Joachim Kaufmanns steiler Aufstieg
: Dieser Lahrer leitet bald die größte Buchmesse der Welt

Joachim Kaufmann löst ab Oktober, gleich nach der nächsten Frankfurter Buchmesse, deren langjährigen Direktor Juergen Boos ab.
Von
Herbert Schabel
Lahr
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Joachim Kaufmann ist die Leidenschaft für Bücher in die Wiege gelegt worden.

Messe

Kaufmann entstammt der gleichnamigen Lahrer Verlags- und Druckerfamilie. Der 53-Jährige ist nach wie vor Gesellschafter und Aufsichtsrat des in der Alleestraße 2 beheimateten Verlags für Kinder und Familienbücher, dort aber nicht in die Geschäftsführung eingebunden.

Die Leidenschaft, Bücher machen zu wollen, ist ihm in die Wiege gelegt worden. Der jüngste Sohn von Heinz und Renate Kaufmann wurde im Familienbetrieb von klein auf für das Verlagswesen geprägt und hat sich später dann auch für diesen Berufsweg entschieden. Dabei legte er einen steilen Aufstieg innerhalb der Branche hin.

Zurzeit ist Kaufmann Direktor des Hamburger Carlsen Verlags, der zum schwedischen Medienunternehmen Bonnier AB gehört und zu den wichtigsten Kinder- und Jugendbuch- sowie Comic- und Manga-Verlagen im deutschsprachigen Raum zählt. Seinen größten Erfolg feierte Carlsen mit den Harry-Potter-Büchern, die im deutschsprachigen Raum eine Gesamtauflage von rund 37 Millionen erreicht haben.

„Harry Potter“ war sein größter Erfolg

Ab Oktober übernimmt Kaufmann die Leitung der Frankfurter Buchmesse, der größten Buchmesse der Welt. In einer Pressemitteilung der Messe äußert er seine Freude: „Nach 20 großartigen Jahren bei Carlsen und der Bonnier-Gruppe freue ich mich sehr darauf, bald ein ganz neues Kapitel in meinem Berufsleben aufzuschlagen.“ Er könne es kaum erwarten, „mit einem tollen Team die bedeutendste Buchmesse der Welt weiterzuentwickeln“.

In ihrer Funktion als wichtigstes internationales Treffen der Branche müsse sie der zentrale Ort für den Rechtehandel sowie für den persönlichen Austausch der Buchwelt bleiben „und sich permanent den Bedürfnissen ihrer Kunden anpassen“, gibt er einen Ausblick, wo er Schwerpunkte setzen will. „Außerdem sehe ich für den deutschsprachigen Markt beste Chancen, sie als größtes Festival für Buch und Lesen weit über Frankfurt hinaus auszubauen.“

Der Direktorenposten der Frankfurter Buchmesse markiert den Höhepunkt von Kaufmanns Berufslaufbahn. Begonnen hatte die einst beim Freiburger Herder-Verlag, wo er eine Ausbildung zum Verlagskaufmann absolvierte. Das Abitur hatte er am Lahrer Scheffel-Gymnasium gemacht. Kaufmann studierte Betriebswirtschaftslehre und arbeitete danach im Bereich Marketing und Vertrieb bei den Verlagen Christophorus und Kerle. Ab dem Jahr 1996 war er zunächst Außendienstmitarbeiter, dann Manager bei der Verlagsgruppe Bertelsmann. 1999 wechselte er zum Ravensburger Verlag, seit 2006 führt er den Carlsen Verlag.

Lahrer hat in der Branche einen glänzenden Ruf

Kaufmann verantwortet dort vor allem die wirtschaftliche Steuerung und strategische Weiterentwicklung des Hauses, etwa in Fragen von Wachstum, Digitalisierung und der Positionierung im Buch- und Medienmarkt.

Ein Schwerpunkt seiner öffentlichen Auftritte liegt laut Branchenkennern auf Themen wie Leseförderung, der gesellschaftlichen Rolle von Kinder- und Jugendbuchverlagen sowie der Zukunft von Arbeit – dazu hätten beim Carlsen Verlag auch Experimente mit neuen Arbeitszeitmodellen wie der Vier-Tage-Woche gehört, heißt es.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich Carlsen unter Kaufmanns Leitung zu einem der größten deutschen Publikumsverlage entwickelt. Auch darüber hinaus hat er sich in der Branche einen Namen gemacht. Im Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist er etwa seit 2012 Mitglied im Ausschuss für Verlage. Seit rund zehn Jahren vertritt er zudem die deutschen Verlage auf internationaler Ebene, zunächst bei der International Publishers Association (IPA) und inzwischen bei der Federation of European Publishers (FEP).

Nun geht’s für den Lahrer zur Frankfurter Buchmesse, die laut ihrer Mitteilung sehr glücklich damit ist: Mit Kaufmann erhalte man „eine Persönlichkeit, die Verlagsperspektive, Markterfahrung und internationale Netzwerke in die weitere Entwicklung der Messe einbringen wird“. Als langjähriger Geschäftsführer des Carlsen Verlags habe er für Bonnier unter anderem die Expansion in neue Märkte sowie den Aufbau des Buchgeschäfts in Polen und China verantwortet.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Beteiligungsgesellschaft, der Muttergesellschaft der Frankfurter Buchmesse, Karsten Schmidt-Hern, betont: „Wir freuen uns sehr, dass wir Joachim Kaufmann als neuen Geschäftsführer gewinnen konnten“.

Der sei ein „außerordentlich erfolgreicher und international bestens vernetzter Verlagsmanager“. Er sei überzeugt, dass Kaufmann „die Erfolgsgeschichte der Frankfurter Buchmesse fortschreiben und zugleich neue Impulse setzen wird“.

Auch der derzeitige Buchmessedirektor Juergen Boos ist voll des Lobes: Kaufmann verstehe es „wie nur wenige Führungspersönlichkeiten in unserer Buchwelt, Menschen für seine Ideen und Überzeugungen zu gewinnen“.

Verlag und Druckhaus Kaufmann

Am 1. Oktober 1816 eröffnete Ernst Kaufmann in der Kirchstraße 16 in Lahr eine „Steindruckerei und Leihbücherei“. Es war der Anfang für zwei Lahrer Traditionsbetriebe, den Verlag Ernst Kaufmann und das Druckhaus Kaufmann, die 2016 ihren 200. Geburtstag feierten.

Rund 170 Jahre hatten Verlag und Druckerei eine gemeinsame Geschichte. Im Jahr 1984, in dem die Druckerei ins Industriegebiet West in der Raiffeisenstraße zog, wurden sie dann firmenrechtlich getrennt. Danach wurden sie unter der Leitung jeweils eines Familienzweiges eigenständig fortgeführt.

Das Druckhaus Kaufmann gehörte bundesweit einst zu den größten Druckbetrieben. Nachdem die Digitalisierung, die Corona-Pandemie sowie höhere Preise für Energie und Papier dem Unternehmen arg zugesetzt hatten, meldete es im Juli 2024 Insolvenz an.

Der Verlag Kaufmann ist einer der ältesten Verlage Deutschlands und ist nach wie vor im Besitz der Gründerfamilie. Laut der Homepage führt der Verlag aktuell mehr als 400 lieferbare Titel im Programm und publiziert jedes Jahr rund 90 Neuerscheinungen.

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