Gebürtiger Lahrer im Exklusiv-Interview: So sieht Präsident Eberhard Fugmann den SC Freiburg

SC-Präsident Eberhard Fugmann ehrte im Rahmen der Saisoneröffnung das 60 000. Vereinsmitglied des SC Freiburg, Stefanie Faller aus Freiburg.
SchabelFugmann wurde im Oktober 2021 zum Präsidenten des SC Freiburg gewählt. Sein Herz schlägt freilich schon viel länger für den südbadischen Bundesligisten. Bereits in seiner Zeit am „Max“ sei er fußballverrückt gewesen, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion kurz vor dem Start in die neue Bundesliga-Saison.
Herr Fugmann, wie eng sind noch Ihre Verbindungen nach Lahr?
Aufgrund meiner Tätigkeiten am Max-Planck-Gymnasium von 1990 bis 2000 und als Englisch-Dozent an der Volkshochschule Lahr von 1984 bis 2000 kam es zu Freundschaften, die noch heute bestehen und die mein Leben bereichern. In dieser Zeit lernte ich Familien kennen, mit denen mich viel verbindet: So gibt es zum Beispiel drei Lahrer Familien, die mit mir vor 30 Jahren den Grand Canyon durchquerten. Unsere gemeinsamen Erlebnisse schweißten uns zusammen, wir treffen uns in aller Regel mehrfach im Jahr und tauschen Erinnerungen aus. Und über die Dozenten-Tätigkeit an der VHS entstanden sogar Freundschaften, die bis nach Irland reichen. Lahr war und ist also ein Ort, mit dem ich sehr viel verbinde, der nach wie vor ein wichtiger Teil meines Lebens ist.
Was sind Ihre prägendsten Erinnerungen an die Zeit auf dem MPG?
Ein tolles, engagiertes Kollegium mit Herrn Hillenbrand als unserem damaligen Schulleiter ermöglichte gerade uns jungen Kollegen, uns zu entfalten und unsere Ideen in die Schule mit einzubringen. Bei mir persönlich war es so, dass ich meine „USA-Vergangenheit“ – ein zweijähriges Anglistik-Studium an der University of Massachusetts – zum Wohl der Schule einbringen konnte. Das Austauschprogramm mit einer Schule in Minnesota besteht meines Wissens noch heute. Ich schätzte die Offenheit und Unterstützung meiner Kolleginnen und Kollegen am „Max“, und mittwochs ging’s gemeinsam zur Sache: Der Lehrer-Fußball war jede Woche das Highlight – auch wenn’s mitunter recht ruppig zuging. Beim anschließenden Bier war dann aber alles schon wieder geklärt.
Sie haben auf dem MPG Deutsch und Englisch unterrichtet, nicht Sport. Wie ist dann Ihre Liebe zum SC Freiburg entstanden?
Ich war seit Kindheitstagen immer fußballverrückt, und am „Max“ gab’s Kollegen, mit denen ich gemeinsam dieses Faible für den SC teilen konnte. Mittwochs kickte ich natürlich im SC-Trikot, was sogar heute noch passt (schmunzelt). Es hängt hinter mir in meinem SC-Büro und erinnert mich täglich an die tollen 90er-Jahre. Ich trug damals einen „Brilli“ im Ohr, Volker Finke war halt stilbildend…
Seit Oktober 2021 sind Sie nun Präsident des SC Freiburg. Weshalb liegt ihnen dieses Ehrenamt am Herzen – und was sind die Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit?
Es ist mir seit Beginn eine große Freude, dass ich beim SC Freiburg dieses Amt bekleiden darf. Ich bin mit vollem Herzen dabei, gerade auch wegen meiner Schwerpunkte: Ich darf das Gesellschaftliche Engagement des Vereins mit begleiten. Den Verein für die inzwischen 60 000 Mitglieder öffnen. Und den Dialog mit unseren inzwischen circa 130 Fanclubs und der aktiven Fanszene gestalten. Eine vielschichtige Aufgabe also – es ist der Kontakt und eine sich ergebende soziale Gestaltungsmöglichkeit mit unterschiedlichsten Menschen, der mir schon immer Freude bereitet und den ich als sinnstiftend ansehe.
Der SC ist deutschlandweit ein Sympathieträger. Gibt es trotzdem etwas, was der Verein besser machen kann?
