Bunker wird geräumt
: Lahrer Musiker möchte 120 Jahre altes Klavier retten – indem er es verschenkt

Der Kommandobunker B 108 der kanadischen Streitkräfte wird am Montag geräumt. Seit Jahren steht dort ein ganz besonderes, mehr als 120 Jahre altes Instrument.
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(red/pl)
Lahr
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Das Instrument ist über Generationen gehütet worden.

Holtfoth

Es sind emotionale Tage in der Lahrer Musikszene, heißt es in einem Text, den der Journalist und Kulturschaffende Walter Holtfoth unserer Redaktion zur Verfügung gestalt hat. Vielen ist er auch durch sein DJ-Projekt Cleopha bekannt. Nun gehe eine echte Ära unwiderruflich zu Ende, wie er betont: Der ehemalige Kommandobunker B 108 der kanadischen Streitkräfte – über Jahrzehnte „das kreative Herz der Lahrer Rockwerkstatt“ – müsse bis zum kommenden Montag, 1. Juni, komplett geräumt sein. Der Abriss drohe. 15 Lahrer Bands stehen laut Holtfoth sprichwörtlich auf der Straße, Ersatzräume gebe es keine. „Ein schwerer Schlag für die Kultur in unserer Region“, so Holtfoth in seinem Text.

Doch inmitten dieses wehmütigen Abschieds spiele sich gerade eine ganz persönliche und herzergreifende Geschichte ab. Rainer Schrenk, ein Lahrer Urgestein der hiesigen Musikszene, der in den 1990er-Jahren schon bei Bands wie „Schluckauf“ Bass spielte und später mit Formationen wie „Bitter End“ oder den „Beckbeats“ auf der Bühne stand, habe Holtfoth um Hilfe gebeten. Denn mitten im staubigen „Rock-Bunker“ stehe ein Schatz, der dort eigentlich so gar nicht hinzupassen scheine: ein wunderschönes Jugendstil-Klavier der renommierten Berliner Edelschmiede Trautwein, gebaut um das Jahr 1900.

Dieses Instrument sei nicht einfach nur Holz und Tastatur. Es sei das absolute Heiligtum von Schrenks verstorbener Großmutter gewesen. Über Generationen sei es gehütet worden, es habe Jahrzehnte überstanden und schließlich seinen Platz im Proberaum der Rocker gefunden.

Das Klavier muss von den Interessenten abgeholt werden

Doch durch den Auszug drohe dem historischen Schmuckstück jetzt das denkbar traurigste Schicksal: die Mülldeponie, die Verschrottung.

„Es wäre mir eine absolute Herzenssache, wenn irgendjemand Verwendung für dieses Klavier hätte“, ließ Schrenk Holtfoth wissen. „Hauptsache, ich muss es nicht auf den Müll werfen. Omas Klavier muss einfach irgendwo ein neues Zuhause finden!“ Darum wendet sich Holtfoth nun an die Musikfreunde der Region. Ein mehr als 120 Jahre altes Jugendstil-Klavier voller Familiengeschichte und Rock-’n’-Roll-Anekdoten gehöre seiner Meinung nach in ein Wohnzimmer, in eine Musikschule, in ein Café oder in ein Jugendzentrum – aber niemals auf den Schrotthaufen.

Das Besondere: Das Klavier wird verschenkt, es muss allerdings von Selbstabholern aus dem Lahrer Bunker geholt werden – „und das verdammt schnell, denn die Uhr tickt unerbittlich bis zum 1. Juni“, teilt Holtfoth mit.

Kontakt

Walter Holtfoth hat die Geschichte auch auf seinem Blog geteilt. Dort finden Interessierte Kontaktmöglichkeiten: www.cleopharadio.de

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