Scheidender Schuldekan Hans-Georg Dietrich: Religionslehrer mit großer Leidenschaft

Hans-Georg Dietrich im Gespräch
Evangelisches Dekanat OrtenauSo fulminant wie die Verabschiedung in einem feierlichen Gottesdienst (siehe Info) war, so leidenschaftlich fällt der Rückblick des scheidenden Schuldekans Hans-Georg Dietrich aus.
Herr Dietrich, Ihre Predigt kreiste um die Wachtelgeschichte, bei der es ums Ganze, ums Überleben geht. Wieso haben Sie diese Symbolik gewählt?
Claudia Roloff sang von Leonard Cohen „Anthem“. Da heißt es, da ist ein Riss, ein Riss in allem, das ist der Spalt, durch den das Licht fällt. Diese Verbindung zum Predigttext passte hervorragend, da sind es die Wachteln, mit denen das Volk vor dem Hunger in der Wüste gerettet wird. Die Wachteln sind der Riss, hier strahlt das Licht der Hoffnung auf Überleben und Sattwerden. Für mich war es beruflich und privat immer wichtig, dass Kirche auf Seite der Schwächeren steht, von Hoffnung getragen wird.
Wie blicken Sie auf Ihren langen Berufsweg zurück? Gab es Stationen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Ich könnte es ganz kurz machen: mit voller Zufriedenheit mit all meinen Entscheidungen. Es gab in meinem Leben so viele Stationen, die ich hervorheben könnte. Da waren die Studiengänge und Studienorte mit einem Doppelstudium Theologie und Mathematik und Physik in Heidelberg, Tübingen und Straßburg. Schließlich entschied ich mich für das Theologiestudium, da es praktisch nicht mehr möglich war, zweigleisig zu fahren.
Ihr Lehrvikariat absolvierten Sie in Eberstadt, das Pfarrvikariat in Freiburg. War damals schon der Religionsunterricht Thema oder strebten Sie das Pfarramt in einer Gemeinde an?
Damals war ich Gemeindepfarrer an der Ludwigskirche und durch meine Mitarbeit an der Dokumentation über den „Freiburger Kreis“ vom Religionsunterricht freigestellt. In Freiburg-Haslach gehörte der Unterricht zu meinen Aufgaben. Mein Weg führte mich dann ins Elsass nach Sarreguemines mit 30 evangelischen Dörfern, bevor ich zehn Jahre am St. Ursula Gymnasium in Freiburg Schulpfarrer war. Meine Motivation war: Pfarrer kann ich, aber ich wollte mir auch Kompetenzen in der Schule aneignen. Mit Familie und vier Kindern in Ettenheim wohnend, kam die Wahl zum Schuldekan für Lahr und Offenburg 2002 wie gerufen.
In all Ihren Ausführungen schwingt eine solche Begeisterung für Kirche und Schule mit. Haben Sie diese auch praktisch in Ihrem Amt umsetzen können?
Eindeutig ja, da mir nicht nur die theologischen Grundlagen am Herzen liegen, sondern auch das sozial-politische Engagement der Kirche. Und ich durfte kreativ sein. Ich leitete die Fortbildungen für den Unterricht mit einer starken Praxisorientierung. Dazu gehörten Anleitungen zum bewegten Unterricht ebenso wie die pädagogische Ausrichtung in der Theologie. Mit meinem Kollegen und früheren Schuldekan Kehls, Herbert Kumpf, entwarf ich viele tolle Projekte wie den roten Bibelkoffer, der Gegenstände enthielt, die Glauben symbolisiert haben.
Was beinhalteten die weiteren Arbeitsfelder im Amt?
Ich organisierte, auch noch für das kommende Schuljahr, den Unterricht für 175 Schulen für die Regionen Lahr und Offenburg und bin eng mit dem Schulamt vernetzt. Da der Schuldekan und der Dekan des Kirchenbezirk diesen leiten, war ich in allen Leitungsgremien wie Bezirkssynode oder Bezirkskirchenrat Mitglied. Dem Amt des Schuldekans obliegt inhaltlich alles, was mit Bildung und Schule zu tun hat. Deshalb gehörten Schul- oder Examensprüfungen zu den Aufgaben. In Offenburg hatten wir gewissermaßen noch ein gesondertes Aufgabengebiet, die Flüchtlingsarbeit, für die die Badische Landeskirche einen Etat bereitgestellt hatte. Damit konnten rund 100 Einzelmaßnahmen wie Schwimmkurse, Ausstellungen und vor allem Sprachkurse gefördert werden, die wir gemeinsam organisiert haben mit Kirchengemeinden und Initiativen.
Was werden Sie mitunter am meisten vermissen?
Was ich bis zum Schluss noch immer mit großer Leidenschaft gemacht habe, sind der Unterricht und der Schulgottesdienst am IBG in Lahr. Ganz aufgeben wollte ich die Rolle als Lehrer nicht. Für mich war klar, als Schuldekan muss man unterrichten, um den Praxis- und Schulalltag zu erleben, der sich in den vergangenen Jahren, auch durch die Möglichkeiten der modernen Medien, stark verändert hat. Vermissen werde ich das unsagbar tolle Team im Schuldekanat. Auch hier haben einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon den Weg in den Ruhestand angetreten beziehungsweise tun dies mit mir. Dann fällt der Abschied nicht ganz so schwer.
Bis zum Amtsantritt Ihres Nachfolgers gehört Ihnen noch das Büro. Vor Ihrem tatsächlichen Ruhestand im Oktober 2025 haben Sie ein Sabbatjahr geplant.
Ich werde mit meiner Frau nach Griechenland mit einem „open end“ verreisen. Da, wo es uns gefällt, bleiben wir für einige Wochen. Passend zu meiner Verabschiedung und wie es schon im Liedanfang von Leonard Cohens „Anthem“ heißt: „Start again!“ Das gefällt mir als Motto für den Abschied vom Schuldekanat und überhaupt für jeden Tag.
Der Gottesdienst
Gemeinsam mit Oberkirchenrat Wolfgang Schmidt gestaltete Dietrich den Gottesdienst, zu dem mehr als 200 Gäste kamen. Für die Musik sorgten Bezirkskantorin Carmen Jauch an der Orgel und Pfarrerin Claudia Roloff mit Gesangseinlagen. Es gab Grußworte vom Schulamt, Rektoren, Schülervertreterin und dem katholischen Schuldekanat.