Uns wird – auch belegt durch Umfragen – ein klares und vorbildliches Profil zuerkannt. So stehen wir für die in unserer Satzung verankerten Werte: Respekt, Solidarität und Fairness seien exemplarisch benannt. Im Dialog mit Fans und Mitgliedern gibt es auch durch das Wachstum in allen Bereichen stetig Verbesserungspotenzial – woran wir mit unterschiedlichen Formaten mit Nachdruck arbeiten. Hier will ich mithelfen, ein Vertrauensverhältnis und verstetigtes gutes Miteinander zu entwickeln. Wobei wir als Verein nicht anstreben sollten, eine ausschließliche „Mainstream-Kultur“ zu schaffen. Es gibt die unterschiedlichsten Fankulturen, und damit gilt es kreativ und produktiv umzugehen; ein Prozess, der wohl nie zum Ende kommen wird…
Früher hat der SC in der Vorbereitung regelmäßig im Raum Lahr gespielt. Wird es das wieder geben?
Die meisten unserer Vorbereitungsspiele finden mittlerweile entweder im oder in der Nähe unserer Trainingslager oder eben in Freiburg selbst statt. Grundsätzlich obliegt die Wahl der Testspieleorte dem sportlichen Bereich – und ich möchte mich daher auch nicht groß dazu äußern. Nur so viel: Auch als inzwischen etablierter, sogar international spielender Bundesligist haben wir nie unsere Wurzeln, unsere Heimat vergessen. Gerade die Ortenau ist eine Region, in der wir sehr viele Fans haben. Und aus Lahr haben es schon mehrere Spieler in unseren Profikader geschafft: Sascha Riether, übrigens einer meiner früheren Englisch-Schüler, ist wohl das bekannteste Beispiel.
Der legendäre SC-Präsident Achim Stocker hat selbst die Heimspiele des SC Freiburg nie live im Stadion gesehen, weil ihm das zu nervenaufreibend war. Sie sitzen dagegen regelmäßig auf der Haupttribüne. Welches Ritual pflegen Sie bei Heimspielen?
Möglichst immer dabei zu sein, ist schon Ritual genug! Ich gehe 90 Minuten voll mit und scheine Endorphine freizusetzen: Das Team lautstark zu unterstützen, macht Spaß, manchmal sogar zu Lasten des Schiedsrichters…
Fans aus der Ortenau gehören zu den Gewinnern des Umzugs der ersten Mannschaft aus dem alten Dreisamstadion ins Europa-Park-Stadion, denn das ist, im Freiburger Norden gelegen, für sie wesentlich leichter zu erreichen. Vorausgesetzt, sie verfügen über Karten. Welche Tipps haben Sie für Anhänger, wie sie an Tickets kommen können?
Viele Fans aus der Ortenau sind inzwischen Mitglieder und haben ein privilegiertes Vorkaufsrecht. Aber auch in unserem Ticket-Zweitmarkt sind kurz vor den Spielen online immer noch viele Karten zu erwerben. Einige Neuerungen zur Saison 2023/24 sollen zudem die Chancen für Mitglieder beim Ticketkauf erhöhen. Dass die Nachfrage unsere Kapazität von 34 700 Karten, davon 25 000 Dauerkarten, bei weitem übersteigt, wird wohl bis auf Weiteres so bleiben.
Erhalten Sie deshalb viele Kartenwünsche für den SC Freiburg aus Lahr?
Nein, zumal viele meiner früheren Lahrer Kollegen am Max-Planck-Gymnasium selbst seit Jahrzehnten Dauerkarten haben und SC-Mitglieder sind. Und ich finde es auch respektvoll, mich nicht als „Ticket-Vermittler“ zu betrachten…
Ist es möglich, das Stadion auszubauen, um der großen Nachfrage gerecht zu werden?
Der Ausbau des Stadions steht nicht auf unserer Agenda; wir halten die Kapazität – auf Strecke betrachtet – für ausreichend.
Zuletzt hat der SC zweimal die Qualifikation für die Europa League geschafft. Was ist in dieser Saison sportlich drin?
In den Abstiegskampf wollen wir mit unserer gefestigten, eingespielten Mannschaft nicht geraten. Wenn es ein Platz im gesicherten Mittelfeld wird, bin ich damit zufrieden. Und wenn’s sogar besser laufen sollte, wären wir umso glücklicher. Jede Saison läuft anders und bringt Überraschungen mit sich. Also: Schau’n mer mal!
Zur Person
Eberhard Fugmann unterrichtete von 1990 bis 2000 am MPG in Lahr. Von 2006 bis 2018 war der studierte Germanist und Anglist Direktor des Freiburger Rotteck-Gymnasiums. In dieser Zeit wurde das „Rotteck“ Eliteschule des Sports und Kooperationspartner der Fußballschule des SC Freiburg, zu dessen Spielen der gebürtige Lahrer seit 1982 geht.