Im Gasthaus „Alte Brauerei“: Seit 100 Jahren wird in Ettenheim Schmieheimer Bier gezapft

Das Gasthaus „Alte Brauerei“ wird seit 100 Jahren von der Schlossbrauerei Stöckle beliefert.
DecouxDas Gasthaus „Die Alte Brauerei“ in Ettenheim und die Schlossbrauerei Stöckle in Schmieheim feiert am Montag, 15. Juni, ein seltenes Jubiläum: Seit 100 Jahren wird das Haus mit Bier aus der Schlossbrauerei in beliefert. Gemeinsam mit dem neuen Pächter Sultan Singh lädt Brauerei‑Inhaber Jörg Lusch am Wochenende, 20. und 21. Juni, nach dem Jubiläumstag zu einer besonderen Aktion ins Gasthaus ein: 100 Liter Hieronymus‑Bier für jeweils 100 Cent pro Liter. Das berichtet die Brauerei in einer Mitteilung.
„Hundert Jahre Partnerschaft sind kein Zufall. Das entsteht, wenn Verlässlichkeit, Handwerk und ein Wirtshaus mit Haltung zusammenkommen“, sagt Lusch, der anlässlich des Jubiläums eine Ehrenurkunde überreichte. „Wir freuen uns, dass unser Bier in Ettenheim seit Generationen dazugehört – und wir wollen dieses Jubiläum so feiern, wie es zu uns passt: offen, unkompliziert und mit einem guten Glas am Tisch.“
Alter Vertrag gibt Einblicke in vergangene Zeiten
Ein vergilbtes, auf der Schreibmaschine getipptes Papier zeigt, wie verbindlich man früher Partnerschaften festhielt: Am 15. Juni 1926 schlossen Gastwirt Fritz Lienhard aus Ettenheim und die Brauerei Georg Stöckle in Schmieheim einen Vertrag über ein festes Bierbezugsrecht von 364,20 Hektolitern – vereinbart sind 1092,60 Reichsmark. Lienhard verpflichtete sich, seinen Bierbedarf vom 1. April 1926 bis 31. März 1931 aus Schmieheim zu beziehen – für „Fremdbier“ war sogar eine Vertragsstrafe von zehn Reichsmark je Hektoliter festgehalten. Und ein Detail verrät den Alltag von damals: Für eine geplante Kegelbahn wird ein Darlehen zugesagt – verzinst unter dem Reichsbankdiskont, mindestens aber fünf Prozent. „Wenn man so einen historischen Vertrag von 1926 in der Hand hält, merkt man: Das war damals schon ernst gemeint – und es wurde gelebt“, sagt Lusch. „Stöckle war schon vor 100 Jahren ein Partner, auf den man bauen konnte – schwarz auf weiß.“

Brauereichef Jörg Lusch (rechts) überreicht mit Hausbesitzerin Heike Kollofrath dem Pächter der „Alten Brauerei“ Sultan Singh die Ehrenurkunde zur 100-jährigen Zusammenarbeit.
Foto: StöckleZum Jubiläum gehört auch die Eigentümerseite des Hauses: Die Familie Kollofrath ist Hausbesitzerin der „Alten Brauerei“. Die Mutter von Jörg Lusch war eine Cousine des langjährigen Hausbesitzers Armin Kollofrath, der im vergangenen Jahr verstorben ist, heißt es weiter. Heute kennt man die „Alte Brauerei“ als ein Traditionslokal mit unverwechselbarem Charakter. Viele Stammgäste schätzen, dass der Gastraum über die Jahre bewusst kaum verändert wurde und das Wirtshaus seine Handschrift behalten hat, so die Mitteilung.Nach 23 Jahren als Pächterin hat Christel Feitsch den Betrieb Ende Februar abgegeben (wir berichteten). Sie ging in den Ruhestand – aus eigenem Entschluss. „Sie hat das Haus über viele Jahre geprägt und es mit großer Verlässlichkeit geführt. Dafür sind wir ihr dankbar“, betont Lusch. „Umso schöner ist es, dass die Alte Brauerei jetzt weiter offen ist und die Geschichte weitergeht.“
Neuer Pächter will an Bewährtem festhalten
Seit 1. März führt der Gastronom Sultan Singh mit seiner Familie die „Alte Brauerei“. Name und Grundlinie bleiben erhalten, die Karte wird behutsam weiterentwickelt. Neben deutscher Küche gibt es auch indische Gerichte. „Ich habe großen Respekt vor dem, was hier über Jahrzehnte aufgebaut wurde“, sagt Singh. „Wir bewahren den Charakter des Hauses. Die Klassiker gehören dazu – Schnitzel und Hähnchen bleiben“, sagt Singh und fügt an: „Wir ergänzen das Angebot Schritt für Schritt. Wer neugierig ist, findet auch indische Gerichte. Wichtig ist , dass sich Stammgäste genauso wohlfühlen wie neue Gäste.“
Info – Die Schlossbrauerei
Die Schlossbrauerei Stöckle wurde 1843 gegründet und wird bis heute in der siebten Generation als Familienbetrieb geführt. „Wir sind die älteste Familienbrauerei in der Ortenau – mit unserem Sohn Kai, der das Brauhandwerk gerade erlernt, steht die nächste Generation bereits in den Startlöchern“, erklärt Inhaber Lusch. Ausgeschenkt wird in der „Alten Brauerei“ unter anderem das Hieronymus, außerdem das Schlössle-Pils, Hefe-Weizen und je nach Saison weitere Sorten.