Legende aus dem Mittelalter. Neben den Fakten und Funden informieren Tafeln über die Entwicklung des Rechts und der Strafverfolgung über die Jahrhunderte. Ergänzend zu den kurz und präzise gehaltenen Texten sind Funde aus der Asservatenkammer der Offenburger Polizeidirektion zu sehen, außerdem Objekte im Zusammenhang mit Verbrechen, die in Lahr entdeckt und aufbewahrt wurden.
Ist die Geschichte vom Grüselhorn der erste Lahrer Krimi? Die Legende aus dem Mittelalter ist das erste Mal im Jahr 1530 in einer Familienchronik der Geroldsecker festgehalten. Laut der Legende soll Walter I. von Geroldseck (der Gründer der Tiefburg „Lare“ um 1220) anno 1245 für zwei Jahre auf der benachbarten Burg Lützelhard eingekerkert gewesen sein. Der Klang des Lahrer Grüselhorns führte zur Flucht. Forscher nehmen heute an, dass die Legende auf einen historisch belegbaren Streit der zwei Häuser Geroldseck und Lützelhardt zurückgeht. Fakt ist, dass die Burg Lützelhardt in der Mitte des 13. Jahrhunderts niedergebrannt wurde.
Die Ausstellung widmet sich auch den wenigen bekannten Hexenprozessen in Lahr. So endeten einst Regina Zierlin und Georg Wälde aus Mietersheim auf dem Schafott – aufgrund dieser Anklage. Der damalige Lahrer Stadtpfarrer namens Christoph Caroli wetterte in einer „Malefikantenpredigt“ vehement gegen den Unsinn des Hexenglaubens. Auf der entsprechenden Stelltafel wird das damalige Verfahren samt „peinlichem Verhör“ erläutert: Die Folter zur Erlangung eines Geständnisses, das für die Todesstrafe notwendig war, gehörte noch im 17. Jahrhundert selbstverständlich dazu.
Ein moderner Fall wird in der Ausstellung gesondert dargestellt. Ein Raum, der mit Vorhängen verdunkelt ist, erinnert an den „Cold Case“ des Bernhard B. Die Leiche des Arztes wurde am 21. Januar 2000 an der Römerstraße entdeckt. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt und von den Ermittlungsbehörden daher auch nicht abgeschlossen.
Auch die Zeit der Kanadier in Lahr wird zum Thema
Es gibt Informationen zum Dritten Reich und dem Lahrer Sonderfall, einst Hauptquartier der kanadischen Streitkräfte in Europa gewesen zu sein. Für ältere Lahrer dürfte das Auftauchen der Militärpolizei in Diskotheken in den 1970er und 1980er-Jahren mittlerweile legendär sein.
Bei der Vernissage stellten Museumsmitarbeiter Bastian Kussin, Dorothee Granderath, Gemeinderätin der Grünen und ehrenamtliche OB-Stellvertreterin, Marion Haid von der städtischen Pressestelle und Steffen Siefert von der Kripo Offenburg die Sonderausstellung vor. Dabei war das Museumsfoyer am Freitagabend voll besetzt. Granderath, die Zivilrichterin in Freiburg ist, fasste kurz die Entwicklung von Gesetzen, Recht und Strafverfolgung zusammen. Der Begriff „Kapitalverbrechen“ (heute werden damit Mord und Totschlag assoziiert) leite sich vom lateinischen „caput“ (Haupt) ab. Das Kapitalverbrechen habe einst seinen Namen bekommen, wenn dafür die Todesstrafe (in der Regel durch Enthaupten) verhängt wurde.
Bastian Kussin, der „investigative Museumsmitarbeiter“ (O-Ton Granderath), hatte die Idee zu „Tatsachen“ gehabt, als er im Museumsarchiv auf entsprechende Funde – darunter ein Schwert – stieß. Siefert, im Hauptberuf Kriminaldirektor, ist vielen Lahrern als Kreidlinger in den (nicht ganz ernst) inszenierten Kriminalfilmen „Kreidlinger und Bäuerle“ bekannt. Er wies auf die Ähnlichkeiten der polizeilichen Asservatenkammer mit dem Archiv eines Museums hin.
Und auch er hatte ein Beispiel aus der lokalen Rechtsgeschichte: Ein Schädel, der in einem Keller im Kinzigtal gefunden wurde, war nicht die Spur einer Straftat aus moderner Zeit, aber möglicherweise das schaurige Überbleibsel eines geahndeten Kapitalverbrechens vor 500 Jahren.