Landrat Frank Scherer bestätigt das Aus: Für das Ettenheimer Lotsen-Projekt ist keine Rettung in Sicht

Die Gesundheitslotsen haben ihre Zentrale im Zentrum für Gesundheit Ettenheim, ehemals der Klinik-Standort der Stadt. Bis zum 31. Dezember diesen Jahres sind sie dort noch tätig. Danach ist auf unabsehbare Zeit Schluss.
Zentrum für Gesundheit EttenheimDie sogenannten Gesundheitslotsen Ettenheim haben vier Jahre lang – insbesondere Senioren – dabei geholfen, sich in der komplexen Bürokratie des Gesundheitswesens zurechtzufinden. Obwohl das Pilotprojekt nachweislich mit Erfolg gekrönt war, ist Ende diesen Jahres Schluss (wir berichteten). Der Grund: Bis 2022 wurden die Lotsen, die ihren Standort im ehemaligen Klinikum Ettenheim haben, vom Land gefördert.
Eine Folgefinanzierung blieb aus. Dennoch wurde das Projekt – befristet auf zwei Jahre – am Laufen gehalten, in dem der Kreis in Vorkasse ging. Nun hat dieser jedoch die Reißleine gezogen. Im Finanzplan sei kein Platz mehr, hieß es vor rund zwei Monaten im Sozialausschuss.
Wie wichtig die Gesundheitslotsen für die Menschen in der Ortenau sind, brachte nun Gerd Baumer, Vorsitzender des Kreisseniorenrats, zum Ausdruck. „Die Gesundheitslotsen arbeiten patientenorientiert, betrachten die ganzheitliche, gesundheitliche Lebenssituation und orientieren sich an den jeweiligen persönlichen Möglichkeiten in Abstimmung mit den Ärzten. Außerdem kommt den Betroffenen das umfassende Wissen über bestehende Hilfs- und Versorgungsangebote der Lotsen zugute“, heißt es in einem öffentlichen Brief an die Verwaltungsspitze. Besonders für ältere Menschen seien die gesundheitlichen Versorgungsstrukturen komplex.
Sobald der Bund zahlt, soll das Projekt wieder Fahrt aufnehmen
„Die Lotsen können in diesen Fällen die Versorgung patientenindividuell abstimmen und steuern sowie die richtigen Ansprechpartner und Behandlungsmöglichkeiten finden“, betont der Seniorenrat. Dies würde auch die ärztliche Versorgung unterstützen, da viele Praxen im Ortenaukreis überfüllt seien. „Der Kreisseniorenrat sieht deshalb die Notwendigkeit, zur Weiterführung die finanziellen Voraussetzungen zu schaffen, damit im Ortenaukreis die erfolgreiche Arbeit der Gesundheitslotsen fortgesetzt und auf den gesamten Landkreis ausgedehnt werden kann“, betont Baumer in seinem Brief abschließend.
Dass die Ettenheimer eine Entlastung für viele Menschen sind, sieht auch Landrat Frank Scherer. „Ich teile Ihre Auffassung voll und ganz, dass Gesundheitslotsen wichtige Aufgaben im Bereich der Steuerung und Koordination in unserem komplexen Gesundheitssystem übernehmen können und somit zur Verbesserung der Versorgung und Patienten beitragen“, richtet sich Scherer rund eine Woche nach dem öffentlichen Brief an den Kreisratvorsitzenden Baumer. So sei es anfangs – also im Jahr 2020 – auch das Ziel gewesen, das Projekt auf den gesamten Landkreis auszuweiten.
Doch nachdem das Land die Förderung eingestellt und der Kreis die Kosten zwei Jahre lang in die eigene Hand genommen hatte, wurde das Aus der Lotsen besiegelt. „Der Ortenaukreis befindet sich aktuell in einer prekären finanziellen Lage, die sich in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter verschlechtern wird. Insbesondere die Übernahme von Defiziten für die operativen Verluste des Ortenau-Klinikums werden den Kreis vor große Herausforderungen stellen“, begründet der Landrat. Grundsätzlich sei für die Übernahme dieser Kosten der Bund verantwortlich, der aber dieser Aufgabe nicht vollumfänglich nachkomme.
„Dadurch stehen deutlich weniger finanzielle Mittel für unsere originären Aufgaben wie beispielsweise die Sanierung von Schulen zur Verfügung, wo ebenfalls großer Handlungsbedarf besteht.“ Aus diesem Grund habe man beschlossen, das Projekt Gesundheitslotsen zum 31. Dezember 2024 einzustellen. Der Kreis sei, so der Landrat, schlichtweg nicht in der Lage, eine weitere freiwillige Leistung zu erbringen, wenn man den eigentlichen Aufgaben nicht umfassend nachkommen könne.
Scherer versicherte jedoch: „Sobald der Bund die finanziellen Mittel zur Verfügung stellt, werden wir wieder Gesundheitslotsen einstellen und die Leistungen aufbauen.“
Vertrag mit dem Bund
Als im Jahr 2022 die Förderungen eingestellt wurden, wurden die Gesundheitslotsen in den Koalitionsvertrag der Bundesregierung aufgenommen. Darin wird in Aussicht gestellt, dass die Leistungen der Gesundheitslotsen künftig über das Gesundheitssystem finanziert werden sollen, schreibt Landrat Frank Scherer in seiner Antwort an den Kreisseniorenrat. Trotz der Aufnahme sei jedoch „kein Umsetzungswille erkennbar“.