IHK-Berater berichtet: So soll die Lahrer Innenstadt belebt werden

Bündnis für die Innenstadt: OB Markus Ibert (vorne von links) und Dieter Salomon, Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein, bei der Unterzeichnung der Selbstverpflichtungsurkunde
LienhardDie Stadt ist für zwei Jahre Teil des Innenstadt-Förderprogramms des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes. OB Markus Ibert und Dieter Salomon, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein, haben eine entsprechende Urkunde unterzeichnet. Der Stadt entstehen keine Kosten.
Eine zentrale Rolle in Lahr werden die IHK-Innenstadtberater Thomas Kaiser und Michaela Schöchlin spielen. Bei der Pressekonferenz betonte Kaiser, dass er keine Blaupause ausrolle werde. In jeder Stadt organisiere er erst eine Analyse. So werden aktive und inaktive Gewerbeflächen bestimmt. Für seine Arbeit kann Schäfer auf Analysen der Stadt zurückgreifen.
Geplant ist eine einjährige Passantenfrequenzmessung. Dabei werden Smartphones registriert, die an fünf Standorten in der Innenstadt eine Art Lichtschranke passieren werden. Die Ergebnisse könnten auch ein Verkaufsargument für potenzielle Interessenten an Gewerbeflächen sein, so Kaiser. Manchmal komme er sich wie ein Koch vor, der am „Menü Innenstadt“ arbeite – in diesem gebe es Zutaten, die bei allen Städten ähnlich seien: Attraktivität und Angebot. Von den Städten, die er bisher begleitet habe, gehöre Lahr zu den schönsten, so Kaiser.
Fokus liegt auf gewerblichen Flächen
Die Beratung soll auch bei den Betrieben ankommen. Eine Maßnahme ist die Schaufensterberatung nach Ostern. Ein weiteres Ziel ist es, dass alle betrieblichen Gewerbe ein Google-Business-Profil haben, so dass Besucher schon im Vorfeld informiert sind. „Viel wird sich in Gesprächen ergeben“, so Kaiser. Unter anderem werde es in der Beratung um Unternehmensnachfolge oder Geschäftsmodellentwicklung gehen. Man werde stets schauen, was passt und wo Mittel aus Förderkulissen angezapft werden können.
In Lahr werden bei der Beratung gewerbliche Flächen fokussiert – auch um mit Blick in die Zukunft arbeiten zu können. Mit einer Zehn-Jahres-Prognose wolle man erkennen, mit welchen Betreibern und Nutzungen von Flächen man überhaupt noch rechnen könne. Der operative Lenkungskreis aus Kaiser, Martina Mundinger, Leiterin Stadtmarketing, und Wirtschaftsförderer Robin Derdau werde immer wieder Hilfen von Außen hinzuziehen. Ziel ist es, so Kaiser, bis maximal Ende 2026 einen Maßnahmenplan zu entwickeln. In Badenweiler etwa wurden während der Unterstützung von 21 Leerständen sieben über eine Pop-Up-Förderung belegt, so Kaiser.
„Wir stecken jedes Jahr viel Kompetenz und Geld in die Innenstadt“, so Ibert. Durch die Kooperation mit der IHK wolle man nun ein auf Lahr zugeschnittenes Paket schnüren. Gemeinderat und Verwaltung hätten sich klar positioniert, etwa in Form der Innenstadtkonferenz. Zudem seien schon viele Projekte zur Stärkung der Innenstadt realisiert worden. Unter anderem verwies der OB auf das Sanierungsgebiet Innenstadt-Marktstraße. Bund und Land tragen hierzu eine Million Euro bei, 670 000 Euro kommen von der Stadt. Der Bewilligungszeitraum ist bis 2033 festgelegt.
Innenstädte sind laut Salomon von einem Nutzungsmix aus Handel, Gastronomie, Kultur und Wohnen geprägt. Dabei dürften die einzelnen Akteure nicht nur die eigene Brille aufhaben. Hier werde Kaiser als Innenstadtberater ansetzen: Die Rückmeldungen aus Städten, die er bereits begleitete, zeigten, so Salomon, dass der Berater die Gabe habe, alle an einen Tisch zu bringen, um Konzepte zu entwickeln. In Lahr sei durchaus vorgearbeitet worden, so Salomon: Der Rat habe schon vor vier Jahren Beschlüsse gefasst, um sich mit der Innenstadt zu befassen, zudem gab es erste Gutachten.
Innenstädte sind von Nutzungsmix geprägt
Michael Schmiederer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, betonte, dass man in Lahr nach wie vor eine Innenstadt habe, die in Bezug auf die Ansiedlung relativ gut besetzt sei. „Wir dürfen aber nicht davon ausgehen, dass es die nächsten Jahre so bleibt“, findet er. Die Multifunktionalität aus Wohnen, Arbeiten, Einzelhandel, Dienstleistung und Gastronomie müsse man verstärkt umsetzen.
Man sei sich bewusst, so Schmiederer weiter, dass es abseits der Marktstraße und einiger Anhängsel auf absehbare Zeit wohl für Einzelhandelsflächen keine Notwendigkeit mehr gebe. Der Altstadtring werde nicht mehr zur Gänze mit Einzelhandel zu befüllen sein. Auch Leonardo Neusch-Frediani (Immobilienbüro City) sprach von der Innenstadt als Mischung aus verschiedenen Bereichen. Er hoffe, dass beim Thema Innenstadt alle Parteien an einem Strang ziehen.
Ibert positioniert sich gegen die Verpackungssteuer
Über die Einführung einer Abgabe auf Einwegbehälter und -geschirr zur Vermeidung von Müll wurde Mitte März im Umweltausschuss diskutiert. Bürgermeister Tilman Petters kündigte an, eine Vorlage für den Gemeinderat zu erstellen. Nun erklärte Ibert auf der Pressekonferenz zur Innenstadtberatung der IHK, dass es eine solcher Steuer seiner Meinung nach nicht brauche. Man dürfe nicht zusätzliche Vorschriften in Geschäfte hineintragen, die ohnehin vor vielen Herausforderungen stehen. Es gebe aktuell, so Ibert, genügend Themen, die erhebliche Schwierigkeiten bereiten.
