„Landwirte im Spannungsfeld“: So lief das 523-Jährige der Reb- und Ackerbauzunft Ettenheim

Peter Seiler (von links) stellte den neuen Zunftrat vor: Stephanie Kirn, Viktor Speck, Lukas Schaudel, Robert Dees und Philipp Köbele.
DecouxIm Drei-Jahres-Turnus steht bei der Ettenheimer Reb- und Ackerbauzunft der erste Montag nach dem Namenstag des Zunftbarons Sebastian (20. Januar) im Fokus. In diesem Jahr war es wieder so weit: Die Zunft feierte traditionell den Festtag. Den Titel einer altehrwürdigen Zunft trägt die Bauernzunft zu Recht – immerhin besteht die Gemeinschaft seit 523 Jahren.
Nachdem der Tag mit einem Gottesdienst und Neuwahlen begangen wurde (siehe Info), stand am Abend eine Zusammenkunft der Zunftmitglieder mit Regularien, netter Unterhaltung sowie gutem Essen in der rappelvollen Stadthalle auf dem Programm. Die Gestaltung lag in den Händen des bisherigen Zunftrates, bestehend aus Zunftmeister Peter Seiler und den Beiräten Anja Kopp, Alexander Jäger, Frank Broßmer und Axel Helle.
Nachwuchs der Zunft scheint gesichert
Um die Zukunft der Zunft muss man sich offensichtlich nicht sorgen. Drei Söhne aus dem Hause von Zunftrat Jäger und ein Sohn aus dem Hause der Zunfträtin Kopp unterstrichen mit ihrem Prolog ihr nachhaltiges Interesse sowohl an der heimischen Landwirtschaft als auch einer florierenden Gemeinschaft. Die Bühne war dann frei für die Vorstellung des neuen Zunftrats. Launig und mit einem Augenzwinkern stellten sich die neuen Räte mit ihrem Bezug zur Landwirtschaft vor. Die Tradition und Geschicke der Zunft tragen für die nächsten drei Jahre Stefanie Kirn als Zunftmeisterin sowie die Beiräte Wiktor Speck, Robert Dees, Lukas Schaudel und Philipp Köbele.
Bei seinem obligaten Rechenschaftsbericht bilanzierte Seiler einen Mitgliederstand von 459 Mitstreitern und ein solides Kassenvermögen von 14 286 Euro. Der BLHV-Kreisvorsitzende Klaus Dorner nutzte das Podium, um die aktuelle Situation der Bauernschaft in der Region zu beleuchten. „Wir stehen im Spannungsfeld mit Umweltschutz, Klimawandel, Ernährungssicherung und Auslandskonkurrenz – und dies alles im Konsens einer auskömmlichen Betriebswirtschaft.“ Trotz meteorologischer Überraschungen und agrar-politischen Erschwernissen sieht Dorner die örtliche Bauernschaft grundsätzlich gut aufgestellt und appellierte an die Verbraucher, die von den heimischen Bauern und Winzern angebotenen regionalen und saisonalen Produkte zu bevorzugen.

Bürgermeister Burno Metz (links) und BLHV-Kreisvorsitzender Klaus Dorner ließen sich das Essen beim Zunftabend schmecken.
Foto: DecouxBürgermeister Bruno Metz betonte die Wichtigkeit der Landwirtschaft für den Erhalt der Kulturlandschaft und das örtliche Gemeinwesen: „Angesichts der geopolitischen Spannungen muss unsere Präferenz auf der regionalen Ernährungssicherung liegen“, so der Bürgermeister.“
Kulinarischer Füller der Programmpause war einmal mehr das gemeinsame Festessen „Lummel und Nudeln“, serviert vom Zunftrat und den Helfer des LV Ettenheim.
Zunftmeister erinnert an alte Zeiten
Es gab jedoch nicht nur etwas für den Magen, sondern auch fürs Gemüt. Die Mädchen des Zunftballetts der „Wölfe“ aus Ettenheimweiler wirbelten bei einer Badezimmer-Disco über die Bühne und die bewährte Theatergruppe des Sportvereins Ettenheimweiler sorgte mit dem Einakter-Bauernschwank „Warum? – Darum!“ unter der Regie von Beate Römer für viele Lacher im Publikum.
Zunftmeister Peter Seiler erinnerte in einem amüsanten Vortrag gemeinsam mit dem „alten“ Zunftrat an eine in ihrer Amtszeit vorgenommenen Baumpflanzaktion zur Neuanlage einer Streuobstwiese am Stadtrand von Ettenheim. Mitgeholfen haben hierbei 60 Kinder des St. Barbara Kindergartens. Richtig freuen durfte sich der „neue“ Zunftrat über eine Baumspende ihrer Vorgänger zur Vergrößerung des Baumbestandes auf der neuen Streuobstwiese.
Musikalisch wurden die Gäste von einer Abordnung der Stadtkapelle unter der Leitung von Franz Amann unterhalten. Im Schlusswort dankte Seiler allen Machern des Zunftabends und insbesondere den beiden Allzweckhelfern Ulrike Baumann und Thomas Dees.
Fester Bestandteil des Abends ist eine „Tellersammlung“ zur Stabilisierung des Zunftvermögens. Diese erbrachte die Summe von 2073 Euro.
Info – So fing der Tag an
Der Tag begann mit einem „Seelenamt“ für die verstorbenen Zunftmitglieder. Dieser wurde vom Ortsgeistlichen Martin Kalt in der Pfarrkirche St. Bartholomäus zelebriert. Danach ging es für die Gottesdienstbesucher ins Gasthaus „Lamm“. Nach dem Essen fand die Neuwahl des Zunftmeisters und seiner vier Beiräte statt. Im Vorfeld des Zunfttages wurden die Kandidaten bereits festgemacht. Die amtliche Wahlhandlung durch Bürgermeister Bruno Metz war deshalb nur noch Formsache.