Horror-Verletzung ausgestanden
: So lief das Comeback von Annika Wendle ein Jahr nach Olympia in Paris

Fast auf den Tag genau vor 365 Tagen verletzte sich die Altenheimer Ringerin Annika Wendle in Paris im Kampf um Olympia-Bronze. Nun ist die 27-Jährige zurück auf der Matte.
Von
Felix Paschke
Neuried
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Bitterer Abgang bei Olympia: Vor einem Jahr kämpfte Annika Wendle in Paris um Bronze und verletzte sich in dabei schwer.

Schuldt

Es ist fast auf den Tag genau ein Jahr her, da gingen die Bilder von Annika Wendle um die Welt. Erst über Umwege hatte sich die Ringerin aus Altenheim für die Olympischen Spiele 2024 in Paris qualifiziert. Am 8. August 2024 kämpfte die damals 26-Jährige dann um die Bronzemedaille. Nicht nur in ihrer südbadischen Heimat fieberten die Sportfans mit, denn die Ortenauerin war zudem die Favoritin.

Bereits nach 19 Sekunden im Kampf gegen die Nordkoreanerin folgte dann aber der Schock: Wendle verletzte sich am linken Knie. Sie versuchte es zwar noch mal, hatte jedoch keine Chance mehr und landete bei ihrem Olympia-Debüt auf dem fünften Platz. „Es hat gekracht, ich kann nicht auf meinem Bein stehen“, sagte sie danach im „Eurosport“-Interview mit Tränen in den Augen.

Ihr Olympia-Auftritt endete damit maximal bitter und wirkte noch lange nach – emotional und vor allem körperlich. Die Diagnose war ein Kreuz- und Außenbandriss im linken Knie und dazu der Abriss eines Wadenmuskels.

Souverän bis ins Finale vorgestoßen

Es folgte eine lange Leidenszeit, die vor wenigen Tagen in Polen endgültig endete. Bei den „Poland Open“ ging Wendle, die mittlerweile als Referendarin in einer Grundschule arbeitet, wieder bei einem internationalen Wettkampf auf die Matte. Und das erfolgreich.

Im Auftaktkampf in Warschau siegte sie technisch überhöht. Danach schulterte sie zwei weitere Gegnerinnen und zog so ins Finale ein. Dort war ihre Gegnerin aus Schweden zu stark, so dass Wendle am Ende ihr Comeback auf dem Silberrang beendete.

Ein großer Erfolg für die Ringerin vom ASV Altenheim, die am Olympia-Stützpunkt in Freiburg trainiert. „Es war auf jeden Fall ein schönes Gefühl, wieder auf einer Wettkampfmatte zu stehen. Es hat Spaß gemacht“, sagt die Altenheimerin im Gespräch mit unserer Redaktion.

Auch beim südbadischen Ringerverband war die Freude über Wendles Silbermedaille in Polen groß. „Du bist ein ganz besonderes Vorbild für viele. Ein unfassbar schweres Jahr liegt nach deiner schweren Verletzung bei Olympia hinter dir, doch du hast uns auf beeindruckende Weise gezeigt, dass Aufgeben keine Option ist“, schreibt der Verband in den Sozialen Medien.

Und nun? Demnächst geht es für die 27-Jährige nach Rom ins Trainingslager und Mitte September findet dann in Kroatien die Weltmeisterschaft der Ringer statt. Die Nominierung durch den Bundestrainer hat Wendle, die in der Klasse bis 53 Kilogramm ringt, bereits sicher, berichtete sie am Montag. Nun müsse noch mit ihrer Schule geklärt werden, ob Wendle außerhalb der Ferien in Zagreb auf die Matte kann.

Falls ja, hat sie ein klares Ziel, das nicht in den Farben Gold, Silber oder Bronze glänzt. „Ich möchte wieder ankommen und mich gut und sicher fühlen“, sagt sie. Denn zumindest im Training war die schwere Verletzung aus Paris noch oft im Hinterkopf. „Im Kampf war ich dann so im Fokus, dass ich die Verletzung gut ausblenden konnte“, berichtet Wendle von dem Wettkampf in Polen.

Es scheint also, als wäre die Altenheimerin ein Jahr nach dem Drama bei Olympia endgültig zurück. Bleibt also nur noch eine Frage: Will sie 2028 in Los Angeles wieder auf Medaillenjagd gehen? Eine finale Antwort darauf kann Wendle derzeit allerdings selbst noch nicht geben.

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