Menno Fahls Skulpturen in Lahr
: Material, Form und Standort treten in einen Dialog

Vier der fünf Skulpturen im Lahrer Zentrum hat Menno Fahl eigens für das Format „Kunst in der Stadt“ geschaffen. Ein Rundgang mit dem Künstler.
Von
Jürgen Haberer
Lahr
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Meno Fahl mit seiner Groß-Skulptur auf dem Lahrer Urteilsplatz

red

Zwei Wochen, bevor die Begleitausstellung in der städtischen Galerie im Alten Rathaus endet, hat der in Schleswig-Holstein und Berlin lebende Künstler noch einmal seine Ansätze skizziert, eine gewisse Abgrenzung zwischen Galerie und öffentlichem Raum vorgenommen. Seine bis zum 15. Juni geöffnete Ausstellung im Dachgeschoss des Alten Rathauses ist geprägt von der spielerischen Geste freier Formen. Wandobjekt, Malerplastik, kleinere Skulpturen und Büsten, eine expressive, surreale und farbmächtige Kunst, die im geschützten Raum der Galerie erst einmal für sich alleine steht.

Fahl hat in Kiel Malerei studiert, sich ab 1994 als Schüler von Lothar Fischer, in Berlin, aber der Bildhauerei zugewandt. Fahls burleske Gegenständlichkeit basiert dabei immer auch auf dem Einsatz unterschiedlichster Materialien und einer Farbgebung, die, bereits im Entstehungsprozess eingesetzt, zur Formulierung beiträgt. Das Abstrakte wirbelt dabei immer mit durch den Raum, bezieht Position in einer Kunst, die mit Ironie und archaischer Kraft das scheinbar Perfekte in die Schranken weist, mit wilden Gesten aus scheinbar gegenläufigen Impulsen schöpft.

Bei der Annäherung an das Ausstellungssegment im öffentlichen Raum ist Menno Fahl auch der Frage nach der Wechselwirkung mit der Möblierung der Innenstadt, ihrer Architektur nachgegangen. „Klare Farben, einfache Grundformen“ lautet für ihn die daraus abgeleitete Rezeptur. Vier der fünf Skulpturen wurden eigens für Lahr geschaffen.

Schlanke Figur bietet schönen Kontrast

Nur die „Stangenfigur“ aus dem Jahr 2023 stammt aus dem Fundus des Künstlers, wurde bereits zwei Mal im Außenbereich gezeigt. In Lahr hat er sie an der Treppe zwischen Stadtmühle und Sparkasse platziert. Eine schlanke Figur aus recyceltem Holz und Sperrholz, mit eingearbeiteten Abstreifgittern aus dem Baustoffhandel, kommentiert mit spielerischer Ironie auch das neoklassizistische Erscheinungsbild, die überbordende Wucht der Fassade des Bankhauses.

Ganz anders das Erscheinungsbild der Skulptur „Große Krallenbüste“ (2025) beim historischen Rathaus auf dem Urteilsplatz: In Rundform gebrachte Kunststoffteile, gekrönt durch ein Karosserieteil als Kopfhaube, das die Grundform des Holzsockels reflektiert. Gestische Schlichtheit als beruhigendes Element am Rande des Platzes.

Die „Große Diva“ (2024) auf dem Sonnenplatz spielt mit der Monumentalität antiker Plastiken: Klare Linien und geschwungene Bögen, eine Aufteilung in Segmente, die derselben Rezeptur folgt wie die umliegenden Geschäftshäuser.

Als finales Statement dann ein wunderbar kontrastierendes Duo auf dem Rathausplatz. „Stadtvogel“ und „Großer Straßenfeger“, zwei Skulpturen aus dem Jahr 2025. Rechts ein vielfarbiger Paradiesvogel mit eingefangenen Bewegungsmomenten in den ausgebreiteten Schwingen. Links eine überwiegend in Weiß gehaltene Stele, deren Besen in dem Himmel zeigt. Menno Fahl hat sie auf dem Platz zusammengeführt und dafür die Position auf dem Rasen im Innenhof des neuen Rathauses aufgegeben.

Die Öffnungszeiten in der Galerie im Alten Rathaus

Während die Skulpturen auf dem Urteilsplatz, dem Sonnenplatz, bei der Stadtmühle und auf dem Rathausplatz bis zum 14. September zu sehen sind, endet die Begleitausstellung bereits am 15. Juni. Die Öffnungszeiten der Galerie im Alten Rathaus sind Mittwoch bis Freitag 16 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr.

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