Neues Format der Musikkapelle: „Wallburg rockt“ legt einen holprigen, aber gelungenen Start hin

„Second End“ sorgte für rockige Stimmung.
DecouxEs ging an beiden Abenden um Rock mit wenig Pop. Zudem war vieles im Bigband-Stil oder legendärem Disco-Sound vergangener Jahrzehnte aufgelegt. Bis auf eher vereinzelte Jugendliche wurden an beiden Tagen jeweils rund 120 Besucher quer durch alle Altersklassen von der Ankündigung angelockt. Sie wurden von zwei Mal vier Bühnen-Bands unterhalten – dies zwar teils blasmusikalisch, jedoch völlig unverstaubt. Auch manche Senioren hatten sich eingefunden. Sie gehören einer Generation an, die musikalisch nicht nur mit Roy Black, Freddy Quinn oder Heino aufgewachsen war, sondern auch etwa mit den Beatles, den Rolling Stones, Pink Floyd oder Jimi Hendrix und Janis Joplin.
Schon vor eineinhalb Jahren hatte Patric Frey als Vorsitzender im Führungstrio der Musikkapelle Wallburg ein komplett neues Konzept für die bis dahin veranstalteten Musikherbst-Konzerte des Vereins vorgeschlagen. Denn bei denen ließ im Laufe der vergangenen 15 Jahre der Besucherzustrom immer mehr nach. Eine Rückkehr zu den vorangegangenen 20 Weinfesten versprach ebenfalls kein neues Erfolgsrezept. So wurde beschlossen, etwas ganz Neues zu wagen.
Kapelle musste neue Licht- und Tonanlage kaufen
Nicht nur, dass sich zusätzlich eine neue vereinseigene Bigband unter Dirigent Bernd Oswald gründete. Man nahm sich überdies vor, künftig regionalen Bands eine Auftrittsmöglichkeiten zu bieten. Schon bei seinen ersten Telefonumfragen hatte Frey dann bei regionalen Gruppen große Resonanz erfahren. „Wir hätten damit schon eine ganze Programmwoche füllen können“, sagt er.
So kam es nach langer Vorbereitung zum ersten Wallburger Rock-Ereignis. Dem war eine umfangreiche Organisationsphase vorausgegangen, samt Besorgen einer Tonanlage und Lichttechnik. Allein diese Ausstattung hätte schon geschätzt 5000 Euro gekostet, was durch Eintrittsgelder niemals zu erwirtschaften wäre. Daher halfen einige Sponsoren auch mit Bereitstellung von Bühnentechnik.

„Dirty Daddy“ war einer der musikalischen Höhepunkte.
Foto: DecouxMit den angekündigten „Bail“, „Cosmic Presents“ und „The Mean Musterds“ fielen krankheitsbedingt kurzfristig gleich drei Gruppen aus. Doch das kompensierten die verbliebenen sechs Bands samt spontan eingesprungenen „The Cube“ mühelos. Am ersten Tag begeisterte die neu gegründete „Revival Bigband“, der nicht nur Vereinsmitglieder angehören, mit einem gut einstündigen dynamischem Programm. 14 Blasmusiker sowie zwei Gitarristen nebst Keyboard und Schlagzeug zauberten eine gelungene Darbietung mit Schwung daher. Etwa den Travolta-Hit „You’re the one that I want“ samt Flügelhorn-Solo, James Lasts verjazzte „Blue Polka“ und den „Sportpalast-Polka“.
Auch ältere Musiker liefern temperamentvolle Lieder ab
Bei der nächsten elfköpfigen Gruppe „Soul’s back in Town“ aus der Region ging es nicht minder temperamentvoll zu. Die geballte Power des Soul von Aretha Franklin bis James Brown oder etwa Lady Marmelade, Mustang Sally, Natural Woman oder Proud Mary alias „Rolling on the River“ wurden zelebriert. Auch diese Formation kam um Zugaben nicht herum. So erging es dann auch den vier im besten Rentenalter gereiften Herren der südbadischen „Liverpool Beats“ mit Titeln aus den 1960er- und 70er-Jahren von Rockgrößen der damaligen Zeit.
„The Cube“ sorgt für musikalischen Abschluss
Samstagabends startete das in Wallburg beheimatete „Second End“ als seit ihrem Beginn vor mindestens 20 Jahren nun ebenfalls schon gereiftere Hardrockband (drei E-Gitarristen und ein Schlagzeuger) etwa mit „Should I go or should I stay“ von Clash, „La Grange“ und „Sharp dressed man“ von ZZ Top oder „Auf gute Freunde“ der Böhsen Onkelz. Sie hatten den Rocktitel „Belgium“ im Refrain auch etwas umgetextet. „Hello Wallburg“, hieß es dann. Hierzu merkte der bekannte Moderator Eleftherios Mavros an: „Das ist ein Beweis, dass der Süden lebt.“
Nicht minder begeisterte anschließend die Wolfacher Bluesrock-Formation „Daddy Dirty“. Die stehen schon seit den 90ern für kompromisslosen „Roggnroll“ mit Eigenkompositionen. Schließlich setzten die eingesprungenen „The Cube“ aus Waldkirch noch eins drauf. Sie feiern gerade ihren Geburtstag unter dem Motto „Zehn Jahre und kein bisschen leiser“. Auch in Wallburg glänzten sie mit besonderen Interpretationen großer Klassiker.
Info – Das Fazit des Vereins
Vorstand Patric Frey machte hinterher keinen Hehl daraus, dass etwa 90 Prozent der Rock-Gäste von auswärts (nämlich von Emmendingen bis Offenburg) gekommen waren und nur entsprechend wenige aus Wallburg selbst. Vereinsvertreter sowie örtliche Persönlichkeiten habe man leider auch nicht gesichtet. Dank den Sponsoren (BSK Rechtsanwälte Freiburg, Baden Auktionen Ettenheim, Camping Oase Ettenheim, Fischer Bekleidung und Stöckle Brauerei Schmieheim) samt unterstützenden Breisgauer Motorradfreunden, den vielen Bands und den eigenen Vereinshelfern – insbesondere bei der Bewirtung – sei man dennoch „alles in allem“ mit dem Erfolg des Events zufrieden.