Ministerin zu Besuch: IHK fordert in Lahr, die berufliche Bildung in den Fokus zu rücken

Gespräch über Schulpolitik (von links): IHK-Hauptgeschäftsführer Dieter Salomon, IHK-Vizepräsidentin Brigitta Schrempp, Ministerin Theresa Schopper, IHK-Präsident Eberhard Liebherr und Simon Kaiser, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung
IHKDieter Salomon, Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein, begrüßte Schopper, verbunden mit dem Wunsch an die Politik, berufliche Bildung wieder stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken. „Im Ausland bewundern alle unser duales Ausbildungssystem, doch in Deutschland – so hat man das Gefühl – zählt eigentlich nur ein Studium etwas“, so Salomon. Die IHK Südlicher Oberrhein versuche mit den anderen IHKs gegenzusteuern und die Ausbildungskampagne „Jetzt #koennenlernen“ ins Blickfeld von jungen Menschen und Eltern zu rücken. Hier geht es darum, Karrierechancen in der beruflichen Bildung aufzuzeigen und Lust auf eine Ausbildung in einem Unternehmen zu machen, heißt es in einer Mitteilung der IHK.
Das will auch Schopper: „Wir brauchen mehr Offenheit dafür, was die berufliche Bildung für große Möglichkeiten bietet.“ Baden-Württemberg sei in der beruflichen Orientierung weit voraus im Vergleich zu anderen Bundesländern. Aber das sei keine Garantie, dass junge Menschen den richtigen beruflichen Weg finden. „Wir sind in der Prozessbegleitung noch nicht so gut, wie wir sein wollen.“
Auf dem Weg zu G9 gebe es mehr Raum für solche Themen. Neben dem Schwerpunkt auf die Fächer Mathematik, Physik, Chemie sollen Kompetenzen in Informatik/Künstliche Intelligenz und Medienbildung gestärkt werden. Hinzu komme eine bessere Verzahnung mit der beruflichen Orientierung. So soll es verbindliche Praktikums- und Praxiselemente geben.
Schopper: Schulen sind in vielen Bereichen überlastet
Simon Kaiser, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Südlicher Oberrhein, begrüßt die stärkere Praxisorientierung an Gymnasien, ihm fehlt aber eine Regelung für ein verbindliches Praktikum in einem Ausbildungsbetrieb. „Wieso bringt man nicht den Mut auf, einen Hebel einzubauen, um wirtschaftliche Akteure wie Kammern, Verbände oder die Agenturen für Arbeit mit ihren Berufsberatungen in den Prozess einzubinden?“ Laut Kaiser ist die Bandbreite, wie sich Gymnasien mit Partnern aus der Wirtschaft in der beruflichen Orientierung zusammentun, sehr groß. „Es gibt leider immer noch viele Gymnasien, die sich hier verschließen.“
Schopper sei sich der Heterogenität bewusst. Aber: „Das Umdenken setzt ein, wir müssen es befördern. Wir müssen unseren Schulen aber auch etwas geben, das kopierfähig ist, denn sie sind in vielen Bereichen sehr überlastet.“ Sie verwies auf Themen, die Schulen in ihrer täglichen Arbeit ausbremsen, ihren Ursprung aber in gesellschaftlichen Veränderungen haben. Diese mündeten in Forderungen zur Stärkung von Kompetenzen bei jungen Menschen, die eigentlich innerhalb der Familien aufgebaut werden müssten.
Umsetzung der Maßnahmen ist ein hartes Brett
Wichtig sei es, Kinder in den Blick zu nehmen, die weniger gute Startbedingungen vorfinden. Laut Schopper erreicht mindestens jedes fünfte Kind in der Grundschule die Mindeststandards im Lesen, Schreiben und Rechnen nicht. „Wir müssen hier deutlich früher ansetzen, sonst bleiben wir ein Reparaturbetrieb.“ Die Landesregierung setze im Rahmen der Bildungsreform auf ein Programm, das bereits vor der Einschulung ein Sprachtraining für alle Kinder biete, die bei der Einschulungsuntersuchung einen intensiven sprachlichen Förderbedarf zeigten. „Das und all die anderen Maßnahmen umzusetzen, ist ein sehr dickes Brett“, so Schopper. Doch die beste Sozialarbeit bestehe darin, die Kinder in den Zug zu bekommen und ihre individuellen Talente zu fördern.
IHK Südlicher Oberrhein
Die Kammer hat mehr als 70 000 Mitglieder. Laut Mitteilung werden vom Kleinunternehmer bis zum Weltmarktführer die Interessen der Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung vertreten.