Plädoyer für soziales Engagement: Film über Pirmin Styrnol und die Lahrer Ukraine-Hilfe ist im Kino zu sehen

Dreharbeiten im alten Post-Areal in Lahr: Filmemacher und Ukraine-Helfer Pirmin Styrnol erklärt den Studenten der Hochschule Offenburg, warum er sich für die Ukraine engagiert.
Kovalenko„Weil wir es müssen“ – so heißt der Dokumentarfilm von Studenten der Hochschule Offenburg, der Pirmin Styrnol aus Lahr und seine Partnerin Anzhelika Kovalenko auf einer Fahrt in die westukrainische Stadt Kalusch begleitet. Portraitiert wird auch Till Mayer, Kriegsfotograf und Styrnols langjähriger Wegbegleiter.
Styrnol und Mayer sind beruflich seit 2017 verbunden. Damals erschien ihr gemeinsamer Film „Winter in Lviv“, der vier Frauenschicksale in der krisen- und konfliktgebeutelten Ukraine in den Blick nahm. Der Krieg in der Ukraine, den viele Deutsche erst ab 2022 bewusst wahrnahmen, existiert für die beiden Filmemacher schon viel länger. 2019 filmten sie vier Clown-Ärzte bei ihrer Arbeit mit kriegstraumatisierten Kindern aus der Ostukraine.
Seit 2016 ist Mayer in der Ostukraine als Berichterstatter aktiv vor Ort. Und Styrnol ist als Initiator der Lahrer Hilfsorganisation „Gemeinsam Europa“ an vielen Transporten von Hilfsgütern in die Lahrer Partnerstadt Kalush direkt beteiligt.
Zwei Drittel des Films spielen in Lahr und in Kalusch
Bei einer seiner Lieferungen ließen sich Styrnol und Kovalenko von einem dreiköpfigen Filmteam von Studenten der Offenburger Hochschule begleiten. Der Deal: Die Studenten sollten einen eigenen Hilfstransporter fahren. Drei Tage war das Team vor Ort in Kalusch, sprachen mit NGOs und trafen den Bürgermeister.
Dass der Krieg längst bis in den Westen der Ukraine reicht, erlebten die Studenten hautnah, als eines Abends ein nahe gelegenes Umspannwerk von russischen Raketen beschossen wurde. „Nicht direkt lebensgefährlich, aber alles andere als angenehm“, kommentiert Styrnol im Gespräch mit unserer Redaktion die Situation.
Was die beiden Protagonisten in ihrer praktischen Arbeit eindringlich veranschaulichen, wird von der Historikerin Franziska Davies von der Universität München theoretisch unterfüttert. Davies besteht auf der Verantwortung Europas für die Verteidigung der Ukraine, im Hinblick auf die eigene Sicherheit ebenso wie aus humanitären Gründen.
Und der Kriegsfotograf Mayer macht an einer Stelle im Film deutlich: „Für mich gab es bisher keinen Krieg, aus dem ich berichtet habe, wo so klar war, wer gut und wer böse ist.“ Styrnol sagt dazu: „Objektivität war unser Ziel, denn eine Doku muss echt bleiben, aber neutral ist der Film nicht.“ Dass die Doku eine klare Haltung hat, findet der Lahrer Filmemacher wichtig.
„Weil wir es müssen“ – der Titel des Films soll die Antwort auf die Frage sein, warum Menschen es für ihre Pflicht halten, die Ukraine zu unterstützen. Gleichzeitig möchte er die Deutschen daran erinnern, dass sie nicht nachlassen dürfen, Beistand zu leisten.
Eine ausbleibende Unterstützung Deutschlands und Europas bedeute womöglich den Untergang der Ukraine, befürchtet Mayer in einem Filmausschnitt. Aber der Film nimmt nicht nur die europäische Politik in den Blick, sondern will ein Plädoyer für soziales Engagement eines jeden Einzelnen sein, da sind sich die Akteure vor und hinter der Kamera einig.
Mit Crowdfunding finanziert
Für Styrnol ist das Thema „nicht nur, was wir tun können, sondern was wir letztendlich tun müssen“. Und Russland führe nicht einfach einen Krieg gegen ein Land in Europa, sondern gegen das europäische Wertesystem insgesamt, betont Regisseur Alex Bürger.
Der Student an der Hochschule Offenburg erklärt gegenüber unserer Redaktion, was ihn dazu bewegt hat, einen solchen Film überhaupt zu machen: Als Russland im Februar 2022 in die Ukraine einmarschierte, hätten ihn die eigene Ohnmacht und das eigene Unwissen über Osteuropa im Allgemeinen dazu veranlasst, sich mit den Geschehnissen filmisch auseinanderzusetzen.
Finanziert wurde der 42-minütige Film teils durch Crowdfunding, teils von Geldern von Stiftungen und von der Hochschule Offenburg.
Die Resonanz auf den Film bei den Vorführungen sei sehr gut gewesen, sagt Styrnol. Vor allem sei das Interesse in Kalush groß, den Film gezeigt zu bekommen. An einer ukrainischen Übersetzung wird momentan noch gearbeitet, eine Aufführung soll es im Herbst dieses Jahres geben. Im Laufe des Jahres ist eine Kinotour geplant, gezeigt wird der Film unter anderem in Freiburg, München und Potsdam.
Filmvorführung
Das Forumkino Lahr präsentiert am Freitag, 11. Juli, den Dokumentarfilm „Weil wir es müssen“ mit anschließendem Filmgespräch. Ab 18 Uhr gibt es Informationsstände rund um Hilfe und Spenden für die Ukraine im Kinofoyer. Um 19 Uhr ist laut Veranstalter die eigentliche Filmvorführung. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.