In der Philharmonie: Warum der Männergesangsverein Kippenheim in Berlin auftreten durfte

Gemeinsam mit dem Orso-Ensemble stand der Männergesangsverein Kippenheim in Berlin auf der Bühne.
VereinEinen Ausflug der besonderen Art erlebten Sänger des Männergesangvereins Kippenheim: Sie brachen auf, um das Orso-Ensemble um ihren Dirigenten Wolfgang Roese – selbst gebürtiger Kippenheimer – bei einem Auftritt in der Berliner Philharmonie zu unterstützen. Darüber berichten die Sänger in einer Mitteilung.
Die Idee dazu hatte Roese im vergangenen Jahr selbst. Bei dem Konzert „Gosse und Glamour“, einer Hommage an den Komponisten Kurt Weill, dessen jüdischen Familie ihre Wurzeln in Kippenheim hatte, standen die Sänger bereits im Bürgerhaus Kippenheim mit auf der Bühne.
„Das hat uns und dem Orso-Chor, dessen Sänger aus Berlin, Stuttgart und Freiburg zu uns kamen, so viel Spaß gemacht, dass wir sofort zusagten, zum Konzert in die Hauptstadt zu reisen. Wer bekommt schon eine Einladung, in der Berliner Philharmonie zu singen?“, freut sich Thomas Gehrlein, Vorsitzender des Gesangvereins.
Sänger erhielten einen Einblick in den Bundestag
In Berlin angekommen, ging es vom Bahnhof direkt zu den Proben. Zunächst folgten die Sänger und die mitgereisten Ehefrauen jedoch einer Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Yannick Bury in den Bundestag.
Am Abend war es dann soweit: Zusammen mit rund 100 Sänger und Musiker schlüpften die Kippenheimer in die Rollen der Gestalten aus Weills Schaffen und brachten die wilden 1920er- und düsteren 30er-Jahre in einer leidenschaftlichen Revue auf die Bühne der Philharmonie Berlin, heißt es weiter.
Die begeisterten Zuhörer erlebten die spiel- und tanzfreudigen Orso-Vocals unter Leitung von Wolfgang Roese am Klavier. Zu hören war ein buntes Potpourri aus Weills Feder – etwa Westwind, Alabama-Song, die Moritat von Mackie Messer, Kiddush, „Show me the way to the next whiskeybar“ oder der Kanonensong aus der Dreigroschenoper von Berthold Brecht. Nach einem lange anhaltenden Beifall verabschiedeten die Sänger und Musiker das Publikum mit der Zugabe „Zu Asche zu Staub“, heißt es in der Mitteilung weiter.
Auf dem Programm standen auch Berliner Sehenswürdigkeiten
Trotz fordernden Proben und dem Auftritt am Abend fand die Kippenheimer Delegation noch genügend Zeit, um sich in Berlin etwas umzuschauen. Neben dem Brandenburger Tor bestaunten die Kippenheimer auch das Hotel Adlon, wo sie sich eine Berliner Weisse oder eine Tasse Tee gönnten. Auch die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, der Kurfürstendamm, das Kaufhaus des Westens standen ebenso auf dem Programm wie eine Führung durch das ehemalige Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen.
„Das war ein anstrengendes, aber auch erlebnisreiches und großartiges Wochenende“, sodas zufriedene Fazit des Vorsitzenden. „Wir sind froh, dabei gewesen zu sein.“
Der Verein
Schon vor langer Zeit hatten Freunde des Gesangs in Kippenheim bei verschiedenen Anlässen gemeinsam gesungen. Erstmals wurde im Oktober 1896 von einer konstituierenden Sitzung berichtet, an der 22 aktive Mitglieder teilnahmen. In dieser Versammlung wurde beschlossen, einen Gesangverein ins Leben zu rufen, heißt es auf der Internetseite des Vereins. Am 1. Januar 1897 trat der Verein offiziell unter dem Namen „Liederkranz“ auf. Die Sänger feierten diesen Anlass im Gasthaus „Zum Engel“ in Kippenheim. Heute zählt der Verein 40 Sänger. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.mgv-kippenheim.de.