Mit Klavier und Geige
: Musiker begeistert mit Improvisationen zu Stummfilmen

Günter A. Buchwald hat am Freitagabend bei seinem Auftritt im Stiftsschaffneikeller zwei Klassiker aus der goldenen Ära des frühen Kinos musikalisch begleitet.
Von
Endrik Baublies
Lahr
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Mit dem Blick zur Leinwand vertonte Günter A. Buchwald die gezeigten Streifen.

Baublies

Der Musiker hat reichlich Erfahrung. Laut Christopher Kern vom Kulturkreis hat Buchwald rund 3500 Stummfilme auf seine Weise illustriert. Noten gab es nicht. Buchwald improvisierte zu dem, was auf der Leinwand geschah.

Es war kein Zufall, dass er „Die Sache mit der Hose“ (im Original „Liberty“) des Komikerduos Stan Laurel und Oliver Hardy und „Ausgerechnet Wolkenkratzer“ (im Original „Safety last“) mit Harold Lloyd ausgewählt hat. Beide Filme haben ein grandioses Finale, bei dem Hochhäuser und Abgründe eine nicht ganz unbedeutende Rolle spielen.

Im ordentlich besuchten Stiftsschaffneikeller (trotz eines baustellenbedingten Ausfalls der Bühnenbeleuchtung) waren die Improvisationen Buchwalds an Klavier und Geige eine Klasse für sich. Seine Musik untermalte die kleinen Dramen in beiden Filmen, sodass die Komik der Darsteller und die teilweise absurden Handlungen wunderbar verstärkt zur Geltung kamen. Dabei war seine Musik – auch das muss man können – nie aufdringlich. Was bei den verzweifelten Blicken der drei Hauptdarsteller und vermeintlich echten Abgründen bei den Kamerafahrten auf der Leinwand allerdings auch relativ ist.

Zunächst wird ein Film von Laurel und Hardy vertont

Dass der Musiker Anklänge an Klassiker der Musikgeschichte nahm – umso besser. Als es einmal im Film besonders gefährlich wurde, kündigte die bekannte Akkordfolge der fünften Sinfonie Beethovens das Unheil an. Im Gegensatz dazu schrillte und kreischte die Geige förmlich. Das Zusammenspiel mit den bewegten Bildern war ganz große Klasse.

„Liberty“ stammt aus dem Jahr 1929. Da gab es bereits die ersten „Talkies“ (Tonfilme). Diese Neuerungen wurden allerdings – auch aufgrund der zuerst bescheidenen Tonqualität – von den Großen des Genres, darunter Charlie Chaplin, nicht ernst genommen.

„Liberty“ hat eine einfach gestrickte Handlung. Auf der Flucht aus dem Gefängnis werden zwei Sträflinge von der Polizei verfolgt. In der Eile, die gestreiften Klamotten loszuwerden, verwechselt der hagere, groß gewachsene Stan Laurel seine Hose mit den Beinkleidern des – charmant gesagt – gut gebauten und mindestens einen Kopf kleineren Oliver Hardy. Es folgt eine vergebliche Aneinanderreihung von Versuchen, die Hosen zu tauschen. Am Ende turnen beide auf einem noch nicht fertiggestellten Wolkenkratzer herum.

Der Trick, dass Zuschauer immer mehr wissen als die Helden, egal ob auf der Leinwand oder auf der Bühne, zieht immer, so auch hier: Das rettende Seil vor dem Abgrund ist an einem unbefestigt abgestellten, vermutlich schweren Zementsack mehrere Stahlträger oberhalb befestigt.

Der Held des zweiten Filmes ist charmanter Hochstapler

Diesen Kunstgriff wendet auch Harold Lloyd mehrfach an. In „Safety Last“ (hier als „Ausgerechnet Wolkenkratzer“ bekannt) aus dem Jahr 1923 will der Held sein Mädchen (Mildred Davies) heiraten. Seine Versuche, Geld zu verdienen, misslingen grandios. Dass Harold Lloyd ein charmanter Hochstapler ist, überzeugt nur seine Partnerin, nicht aber den Chef des Kaufhauses. In seiner Not verspricht er, einen echten Fassadenkletterer als Werbegag für das Kaufhaus zu engagieren. Der Freund ist aber bereits mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Vor dem Beginn des Aufstiegs muss der echte Klettermaxe vor der Obrigkeit fliehen und Harold Lloyd beginnt notgedrungen den Aufstieg. Das Versprechen des Flüchtigen: Er werde im nächsten Stockwerk den Part übernehmen, die Fassade bis zum Dach zu erklimmen.

Die Litanei wiederholt sich, bis Harold Lloyd – der im Film garantiert nicht schwindelfrei gewesen ist – oben wohlbehalten angekommen ist. Sein Mädchen ist auch da – Ende gut, alles gut.

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