Neues System für Tunnelvergrößerung
: Die Herrenknecht AG erhält „Bauma“-Innovationspreis

Die Herrenknecht AG erhält den „Bauma“-Innovationspreis 2025 in der Kategorie „Maschinentechnik“ für die Entwicklung des Tunnel Enlargement Systems (TES). Es sei ein „neuer Meilenstein im maschinellen Tunnelbau“.
Von
(red/jg)
Schwanau
Jetzt in der App anhören

Martin-Devid Herrenknecht (Zweiter von links), Mitglied des Vorstands, nahm mit Vertretern der Herrenknecht AG und PORR den Innovationspreis entgegen.

Herrenknecht AG

Die Preisverleihung für den „Bauma“-Innovationspreis fand im Rahmen der Eröffnung der Messe für Bau-, Baustoff- und Bergbaumaschinen in München (Bauma) statt. Der Laudator Johann Sailer, geschäftsführender Gesellschafter von Geda, betonte: „Tunnelbautechnik fasziniert immer wieder – diese im Speziellen ermöglicht, alle Eisenbahntunnel sicher zu sanieren und auszuweiten, bei laufendem Bahnbetrieb.“

Mit dem TES greife Herrenknecht eine zentrale Herausforderung der europäischen Verkehrsinfrastruktur auf, heißt es in der Pressemitteilung der Herrenknecht AG: Viele der rund 800 Eisenbahntunnel, die zwischen 1850 und 1910 in Deutschland, Österreich und der Schweiz gebaut wurden, seien noch in Betrieb – und müssen künftig modernisiert werden. Elektrifizierung, größere Spurweiten, moderne Sicherheitsstandards und steigende Verkehrsanforderungen erforderten eine Vergrößerung der Tunnelprofile – ohne den laufenden Zugbetrieb zu unterbrechen. „Mit dem TES setzen wir einen neuen Meilenstein im maschinellen Tunnelbau. Die Kombination aus Hochtechnologie, Sicherheit und Effizienz eröffnet neue Möglichkeiten, bestehende Verkehrswege unterbrechungsfrei und zukunftsfähig zu machen. Ich bin besonders stolz auf unser Team in Schwanau, das m diese Technik zur Reife gebracht hat“, so Vorstandsmitglied Martin-Devid Herrenknecht.

Dank des TES kann der Bahnverkehr während der Bauarbeiten weiter laufen

Das von Herrenknecht entwickelte TES ermöglicht es, die Tunnelerneuerung bei laufendem Bahnbetrieb durchzuführen, heißt es in einer Pressemitteilung. Zunächst werden die bestehenden Gleise demontiert und stattdessen ein Gleis in der Mitte der Bestandsröhre verlegt. Auf diesem Gleis läuft der Bahnverkehr während der gesamten Bauarbeiten weiter. Das TES bewegt sich während des Vortriebs schrittweise vorwärts. Gleichzeitig dient es als Schutzeinhausung und trennt die Bauarbeiten zuverlässig vom laufenden Bahnverkehr. Der vordere Maschinenteil des TES sichert den Tunnel und die Bahngleise vor Verbruch und herabfallendem Gestein. Der Mittelteil trägt die hochentwickelte Ausbruch- und Sicherungstechnik und der hintere Maschinenteil dient zur Versorgung mit Energie, Druckluft und Baumaterialien.

Seinen ersten großflächigen Einsatz hat das TES seit Januar 2024 bei der Erneuerung von zwei historischen Tunneln der Lahntalbahn nahe Limburg an der Lahn – dem 426Meter langen Fachinger Tunnel und dem 732 m langen Cramberger Tunnel. Bei laufendem Bahnbetrieb wird dort der Tunnelquerschnitt um rund zwei Meter im Radius erweitert – auf Maße, die heutigen Neubauten entsprechen. „Die PORR hat mit dem TES den ersten Tunnel erfolgreich erweitert und wir freuen uns sehr, dass dies nun mit dem Innovationspreis gekrönt wurde“, unterstrich auch Ulf Kirsten, Leiter Tunnel Maschinentechnik Operational Services bei PORR, Auftraggeber für die Projekte auf der Lahntalbahn.

LZ aktuell
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Lahr Montag bis Samstag im kompakten Überblick.