Konzert im Parktheater: Nicolas Reed überzeugt mit der Stadtkapelle – und wird zum Musikdirektor ernannt

Wurde von der Ehrung überrascht: Nicholas Reed
BaubliesDie musikalische Reise ging in den Fernen Osten mit „Impressions of Japan“, nach Lateinamerika mit „Danzón No 2“ und nach Andalusien mit „Feria de Julio“. Wie gewohnt bot das Ensemble unter Leitung von Dirigent Nicholas Reed ein außergewöhnlich gut eingespieltes Repertoire sinfonischer Blasmusik der Gegenwart. Doch die Reise um den Globus war nicht genug: Es ging mit Abstechern zum Goldrausch im Jahr 1848 in Kalifornien und in die Ära des Rock ’n’ Roll auch in die Vergangenheit.
Die japanischen Impressionen von James Barnes begannen mit einem musikalischen Sonnenaufgang. Das Orchester setzte mit kurzen Trillern verschiedener Register ein, die sich allmählich von den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne zu einer gewaltigen goldenen Kugel – im Parktheater – verbanden, die den Morgen (im Osten) eines neuen Tages verkündeten. Eine Hommage an eine gewaltige Statue eines Buddha in Tokio folgte.

Valerie Silberer moderierte das Konzert.
Foto: BaubliesReed stellte beim „Danzón No 2“ von Arturo Márquez vor dem Stück drei Rhythmen vor: „Clave“ (der Schlüssel), „Cascara“ (die Schüssel) und „Tumbao“ (frei übersetzt: „die Freude der Kubaner am Tanzen“). Der „Clave“ verteilt sich über fünf Schläge auf zwei Takte. Der kompliziertere „Cascara“ stammt aus der afrokubanischen Tradition und baut auf dem „Clave“ auf. „Die Freude der Kubaner am Tanzen“ wird als eine Folge von schnell – schnell – langsam beschrieben.
Ensemble nimmt 2026 an Wettbewerb teil
Wie das Ensemble dann zuerst „den Schlüssel“, dann „die Schüssel“ und zuletzt „die Freude am Tanzen“ nacheinander eingeführt und dann in einer sehr komplexen Form miteinander verwoben hat, spricht für die Klasse, die die Stadtkapelle entwickelt hat. Das Klanggebäude aus Harmonien, durchbrochen von sich teilweise widersprechenden Rhythmen, die bisweilen eine Symbiose eingegangen sind, war eine Klasse für sich. Mit „Feria de Julio“ beschworen die Musiker die „unerträgliche Leichtigkeit des musikalischen Seins“ mit wunderbaren Harmonien herauf, die zum Charakter Andalusiens gehören.
„Evolution for Winds“ von Marco Pütz war als Uraufführung in Lahr zu hören. Mit dem Stück wird sich das Ensemble im kommenden Jahr beim Music World Contest in den Niederlanden beteiligen.

Sängerin Guillemette Studer
Foto: Endrik BaubliesDie Reise in die Vergangenheit machte mit „Gold Rush“ des Komponisten Shin’ya Tkahashi ihren Anfang. Valerie Silberer, die für die erkrankte Senja Dewes die Moderation übernommen hatte, stellte das Stück wie alle anderen kurz vor. Die Klangfarben aller Register waren ein gelungener Gegensatz zu der historischen Schwarz-Weiß-Fotoplatte, die zur Untermalung an die Wand neben der Bühne geworfen wurde.
Ehrung macht Dirigent Reed sprachlos
Die Reise bei „Elvis the King“ begann mit „The King“, wie er aus dem Film „Aloha from Hawaii“ (1973) bekannt ist. Das Finale des Medleys, der „Jailhouse Rock“, so wie Reed das Stück mit dem Ensemble geboten hat, lässt sich recht einfach beschreiben: „Gebt mir einen Punkt, und ich hebe die Welt aus den Angeln.“ Der Satz wird Archimedes zugeschrieben. Im Fall der Stadtkapelle reichten dazu die wenigen Noten des eigentlich simplen Schemas Rock ’n‘ Roll, die zu einem fulminanten Finale aufstiegen.
Gewohnt souverän war die Gesangseinlage von Guillemette Studer (die ansonsten im Register der Hörner spielt) mit „Lenas Song“ und einer Hommage an den „Polar Express“ der Disney Studios. Als zweite und finale Zugabe der wieder einmal außergewöhnlichen Gala war dann das „Seal Lullaby“ zu hören, übersetzt heißt der Titel „Das Schlaflied der Seehunde“.
Erst kurz vor Ende des Konzerts war Reed zum Musikdirektor ernannt worden. Reed, das würdigte Vorstand Micheal Moser, war 2015 in große Fußstapfen getreten. Vorgänger Joachim Volk war fast 40 Jahre Leiter des Ensembles gewesen. Moser erinnerte, wie sich das Ensemble „von einem sehr hohen Niveau aus“ weiterentwickelt habe. Neben drei Ausflügen in die Neue Musik, die mehr und mehr alle Grenzen dessen sprengten, was eine Blaskapelle musikalisch eigentlich können und spielen sollte, gehörten die mehrfache Teilnahme und Erfolge in Riva del Garda zur Erfolgsgeschichte – zuletzt 2022 als bestes deutsches Ensemble. Auch die Muttertagskonzerte im Stadtpark gehören zum Wirken Reeds. Der war in Anbetracht der Ehrung zunächst „sprachlos“, wie er selbst zugab.
Beginn vor zehn Jahren
Im Mai 2015 gab Nicholas Reed als Dirigent seinen Einstand mit der Stadtkapelle. Das Konzert lief in der damaligen Lahrer Stadthalle.