Erfolg für Max-Planck-Gymnasium: Lahrer Lehrer werden für ihren KI-Tutor in Köln prämiert

Die Geschichtslehrer Florian Hellberg und Nora Mussler wurden für ihr KI-Projekt in Köln ausgezeichnet.
CornelsenWie kann Schule junge Menschen befähigen, sich in einer digital geprägten Öffentlichkeit kritisch mit politischen Narrativen auseinanderzusetzen? Für einen innovativen Ansatz zur Verbindung von Demokratiestärkung, historischem Lernen und digitaler Bildung wurden die Geschichtslehrer Florian Hellberg und Nora Mussler vom Max-Planck-Gymnasium auf der Bildungsmesse Didacta in Köln mit dem renommierten Cornelsen-Zukunftspreis in der Kategorie Lehrkräfte ausgezeichnet.
Die Jury würdigte damit laut Mitteilung der Lehrer ein Unterrichtskonzept, in dem Schüler mithilfe des KI-Tutors „mAxI“ lernen, extrem rechte und geschichtsrevisionistische Narrative kritisch zu analysieren und argumentativ zu widerlegen. Der Ansatz verbindet demnach zwei Herausforderungen schulischer Bildung: die Stärkung demokratischer Urteilskraft und den reflektierten Umgang mit digitaler Information. Gerade in sozialen Medien begegnen junge Menschen immer wieder vereinfachten oder bewusst verzerrten historischen Narrativen, heißt es in der Mitteilung.
Auch der Umgang mit KI wird thematisiert
Im Unterricht lernen sie demnach, solche Deutungen zu erkennen, ihre Argumentationsstruktur zu analysieren und sie auf der Grundlage historischer Quellen zu überprüfen. Zudem reflektieren die Schüler die Funktionsweise digitaler Medien, heißt es in der Mitteilung. Auch der Umgang mit KI werde thematisiert, indem die Schüler Chancen und Herausforderungen diskutieren und ein Bewusstsein für verantwortungsvollen KI-Einsatz entwickeln.
Im Zentrum des Konzepts steht KI-Tutor „mAxI“ (eine Wortschöpfung aus dem englischen „AI“ für künstliche Intelligenz und dem Namensgeber der Schule). Er ist ein digitaler Dialogpartner, der Schüler im individuellen Lernprozess begleitet. Im Gegensatz zu vielen gängigen KI-Anwendungen, die häufig als Suchmaschinenersatz oder automatische Lösungsmaschine genutzt werden und damit eigenständige Denkprozesse verkürzen können, begleitet „mAxI“ die Schüler laut Mitteilung als dialogischer Partner im Lernprozess. Er regt demnach an, eigene Gedanken zu präzisieren, Argumente zu überprüfen und Quellen oder Aussagen kritisch zu hinterfragen. Ziel ist es, historisches Argumentieren und politische Urteilsfähigkeit schrittweise zu entwickeln.
Preis ist für die Lehrer eine Auszeichnung und eine Verpflichtung
Die Schüler arbeiten laut Mitteilung nicht isoliert mit ihren Tablets. Vielmehr wechseln sich demnach Dialoge mit der KI, Diskussionen in der Klasse und Reflexionen mit der Lehrkraft ab. Die digitalen Impulse werden im Unterricht immer wieder aufgegriffen, diskutiert und kritisch eingeordnet, so die Lehrer. Für diese ist die Auszeichnung Anerkennung und Verpflichtung. „Wir empfinden große Wertschätzung unserer bisherigen Arbeit durch diesen Preis und sehen diesen zugleich als Auftrag, auch zukünftig Demokratiestärkung und Digitalität im Unterricht zu verknüpfen“, betonen sie.
Das Unterrichtsprojekt ist laut Mitteilung Teil eines größeren Schulentwicklungsprozesses am Max-Planck-Gymnasium. In Arbeitsgruppen entwickeln Lehrer demnach neue Unterrichtseinheiten, die demokratische Bildung und Lernen in einer Kultur der Digitalität miteinander verbinden. Unterstützt werde der Prozess durch eine moderne technische Infrastruktur, datenschutzkonforme KI-Nutzung sowie eine rege und verstetigte Bildungspartnerschaft mit dem Förderverein der Ehemaligen Synagoge Kippenheim. Der KI-Tutor „mAxI wurde zunächst im Geschichtsunterricht eingesetzt und danach auch in weiteren Fächern erprobt.
Das Projekt wird in einem Video vorgestellt, dieses ist online einsehbar.
Hintergrund
Der mit insgesamt 16 000 Euro dotierte Cornelsen Zukunftspreis der Cornelsen Stiftung Lehren und Lernen wird seit 2017 jährlich verliehen. Er zeichnet laut Angaben des Verlags Projekte aus, die die Unterrichtsqualität verbessern und als Best-Practice-Beispiele dienen. In diesem Jahr wurden neben dem Lahrer auch Projekte von drei weiteren Schulen ausgezeichnet.