Selfmade-Millionärin aus Kippenheim erzählt: Claudia Obert blickt auf ihre Kindheit zurück

In ihrer Biografie „Life is a Party“ hat Claudia Obert ihrem Heimatdorf Kippenheim ein ganzes Kapitel gewidmet.
Riva-VerlagIn und über Kippenheim haben Autoren verschiedenster Genres Bücher geschrieben. Viele haben hauptsächlich autobiografische Werke verfasst, welche eine dunklen Zeit der deutschen Geschichte aufarbeiten. Mit Gudrun Schmauks und Markus Fix hat Kippenheim zwei Autoren hervorgebracht, die sehr erfolgreich mehrere Kriminalromane veröffentlicht haben.
Eine ganz andere Richtung schlägt da das unter dem Titel „Life is a Party! Mein Leben zwischen Champagner, Männern und Millionen“ erschienene Buch von Claudia Obert ein. 2021, zu ihrem 60. Geburtstag, blickt sie auf ihr Leben zurück von dem sie selbst sagt „99 Prozent davon habe ich so gelebt wie ich es wollte“.
Claudia Oberts Haustier war das Sparschwein
In ihren Memoiren widmet sie Kippenheim gleich ein ganzes Kapitel. Im Geburtsmonat von Claudia Obert, September 1961, zählte Kippenheim 2404 Einwohner. Zumindest ihre ersten, in Kippenheim verbrachten, von Sparsamkeit bestimmten Lebensjahre waren für die Autorin keine Party – aber sicherlich die Jahre welche das Kind Claudia geprägt haben und den Grundstein für ihre Karriere gelegt haben.
„Unser Haustier war das Sparschwein“ so Obert in ihrem Buch. Die quirlige dreijährige Claudia machte sich am Pfingstfest selbstständig, und wurde kurz vor einem Polizeieinsatz im Gasthaus „Ochsen“ aufgefunden, wo sie die Gäste mit Getränken versorgte. Die kleine Claudi – wie Obert sich selbst im Buch oft nennt – in ihrem von der Mutter maßgeschneiderten Kleidchen kam bei der Kundschaft gut an und erhielt dafür „Trinkgeld“. Dieses erste selbst verdiente Geld wurde verwaltet, bis etwas gefunden war für das sich die entsprechende Ausgabe im Supermarkt lohnte.

Im Kippenheimer Gasthaus „Ochsen“ Verdiente Claudia Obert als Dreijährige ihr erstes Geld
Foto: Schillinger-TeschnerSupermärkte für die Kinder der 1960er-Jahre waren „Spar“ und „Edeka“ – so zumindest in Kippenheim. Darüber hinaus gab es kleinere Einzelhandelsgeschäfte. Die für die Kinder heiß begehrten und nur selten erschwinglichen Süßigkeiten standen offen – unverpackt – zumeist in Glasbehältnissen im Bereich der Ladentheke.
Süßigkeiten gegen Aufpreis weiterverkauft
Die Dorfkinder zwackten hier und da etwas vom „Vespergeld“, das sie in Ausnahmefällen zum Erwerb eines Gebäckteils beim Schulhausmeister mitbekommen hatten ab, um sich an diesen Schätzen im Glasbehälter zu bedienen und verzehrten die Gummibärchen direkt an Ort und Stelle.
Anders Claudia Obert, deren Geschäftssinn bereits geweckt war. Sie kaufte wochentags die Zuckersachen zum Ladenpreis, um diese dann samstags und sonntags mit 30 bis 50 Prozent Wochenendzuschlag weiter zu verkaufen. Den Gewinn investierte sie in qualitativ hochwertigere Süßwaren. Diesem Prinzip blieb „Claudi“ auch später mit Erfolg treu. Statt Süßigkeiten verkauft sie heute Mode – an die Damen der Gesellschaft und bewegt sich in den Kreisen der „Reichen und Schönen“.
