„Miss Unterstood“ in Aktion
: So war es beim Before X-mas-Konzert im Lahrer Schlachthof

Die Band Miss Understood und musikalische Gäste haben den Schlachthof gerockt. Für eine besondere Note sorgte Burlesque-Künstlerin Patricia Benos.
Von
Nicolaus Wilhelm
Lahr
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Melissa Zucano und Patricia Benos(Zweite und Vierte von rechts) sowie ihre musikalischen Mitstreiter sorgten für einen gelungenen Abend.

Wilhelm

Es gibt Traditionen, die man nicht missen möchte, und das Before X-mas-Konzert der Lahrer Rockwerkstatt gehört definitiv dazu. Wer am Vorabend von Heiligabend noch einmal den Kopf freibekommen wollte, war im Schlachthof genau richtig. Mehr als 200 Zuschauer drängten sich in die Halle, um mit der Band Miss Understood und illustren Gästen eine Party zu feiern, die musikalisch wie optisch keine Wünsche offenließ.

Die Band um die Lahrer Sängerin Melissa Zucano präsentierte sich als schlüssig eingespieltes Ensemble, das klare Charakteristiken und feine Nuancen perfekt miteinander verzahnte. Schon die ersten Takte machten klar, dass hier Profis am Werk sind, die sich blind verstehen. Die Rhythmusgruppe legte einen starken Grundteppich: Eddy Herrmann am Schlagzeug schenkte dem Abend Präzision und treibende Energie, Antje Brugger an der Percussion sorgte für feine Akzente und Texturen, Fatmir Karagjyzi am Bass verankerte die Stücke mit warmer Tiefe.

Die Harmonien standen unter der Ägide von Elizabeth Audrey am Keyboard und Wolfram Frei an der Gitarre; beide schufen feine Melodienstrukturen, die den Gesang von Frank Domnik und Melissa Zucano wunderbar trugen. Frank Domnik (Gesang und Gitarre) und Melissa Zucano teilten sich das Rampenlicht mit einer spürbaren Spielfreude.

Italo-Pop sorgte für mediterranes Flair

Das Programm war eine Reise quer durch die Genres. Mit Klassikern wie „Get Lucky“ und „Easy Lover“ holte die Band das Publikum sofort ab. Doch besonders charmant wurde es, wenn Zucano ihre italienischen Wurzeln ausspielte: Bei „Laura non c’è“ und „Cose della vita“ brachte sie im Duett mit Domnik mediterranes Flair in den winterlichen Schlachthof – leidenschaftlich und stimmgewaltig.

Was diesen Abend jedoch vom gewöhnlichen Cover-Konzert abhob, war die geschickte Integration der Gäste. Ein Novum war der Auftritt von Joachim Bauer, Sänger der Band Schüttelfrost. Er brachte erstmals deutschsprachige Songs in das Repertoire von Miss Understood ein. Rio Reisers „Junimond“ sorgte für Gänsehautmomente, während Westernhagens „Sexy“ die Stimmung zum Kochen brachte.

A propos „Sexy“: Hier kam Jenna Patricia Benos ins Spiel. Als „pikante Zusatznote“ angekündigt, enttäuschte sie nicht. Mit einer musikalischen Burleske-Show brachte sie eine geschmackvolle Prise Erotik und Theatralik auf die Bühne.

Später holte sie als ihr Alter Ego „Lola“ einen mutigen Zuschauer für einen Solo-Sketch auf die Bühne – eine Einlage, die zeigte, wie vielseitig und humorvoll ihre Performance ist und die vom Publikum johlend gefeiert wurde.

Musikalisch auf absolutem Top-Niveau bewegte sich der Gastauftritt von Jürgen Herrmann. Der „Ausnahmesaxofonist“, der die Band schon früher begleitet hatte, lieferte eines der absoluten Highlights des Abends: „Lily was here“. Im Duett mit Frank Domnik an der Gitarre konnte Herrmann seine ganze Expertise zeigen – ein instrumentaler Dialog, der unter die Haut ging und mit tosendem Applaus belohnt wurde.

Fazit:Insgesamt begegnete man einem Abend, der konzeptionell frei, lebendig und schelmisch zugleich war. Die Technik der Lahrer Rockwerkstatt setzte das Geschehen auf der Bühne den ganzen Abend über brillant in Szene – Licht und Sound waren glasklar und druckvoll. Als die letzten Töne verklungen waren, blickte man nur in strahlende Gesichter. Miss Understood und ihre Gäste haben bewiesen, dass sie wissen, wie man ein Publikum kurz vor dem Fest beschenkt: mit einem musikalischen Gourmet-Eintopf mit einer pikanten Chilinote.

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