Sinkende Verkaufszahlen: Deshalb stehen die Oberschopfheimer Winzer unter wirtschaftlichem Druck

Dunkle Wolken über dem Winzerhüs: Der Umsatz der WG Oberschopfheim ist deutlich eingebrochen, die Zukunft der Selbstvermarktung steht auf der Kippe.
Bohnert-SeidelDie Winzergenossenschaft Oberschopfheim verzeichnet im Jahr 2025 deutliche Verluste. Auch für 2026 wird mit einem weiteren Bilanzdefizit gerechnet. Besonders gravierend ist der rückläufige Weinabsatz über das Winzerhüs.
Die wirtschaftliche Lage der Genossenschaft gilt als ernst. Vor allem der Einbruch beim Direktverkauf bereitet dem Vorstand große Sorgen. Wie es mit dem Winzerhüs künftig weitergeht, ist derzeit offen. Im Raum steht, dass der Betrieb bis 2027 eingestellt werden könnte, sollte sich die Entwicklung nicht deutlich verbessern.
Vorsitzender Frank Erb fand bei der Hauptversammlung deutliche Worte: „Ein 30-jähriges Bestehen des Winzerhüses werden wir sicher nicht mehr feiern.“ Zwar solle das 60-jährige Bestehen der Winzergenossenschaft im kommenden Jahr noch begangen werden, weiter in die Zukunft könne er jedoch keine sichere Perspektive geben. Bereits 2024 sei wirtschaftlich schwierig gewesen, 2025 falle noch schlechter aus und für 2026 sei kaum eine Aufbruchstimmung erkennbar.
Die Genossenschaft weist für 2025 einen historischen Bilanzverlust von 12.376,53 Euro aus. Dieser wird aus Rücklagen gedeckt. Dennoch wächst der Handlungsdruck: Die Winzergenossenschaft zählt 91 Mitglieder mit 451 Geschäftsanteilen, davon 24 aktive Winzer. Damit steht die wirtschaftliche Basis zunehmend unter Druck.
Bereits im Herbst 2025 hatte der Vorstand versucht, mit gezielten Werbemaßnahmen den Absatz zu stabilisieren. Zwar seien Kunden ins Winzerhüs gekommen, jedoch habe sich dies kaum in größeren Verkaufszahlen niedergeschlagen. „Es ist ein Unterschied, ob zwei Flaschen Wein oder zwei Kisten verkauft werden“, so Erb. Eine Handvoll Neukunden könne die Entwicklung nicht auffangen.
Besonders stark betroffen sei der Verkauf im mittleren Preissegment. Während hochpreisige Weine weiterhin stabil nachgefragt würden, habe sich die Nachfrage im klassischen Sortiment deutlich abgeschwächt. Preisanpassungen hätten zudem nicht zu höheren Umsätzen geführt, sondern lediglich zu stagnierenden Erlösen bei gleichzeitig sinkenden Absatzmengen.
Auch der Verkauf der 0,75-Liter-Flaschen sei deutlich rückläufig, während Rückgänge im Ein-Liter-Segment aufgrund der ohnehin geringen Marge noch eher verkraftbar seien. Eine sofortige Schließung des Winzerhüs ist nicht vorgesehen. Sollte jedoch 2026 kein Weinausbau in der Selbstvermarktung mehr stattfinden, könnte das Winzerhüs so lange geöffnet bleiben, bis die Bestände des Jahrgangs 2025 vollständig verkauft sind. Eine Entscheidung darüber wird bis Mitte des Jahres erwartet. „Es kommt auf die Absatzzahlen an“, so Erb. „Auf keinen Fall werden wir blindlings Wein ausbauen.“
Seit Corona nachhaltiger Rückgang beim Absatz
Für 2025 erhalten die Winzer erstmals keine Prämienauszahlung, da dies das negative Ergebnis weiter verschärft hätte. Ohne diese Maßnahme wäre das Defizit etwa doppelt so hoch ausgefallen. Aufsichtsratsvorsitzender Lothar Füner sprach im Namen von Vorstand und Aufsichtsrat von einer „insgesamt nicht zufriedenstellenden Geschäftsentwicklung“.
Die WG Oberschopfheim wurde 1967 gegründet. Mit der Umstellung auf Selbstvermarktung 2000 – verbunden mit dem Erwerb und Umbau des alten Rathauses zum Winzerhüs – gelang zunächst eine wirtschaftlich erfolgreiche Phase. Binnen zwölf Jahren war die Winzergemeinschaft schuldenfrei. Seit den Corona-Jahren 2020 ist jedoch ein nachhaltiger Rückgang beim Weinabsatz zu verzeichnen, von dem sich das Geschäft bislang nicht erholt hat.
Ob und in welcher Form das Winzerhüs bestehen bleibt, hängt nun maßgeblich von der weiteren Absatzentwicklung ab. Entweder stabilisieren sich Umsatz und Verkauf – oder es müssen strukturelle Konsequenzen gezogen werden.
Veranstaltung
Ein Winzerhock ist am 13. Juni ab 18 Uhr am Winzerhüs geplant. Für die Bewirtung sorgt der TV Oberschopfheim, musikalisch begleiten „Hans und seine Oldies“ den Abend. Angeboten werden Oberschopfheimer Weine, Sekt und Cocktails.