Satire im Lahrer Parktheater: Dem Jahresrückblick „Schlachtplatte“ fehlt es erneut an Schärfe

Die vier Kabarettisten Sonja Kling (von links), Robert Griess, Alice Köfer und Aydin Iskik ließen 2024 Revue passieren.
HabererDer kollektive Wahnsinn greift weiter um sich, die politischen Schlagzeilen bieten kaum noch Spielraum für die satirische Überzeichnung des Kabaretts. Beim Format „Schlachtplatte“, das seit vielen Jahren zu Jahresbeginn in Lahr gastiert, geht der Trend deshalb eindeutig in Richtung thematischer Collage und Sketsch.
Für den Kehraus des Jahres 2024 hat Robert Griess mit Alice Köfer, Sonja Kling und Aydin Iskik wieder einmal das passende Quartett zusammengestellt. Es ist eine Truppe, die zwei Stunden lang mit triefendem Spott und scharfzüngiger Analyse sowie einer kräftigen Portion schrägem Klamauk im gut besuchten Parktheater auf den Putz haut.
Natürlich stehen am Anfang des mittlerweile mit gut drei Dutzend Terminen durch ganz Deutschland tourenden Formats, die Schlagzeilen des gerade zu Ende gegangenen Jahres, allen voran der Blick in die USA, wo der Wahlsieg eines verurteilten Straftäters gerade noch einmal verhindert hat, dass eine Frau ins „Weiße Haus“ einzieht.
Elon Musk und Angela Merkel werden aufs Korn genommen
Beim Sprung zurück nach Deutschland fällt der Fokus natürlich auf das Ende der Ampelkoalition und damit auch gleich auf den Wahlkampf in heimischen Gefilden, wo ausnahmsweise einmal nicht die Trolle Russlands, sondern der reichste Mann der Welt, mit wilden Fake-News die Karten neu zu mischen versucht. Robert Griess, Sonja Kling und Aydin Isik, halten mit einer Betrachtung aus der Sicht von drei Bodyguards dagegen, deren Chefs in einem Kindergarten bereits um den Wähler von Übermorgen buhlen. Zurück in den USA, wird erst einmal der Grund für eine gewisse Kriegslüsternheit der Amerikaner deutlich. Bei jährlich rund 50 000 Toten durch Schusswaffen im eigenen Land, macht es durchaus Sinn, sich irgendwo in der Welt ein ruhiges Plätzchen zu suchen. Robert Griess versucht einen Rückblick auf die Ära Merkel, muss aber zugeben, dass er beim Lesen ihrer Biografie nicht über Seite zwölf hinausgekommen ist.
Besser wird es in der Politik wohl trotzdem nicht. Die aktuellen Wahlplakate erinnern an Steckbriefe, als Favorit gilt der regelmäßig zum Wellensittich mutierende Adler aus dem Sauerland, die Alternative Sahra Wagenknecht scheitert am Fachkräftemangel, Alice Weidel schreibt schon einmal die Geschichte um.
Bahn und VW sind Thema
Das satirische Quartett wendet sich deshalb den Abgründen diverser Reality-Shows zu, landet bei Dieter Wendel, Attila Hülsmann und Xavier Naidoo. Es steigt ein in einen vor Monaten im Niemandsland gestrandeten ICE der deutschen Bahn und lädt zur Betriebsversammlung beim Volkswagen-Konzern. Das Thema: Lohnverzicht flankiert durch Werksschließungen und Stellenabbau zur Rettung der Dividende.
Die FDP stimmt derweil mit leicht modifizierten Texten Arbeiterlieder an, während ein mit Klimaflüchtlingen besetztes Fischerboot im Dauerregen des vergangenen Jahres abtreibt, auf die Olympischen Spiele in der Stadt der Liebe, eine wieder einmal durchwachsene Europameisterschaft im eigenen Land folgt. Georgien hat zwar noch nie gewonnen, ein Tor ist dort trotzdem mehr wert als anderswo der Titel, wie Alice Köfer in einem ihrer Sketche musikalisch unter Beweis stellt.
Bundeswehr wird auf Vordermann gebracht
Sonja Kling schlüpft derweil in das Gewand einer urbayrischen Pomeranze, die schräge Limericks serviert, während Aydin Isik wirtschaftliche Zusammenhänge am Beispiel eines endlosen „Black Friday“ erläutert und Robert Griess als rosaroter Kommandeur fröhlich gendernd die Bundeswehr auf Vordermann bringt. Das Publikum hat wieder reichlich zu lachen, wird mit schrägem Humor und reichlich Pointen bombardiert, auch wenn es der „Schlachtplatte“ wie bereits im vergangenen Jahr etwas an politischer Schärfe fehlt, das Lachen viel zu selten im Halse stecken bleibt.