Mutter schneiderte ihr Kostümchen und Kleider
Die Affinität zu Mode wurde ebenfalls bereits in der Kindheit geweckt. Vom Opa, der Maßschneider war, hatte die Mutter Oberts das Talent geerbt und schneiderte der Tochter Kostümchen, Etui-Kleidchen und Fastnachtskostüme auf den Leib. In ihrem späteren Leben sollte Claudia in einer Boutique in Paris auf den jungen Karl Lagerfeld treffen. Ein anprobierter Mantel von Chanel stand der jungen Badenerin so gut, dass sie diesen trotz des horrenden Preises erstand. Bestärkt wurde dieser Kauf durch Lagerfelds Kommentar „Der steht ihnen vortrefflich – ich verkaufe keinen Mantel, sondern einen Mythos“.
Der Kontakt zu Filmgrößen während ihrer Tätigkeit als Sekretärin bei Columbia Tristar in München verschaffte ihr Einblicke in den Lifestyle a la Hollywood und Claudia kam die Erleuchtung: „So will ich leben“.
Mit Boutiquen Vermögen verdient
Geschäftssinn gepaart mit ihrem Gespür für Mode und dem ihr eigenen unerschütterlichen Selbstbewusstsein führte schließlich dazu, dass Claudia Obert mit 80 Paar Schuhen, die sie bei Designer Sandro Vicari – einer Zufallsbekanntschaft – erwarb, aus Italien zurückkehrte und diese aus der heimischen Wohnung heraus weiterverkaufte.
Im Jahr 1990 gründete Obert ihre Firma „Lean Selling“, eine Art Supermarkt für Luxusmode. Diese ohne Zwischenhandel zu einem überschaubaren Preis zu verkaufen ermöglichte es ihr, ein Vermögen zu verdienen. Ihre Boutiquen findet man in Hamburg und Berlin.
Bis zur Corona-Pandemie waren Jahresumsätze in Millionenhöhe die Regel. Doch die Krise machte auch vor Obert nicht halt. Der Lockdown führte die Selfmade-Millionärin aus der Ortenau in die Krise. Mietschulden und die Schließung der Läden waren die Folge.
Von der Modekönigin zur Fernsehkandidatin
Glücklicherweise fiel 2010 der Startschuss für eine andere Karriere. Das extra für einen Fernsehauftritt bei Hans Meiser gekaufte Chanel Kostüm brachte neben der Gage in Höhe von 150 Euro vor allem Aufmerksamkeit ein. Das lose Mundwerk, die süffisante Art von Obert wurde für das Reality-TV entdeckt. In Formaten wie „Shopping Queen“, „Promi Big Brother“ oder „Promis unter Palmen“, wirkte Obert als Kandidatin mit. Für ein eigenes TV-Format „Claudias House of Love“ in dem es hauptsächlich um Männer und Champagner geht, wird sie von ihrer Fan-Gemeinde geliebt.
Obert vermisst Anerkennung ihrer Heimatgemeinde
Eine Frage stellt sich Obert am Ende ihres „Kippenheim-Kapitels“: „Warum gibt es in Kippenheim keine „Claudia-Obert-Straße“ oder keine kleine „Claudi“-Statue vor dem Rathaus?“ Ihrer Meinung nach liegt es daran, dass den Kippenheimern das Sparschwein möglicherweise immer noch das liebste Tier ist und daher vorwiegend kein Champagner, sondern eher „Kisecco“ – ein mit Kohlensäure versetzter Wein – getrunken wird. Ob das stimmt, bleibt der Meinung des werten Lesers überlassen. Einer champagnerliebenden Selfmade-Millionärin und Reality-TV-Größe bliebe durch das Fehlen solcher Anerkennungen immerhin „eine nicht standesgemäße Einweihungsfeier erspart“, meint Obert.
Kein Rabatt
Zu den Kunden Oberts zählen viele Promis. Aber auch für diese galt und gilt bei Obert das Prinzip: „Prozente gibt es bei mir nur in Alkohol“. Als Mengenrabatt ging so maximal die eine oder andere Flasche Champagner über die Ladentheke.