Film zeigt einstigen Alltag
: Ettenheimer Historiker lassen Klosterruine wieder aufleben

In Ettenheimmünster stand einst ein Kloster, ehe es vor 160 Jahren zerstört wurde. Zwei Ettenheimer rekonstruierten, wie das Gebäude und das Leben darin damals aussahen.
Von
Michael Masson
Ettenheim
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Wenn es nach den beiden Historikern geht, könnte das Kloster so ausgesehen haben.

privat

Nahezu 50 historisch interessierte Gäste waren der Einladung des katholischen Bildungswerks Ettenheim in das Münchweierer Pfarrzentrum gefolgt, um sich ein anschauliches Bild von der ehemaligen Klosteranlage der Benedektinermönche in Ettenheimmünster zu machen. Die ist zwar seit 160 Jahren bis auf die Grundmauern abgebrochen, doch per digitaler Rekonstruktion quasi wieder aus den Ruinen erstanden. Zu verdanken ist Pfarrer Jörg Sieger und dem Digitalexperten Karl-Heinz Häfele. Das Ziel der beiden gebürtigen Ettenheimern war, das verschwundene Kloster optisch per Computertechnik als Videoanimation wieder auferstehen zu lassen.

Zum Einstieg erläuterte Sieger dem Publikum, mit welchen Problemen man es bei der Rekonstruktion zu tun gehabt hatte. Von früheren Kloster-Ansichten der diversen Bauepochen seit dem Mittelalter existieren nämlich nur sich teils widersprechende Zeichnungen. Erst nach der unter napoleonischer Besatzung erfolgten Klosteraufhebung 1803 wurden von Geometern Vermessungen der Gebäude vorgenommen und lieferten so erstmals richtige Grundrisse über alle vier Stockwerke. Jedoch, wie Sieger anmerkte, mit damals offenbar wenig Interesse an präzisen Vermessungen von Räumen und Treppen, so dass die nun digital übereinander gelegten Planzeichnungen nicht so recht zusammen passen wollten. Dennoch wurde schon 2013 – pünktlich zur 1250-Jahr-Feier der Abtei – erstmals das von Sieger und Häfele rekonstruierte Äußere des Klosters per Animation vorgestellt.

Neue Animationen machen die Vergangenheit greifbar

Den beiden hatte es jedoch keine Ruhe gelassen, dass noch einige historisch-bauliche Fragezeichen übrig geblieben waren. So arbeiteten sie seit 2020 an der ersten Kloster-Rekonstruktion mit anfänglich „nur“ 15-minütigem Ergebnis-Film stetig weiter – etwa, wie der Abt auf einen Balkon kommt. Detailreich erläuterte Sieger mit Grafiken, wie der Abt statt über ein großes Treppenhaus eher per kleiner Behelfstreppe hinauf gekommen sein dürfte, wenn er denn von dort aus überhaupt öfter Ansprachen an das Volk herunter gehalten haben sollte.

Der Vortrag in Münchweier lockte zahlreiche Gäste an.

Foto: Decoux

Sicher verbürgt ist hingegen die damalige landschaftliche Umgebung des Klosters um 1800, die nun ebenfalls optisch in das überarbeitete, verbesserte und auf eine halbe Stunde verdoppelte Video mit eingeflossen ist. Das wurde nun zum Abschluss der Vortrages erneut vorgeführt. Da geht es immerhin um vier Quadratkilometer Gelände, darunter neben dem großen Kloster-Komplex (118 Meter lang und 74,5 Meter breit) auch dem früheren Meierhof, Klostermühle und einst jenseits des Ettenbachs gegenüberliegendem Klostergarten samt Treibhaus. Im einstigen Einzugsbereich lagen westlich auch noch die später entstandene Wallfahrtskirche samt dem Badhotel.

Ansonsten: Im neuen Film wurde erfolgreich versucht, über die reine Darstellung der Räumlichkeiten hinaus auch etwas von der damaligen Atmosphäre spürbar zu machen, die in Ettenheimmünster geherrscht haben mag. Da schreitet etwa der letzte Abt Arbogast digital durch die Gänge, erklingen gelegentlich Kirchenglocken oder auch die heute in der Wallfahrtskirche stehende Silbermann-Orgel zum Rundgang durch die Kirche mit rekonstruiertem Hochaltar.

Film greift die Atmosphäre von damals auf

Von draußen tummeln sich ansonsten grunzende Schweine am Klostergarten, bellt ein Hofhund den Betrachter an und Knechte verrichten bäuerliche Arbeiten.

Zur Deckung der Herstellungskosten wird das Video zum Verkauf angeboten. Bestellt werden kann es im Internet unter www.joerg-sieger.de. Es ist als DVD (15 Euro), als Blu-Ray (20 Euro) zum Download (22,50 Euro) oder als Datei auf einem USB-Stick (25 Euro) erhältlich.

Info – Die Geschichte des Klosters

Das Kloster war spätestens zwischen 1111 und 1125 urkundlich nachweisbar gegründet und gegen Ende des Mittelalters verwüstet worden. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde ein Neubau in Angriff genommen. Im Jahr 1803 wurde das modernisierte Kloster im Rahmen der Säkularisierung übereignet. Das Klostergebäude selbst wurde zunächst als Zichorien- dann als Tabakfabrik genutzt, später auch als Lazarett. Schließlich wurde es dann „auf Abbruch“ weiter verkauft. Der letzte Teil – der Kirchturm – wurde im Jahr 1860 gesprengt. Nur die Umfassungsmauern erinnern heute daran.

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