Im Pfarrhauskeller gefunden: Buch aus 1686 wird in Grafenhausen vor dem Müll gerettet

Wie lange das Fundstück im Keller des Grafenhausener Pfarrhaus lag, ist unklar. Sicher ist jedoch: Es dürfte mehrere Jahrhunderte alt sein und künftig besonders lokalen Historikern und Ahnenforschern dienen.
RestDie Seiten vergilbt und empfindlich, die alte lateinische Schrift für das ungeübte Auge nur schwer zu entziffern: Im Keller des Grafenhausener Pfarrhaus wurde ein augenscheinlich sehr altes Buch gefunden, das eigentlich entsorgt werden sollte. Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, es handelt sich dabei um das älteste Kirchenbuch von der Pfarrgemeinde St. Jakobus Grafenhausen. Mittlerweile wurde es an das erzbischöfliche Ordinariat Abteilung Diözesanstelle Archiv übergeben.
Doch wie kam es zu diesem kostbaren Fund? Als im vergangenen Spätjahr das Pfarrhaus Grafenhausen zum Verkauf angeboten wurde, begleitete Rudi Rest das Ganze als Berichterstatter. Doch zuvor wollte er noch ein paar Aufnahmen von Pfarrhaus von außen als auch von innen machen. Bei seiner Entdeckungstour durch den Keller fand er in einem Schrank alte Bücher vor, die zur Entsorgung bestimmt waren. Beim durchstöbern der Gesetz- und Verordnungsblattbücher, Regierungs- und Anzeigeblattbücher fiel ihm ein in braunes Packpapier eingebundenes handgeschriebenes Buch auf, das mit der Anschrift „an Pfarrer Wilhelm Keller“ versehen war. Rest, der Mitglied im Arbeitskreis Historie ist, war sofort klar, dass es sich dabei um ein altes Kirchenbuch handeln muss und dies auf keinen Fall in der grünen Tonne landen darf.
Die ersten Seiten berichten von einem Brand im Dorf
Wie sich später herausstellte, hat das Buch, das in mehrere Abschnitte und Verzeichnisse eingeteilt ist, eine interessante und vor allem historische Bedeutung. „Bei diesem Kirchenbuch handelt es sich ohne Zweifel um das älteste Tauf-, Ehe- und Sterbebuch der Kirchengemeinde St. Jakobus Grafenhausen“, so Diplomarchivarin Marie-Christine Didierjean, Leitung Sachgebiet Nutzung Schriftgutverwaltung der Erzdiözese Freiburg, die zu weiteren Recherchen hinzugezogen wurde.
Auf einer der ersten Seiten ist in lateinischer Schrift zu lesen, dass es am 14. März 1686 in Grafenhausen zu einem Großbrand kam. Neben zahlreichen Häusern, hat auch das Pfarrhaus gebrannt und sämtliche Kirchenbücher fielen den Flammen zum Opfer. Bereits einen Tag später, am 15. März 1686, legte der damalige Pfarrer Johannes Klein dieses Buch neu an. Interessant ist, dass auf den ersten Seiten vor allem die Kinder mit ihren Eltern und Paten aufgeführt wurden, die vor dem Brand geboren wurden. Somit machte sich Pfarrer Klein die Mühe und fragte bei den Familien nach dem Geburtsdatum der lebenden Kinder nach, um so gut es ging den ursprünglichen Zustand des Buches wieder herzustellen.
Das Buch wird derzeit aufbereitet und digitalisiert
In weiteren Abschnitten folgt dann die Taufeintragung, die Eheschließung und nicht zuletzt der Sterbe- und der Beerdigungstag. Die Eintragungen gehen von 1686 bis in das Jahr 1756 und sind alle in lateinischer Schrift geschrieben. Dank solcher kostbaren Bücher und der sorgfältigen Eintragungen der damaligen Pfarrer kann heute viel Familienforschung betrieben werden. So hat auch der Ahnenforscher Albert Köbele aus Grafenhausen im Laufe seines Lebens in solchen Büchern geforscht, die Einträge zu Papier gebracht und entsprechende Sippenbücher geschrieben. In Freiburg wird man das Buch entsprechend aufbereiten und später digitalisieren, so dass jedermann Zugang zu diesem Buch und eventuell zu seinen Vorfahren hat.
Durch den Priestermangel kam es in den vergangenen Jahren zur Zentralisierung von Pfarrhäusern beziehungsweise deren Verkauf und so wurden die Pfarrarchive zum größten Teil nach Freiburg verlegt. Auch Pfarrer Josef Rösch von der Seelsorgeeinheit Rust zeigte sich froh über den seltenen Fund. Wie das Buch dort hingelangte, sei für ihn unerklärlich. Die Daten von den Tauf-, Ehe- und Sterbeeintragungen werden heute noch genauso in Büchern geführt wie früher, so der Pfarrer.