Ehemalige Synagoge Kippenheim: Zum 30-Jährigen des Förderverein gibt's ein emotionales Konzert

Die „Vetterliswirtschaft“ begeisterte mit anspruchsvollen Stücken.
Schillinger-Teschner- 30 Jahre Förderverein: Konzert in der ehemaligen Synagoge Kippenheim mit „Vetterliswirtschaft“.
- Programm verband Volkslieder aus England, Schweden, Irland und Finnland mit alemannischer Mundart.
- Themen reichten von Freiheits- und Frauenrechten bis Erinnerung an NS-Verbrechen.
- Gedichte von Annette von Droste-Hülshoff und Bernhard Melder wurden musikalisch umgesetzt.
- Verein betont „erinnern – lernen - begegnen“ und blickt auf die Einweihung der Synagoge 2003.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Formation „Vetterliswirtschaft“, deren Namen ein Wortspiel rund um den Familiennamen eines Gründungsmitgliedes bildet, ist seit der Friedens- und Anti-Kernkraftbewegung 1978 musikalisch auf Kleinkunstbühnen, aber auch an besonderen Orten wie der Kippenheimer Synagoge musikalisch unterwegs. Spiellust, eine Prise Ironie, originelle musikalische Ideen, tragende Gesangsstimmen, unkonventionelle Instrumente sowie die Pflege der Mundart machen Konzerte zu bewegenden Erlebnissen.
„Jetzt wird’s alemannisch – mir schwätze immer so“, eröffnete Andrea Frey-Melder das Jubiläumskonzert und lud die der Hitze trotzenden Zuhörer auf eine musikalische Reise durch Zeit und Raum ein. Der mehrstimmige, aus England stammende Kanon „sumer is icumen in“ wurde in Sopran-, Mezzosopran und Basssingstimmen harmonisch, wenn auch textlich versetzt, als erste Station der Reise intoniert.
Gruppe präsentiert Klänge aus Schweden und Irland
Die von Franz Schwörer nach historischer Vorlage nachgebaute Nyckelharpa – auch Tastenharfe oder geklappte Geige genannt – lässt das Verändern der Tonart während des Spielens zu. Mit dem „Sommerwalzer“ und dem ebenfalls schwedischen Volkslied „alte Mutter Erde“ verschmolzen die Musiker zwei schwedische Volksweisen und zwei Jahreszeiten zu einer stimmigen Einheit.
„Und darf nur heimlich lösen mein Haar“ aus dem Gedicht „Am Turme“ von Annette von Dorste-Hülshoff beschreibt die Sehnsucht einer Frau nach einem freibestimmten Leben, das anno 1848 nur Männern vorbehalten war. Ein Thema, das immer noch allgegenwärtig sei, was Alina Jocobs mit ihren Zeilen in „360 Frauen“ verdeutlichte. Beide Gedichte wurden intoniert und sorgten mit dem eindringlichen Gesang von Andrea Frey-Melder und Sybille Hassler für Gänsehautmomente.
Mit dem aus dem mittelhochdeutschen stammenden Lied „Ich zoch mir einen Falken“ und „Die Gedanken sind frei“ kehrten die Musiker zu ihren Ursprüngen zurück und plädierten an das unverzichtbare Gut der Meinungsfreiheit.
Ein irisches Trinklied – „bring us in good ale“ – sowie eine musikalische Symbiose des finnischen Kinderliedes „Yksi, kaksi, kolme, neljä“ mit Klängen des „Heideröschens“ brachten heitere Stimmung mit sich. Die in Irland weit verbreitete Keltische Harfe und Querflöten und Flöten Klänge sorgen für das mit Irland verbundene Klangerlebnis. Schlussendlich darf auch ein wenig Kitsch nicht fehlen, moderierte Hassler. Liebesgesülze traf auf kleine Kammermusik – so gab sich mit der sächsischen Weise „Als ich in der Laube saß“ nicht nur ein Liebespaar, sondern auch das Lied selbst ein munteres Stelldichein mit Mozarts „kleiner Nachtmusik“.
Lied erinnert an schlimme NS-Verbrechen
In Memoriam an das Gründungsmitglied Bernhard Melder wurden zwei der Gedichte aus seiner Feder rezitiert. „Jeder Stein isch a Stück lebe, steck ihn in d‘ Dasch un‘ nimm ihn mit“ und „Könnt ich ei‘mol für dich de Mond si“ waren in Sprechgesang mit musikalischer Unterstützung durch ein Glockenspiel besonders eindrückliche Textzeilen. Als 1938 die polnische Stadt Przytyk während des Pogroms in Flammen stand, schrieb Nordechai Gebirtig das Lied „undzer Shtetl brennt“ – es wurde als Hommage an die schrecklichen Ereignisse vorgetragen.
Sichtlich berührt dankte Bärbel Heer vom Förderverein den fünf Musikern für ein Konzert, das Brücken gebaut habe. Seit Bestehen des Vereins habe die Vetterliswirtschaft die Synagoge mehrfach mit außergewöhnlichen Musikveranstaltungen besucht und die Konzertbesucher begeistert. „Das heutige Konzert zeigt die Verbundenheit, die aus dem Engagement für Menschenrechte und Freiheit erwachsen ist und auch in Zukunft Bestand haben werde“ betonte sie.
Der Förderverein, als gemeinnützige Institution, hat seine Aufgabe seit 30 Jahren schwerpunktmäßig in den drei Säulen „erinnern – lernen - begegnen“ gesucht und gefunden. Ursprünglich gegründet um Instandsetzung und Erhalt der Synagoge zu gewährleisten, setzt er sich aktiv mit der Geschichte des badischen Judentums, der Dialogförderung zwischen verschiedenen Gesellschaftsgruppen, der Völkerverständigung und Toleranz mit einem kulturellen Angebot, das dem Charakter des Hauses Rechnung trägt, auseinander, führte Vorsitzender Jürgen Stude aus. „Wir waren nur der Weg zum Ziel – die Synagoge wurde 2003 feierlich eingeweiht. Daher findet die große Jubiläumsfeier erst 2028 statt“, so Stude abschließend zum stillen Jubiläum des Fördervereins.