Landesweiter Wettbewerb: Friesenheimer Schüler räumt ersten Platz mit seinem Naturtagebuch ab

Joshua Rieger bekommt von Paulina Mock von der BUND-Jugend einen Preis verliehen.
Marlene KirschbaumRaus in die Natur, durchs Unterholz streifen, einem Bachlauf folgen, einen Vogel beobachten, über das Wetter nachdenken – für viele Kinder ein wichtiger Ausgleich zum oft sehr von der Schule geprägten Alltag. Seit 33 Jahren ruft die BUND-Jugend Baden-Württemberg Kinder zwischen acht und zwölf Jahren dazu auf, ihren Lebensraum genau unter die Lupe zu nehmen. Ihre Beobachtungen halten die Kinder in einem Naturtagebuch fest.
Biologielehrer Sascha Flum der Realschule und Werkrealschule Friesenheim lässt die Kinder der „Science Class“ im sechsten Schuljahr ein Naturtagebuch führen. Wer möchte, dessen Tagebuch schickt er an die BUND-Jugend Baden-Württemberg ein. Im Schuljahr 2025/26 wollte nur Joshua Rieger sein Naturtagebuch einschicken. Dass er sofort einen der ersten Plätze im Landeswettbewerb belegte, freute den 12-Jährigen sehr. Sein Naturtagebuch wurde am Wochenende bei der Preisverleihung in Stuttgart ausgestellt. Im Gespräch mit unserer Redaktion erinnert sich Joshua Rieger nicht mehr an die genaue Seitenzahl, aber es ist mindestens so dick wie ein großes Lexikon, betont er.
Ein Jahr lang hat er die Natur beobachtet
Im Tagebuch festgehalten sind Beobachtungen aus dem eigenen Garten der Familie, die in Diersburg wohnt. Dort am Waldrand finde ganz schön viel Leben statt, erzählt der Siebtklässler. Von September bis zu den Sommerferien vergangenen Jahres hatte er seine Beobachtungen und Unternehmungen im Garten akribisch festgehalten. Exakte Temperaturen, Sonneneinstrahlungen, das Leben im Garten mit Tieren, der Gemüsegarten, die Zubereitung von Holunderblütensaft und vieles mehr fing der Realschüler ein. Mit dem Blütensirup erfreute er seine Klassenkameraden.
Seit vier Jahren unterstützt er im Ort auch früh morgens das Einsammeln von Kröten entlang der Straße zwischen Oberschopfheim und Diersburg – auch das ist im Naturtagebuch festgehalten. Im Winter und Sommer habe er zu bestimmten Uhrzeiten die Vögel im Garten gezählt und ebenfalls deren Vorkommen notiert. Zu Birke, Holunder und dem Apfelbaum habe er einen Steckbrief gefertigt.
Neben Natur auch Schach, Tenorhorn und Pfadfinder
Am liebsten hält sich Joshua draußen auf. Das Leben direkt am Waldrand und die Freundschaft zum heimischen Förster lege ihm auch diesen Berufswunsch nahe. Die Natur hat er schon sehr genau im Blick, aber über das Führen eines Naturtagebuchs habe er sich noch einmal intensiver mit seinem Umfeld auseinandergesetzt und Hintergründe zu vielen Themen erfragt und erarbeitet.
Sein Naturtagebuch hat er zwar fertiggestellt, aber sein Einsatz für die Natur bleibt auch weiterhin ungebrochen. Außerdem spielt er in seiner Freizeit gerne Tenorhorn, zudem liebt er das Turnen, die Mitgliedschaft bei den Pfadfindern sowie die Teilnahme an der Mathe-Knobel-AG und in der Schach-AG an der Schule.
Rund 800 Kinder aus Baden-Württemberg haben im vergangenen Jahr ihre Naturstreifzüge mit Stift und Papier in einem Tagebuch festgehalten und damit beim Naturtagebuch-Landeswettbewerb der BUND-Jugend Baden-Württemberg mitgemacht, 74 von ihnen erhielten nun dafür einen Preis.
Die Jury lobt Joshuas Artenkenntis
Eine Jury aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern hat in diesem Jahr alle eingesandten Naturtagebücher gesichtet und bewertet. Die Jury schreibt in ihrer Begründung für den ersten Platz im Einzelwettbewerb: „Es ist sehr beeindruckend, was Joshua für eine Artenkenntnis besitzt. Außerdem ist er unglaublich gelassen, was die Tiere angeht.
So kann man in seinem Naturtagebuch Bilder sehen, in denen er Hirsch- und Junikäfer auf der Hand hat, sowie eine Gottesanbeterin auf der Schulter trägt. Dies zeigt eine wahre Naturverbundenheit.“ Martina Dippon, Referentin für den Wettbewerb betont: „Wir freuen uns über jedes einzelne Tagebuch. Jedes Jahr berührt es uns aufs Neue, wenn aus ‚einem Baum‘ über die Beobachtung hinweg ‚mein Baum‘ wird - Das macht so viel Hoffnung für die Zukunft.“