Im Jahr 1768 erbaut
: Wallburgs St.-Arbogast-Kirche erzählt eine bewegte Geschichte

Das Gotteshaus in Wallburg steckt voller Details. Die Ausstattung erinnert nicht nur an den Namensgeber St. Arbogast, sondern auch an Herrschaften und Kriege.
Von
Michael Masson
Ettenheim
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Thomas Ruppert gab den Besuchern einen Einblick in die Geschichte des Wallburger Kirche.

Decoux

Vor einigen Tagen füllte sich die kleine Wallburger Kirche St.Arbogast ganz ohne Gottesdienst. Da hatten sich nämlich am Spätnachmittag gleich 36 Bürger eingefunden, um das Bauwerk unter fachkundiger Führung zu besichtigen. Das war Bestandteil des noch bis zum Jahresende laufenden Programms zum 800. Jubiläum der erstmaligen urkundlichen Erwähnung von Wallburg. Dazu hatten die Organisatoren mit Thomas Ruppert einen kirchenhistorisch besonders versierten Experten gewonnen. Der mittlerweile pensionierte Lehrer war nicht nur 1984 hergezogen, sondern hatte hier später auch das Kirchendiener-Amt des Mesners ausgeübt. So gab es keine Fragen aus den Reihen hoch interessierten Kirchenbesucher, die Ruppert nicht umfassend beantworten konnte.

Ein zu Ettenheimmünster gehörendes Klosterdorf war Wallburg nie gewesen, obgleich die Benedektiner auch hier Besitzungen hatten. Ursprünglich zur Herrschaft Mahlberg gehörend, wechselte Wallburg diverse Herrschaften von Geroldseckern bis Endingern, Nassauern und schließlich badischem Kurfürstentum von Napoleons Gnaden. Nachgewiesen ab spätestens 1524 stand hier (und vermutlich schon wesentlich länger) nur eine kleine Kapelle als „Filiale“ der Ettenheimer Pfarrei. Doch 1768 wurde dann der Bau einer „richtigen“ Kirche per Grundsteinlegung in Angriff genommen, wenngleich in baulich bescheidenen Ausmaßen.

Im Jahr 1790 wurde der Kirchturm erbaut

Der Turm wurde erst um 1790 hinzugefügt. Doch noch 1804 wurde den Wallburgern eine selbstständige Pfarrei vom badisch-napoleonischen Kurfürsten abgelehnt. So gab es hier noch bis 1941 keinen eigenen Pfarrer, sondern nur eine stellvertretende Vikarstelle – der Pfarrer lief darum nach wie vor noch immer von Münchweier herüber.

Der dreiflügelige hölzerne Hochaltar glänzt nicht nur im Blattgold. Er beherbergt im Mittelteil die plastischen Figuren von Maria, Apostel Johannes und dem gekreuzigten Jesus sowie, wenn aufgeklappt, den Heiligen St. Landelin und Arbogast. Ersterer ist bekanntlich der erste iroschottische Missionar in der Ortenau, der Sage nach um 640 als Einsiedler und Märtyrer bei Ettenheimmünster erschlagen. Ihm gegenüber ist der namensgebende Arbogast dargestellt, der es nach vorangegangenem Einsiedlertum schon um 550 herum zum ersten historisch belegten Straßburger Bischof gebracht hatte. Er ist auch Patron des entsprechenden Bistums und gilt als Helfer bei Fußleiden, Müdigkeit und Niedergeschlagenheit.

Auf den aufgeklappten Flügelinnenteilen aufgemalt sind schließlich noch Bernhard von Baden in Rüstung als Schutzpatron Badens und ihm gegenüber der Bischof Konrad von Konstanz. Dem sitzt tatsächlich eine gemalte Spinne auf seinem Weinkelch, weil er der Legende nach mal eine solche mit verschluckt haben soll, um sie später beim Schnarchen durch den Mund wieder in die Freiheit zu entlassen.

Die St.-Arbogast-Kirche wurde 1768 erbaut.

Foto: Decoux

Ansonsten ist es im Kircheninneren zwischen den 130 Plätzen recht übersichtlich. Erst in den 1960er-Jahren wurde hier zum Zelebrationsaltar ein neuer aufgestellt, der es dann den Pfarrern ermöglichte, zu ihren Gläubigen hin zu sprechen, anstatt ihnen dabei nur den Rücken zuzukehren. Zuvor hatte zur besseren akustischen Verständigung eine hölzerne Seitenkanzel weiter geholfen.

Auch sonst wusste Ruppert manche Details zu erzählen, etwa zu teils bunten Kirchenfenstern, auf denen sich nicht nur nochmals der Heilige Arbogast, sondern auch das Herz Jesu und andere Symbole wiederfinden. Unsichtbar ist hingegen die kleine Waldkircher Emporen-Orgel von 1908, mittlerweile um die Jahrtausendwende repariert.

Die Turmglocken waren während des Zweiten Weltkrieges zu Waffen umgeschmolzen worden. Erst 1961 wurden vier neue geweiht, darunter die Christusglocke als größte mit 618 Kilogramm Gewicht. Nach einer Innenrenovierung 1988/89 mit neuem Heizsystem und Beleuchtung war es 2012 dann auch außen an das auf morschem Holz verankerte Turmkreuz, den Glockenstuhl und nicht zuletzt die Turmuhr gegangen. Deren Zifferblätter bestanden nämlich aus schwarz-bemalten Sandsteinquadern und mussten denkmalschutzgerecht restauriert werden.

Info – Weitere Termine

Der Experte Thomas Ruppert wird am 9.November im Wallburger Gemeindehaus einen Vortrag über die Geschichte der Wallburger Arbogast-Kirche und des Ortes halten. Zuvor geht es am 24. Oktober mit einer historischen Wanderung von der Kirche aus auf die „Spuren der Wilden Christen“. Die gehen zurück auf einen heftigen historischen Streit um den Abgabe-Zehnten an das Kloster Ettenheimmünster.

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