Neue Charter-Firma am Flugplatz
: So viel kostet ein Flug von Lahr nach Mailand und zurück

Auf dem Flugplatz hat sich ein neues Charter-Unternehmen angesiedelt. Sai Air arbeitet vor Ort mit fünf Piloten. Unsere Redaktion durfte hinter die Kulissen blicken.
Von
Herbert Schabel
Lahr
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Florian Fibich ist einer von fünf Piloten, die für die Fluggesellschaft in Lahr stationiert sind. Hier sitzt er im Cockpit des Firmenflugzeugs, mit dem Sai Air vom Lahrer Flugplatz aus operiert.

Schabel

Der Hangar auf dem Lahrer Flugplatz ist vollgepackt mit Flugzeugen, doch die Maschine von Sai Air fällt beim Betreten der riesigen Halle sofort auf – es ist der größte Flieger dort. Die zweimotorige Maschine vom Typ P2012 Traveller bietet Platz für neun Passagiere, hat eine Reisegeschwindigkeit von bis zu 333 Kilometern pro Stunde und eine Reichweite von rund 1000 nautischen Meilen, also etwa 1850 Kilometer, erzählt Adem Rebell beim Besuch unserer Redaktion. Wobei man bei längeren Flügen einen Zwischenstopp bei etwa 1000 Kilometern einlege, so der Geschäftsführer von Sai Air.

Die Fluggesellschaft hat ihren Sitz in Alpirsbach und betreibt seit wenigen Wochen Flüge vom Flugplatz Lahr. Man operiere auch ab Nürnberg, erzählt Rebell, dort sei eine typgleiche Propellermaschine wie in Lahr stationiert. Beide Flugzeuge hat Sai Air vom italienischen Hersteller Tecnam neu gekauft, zum Stückpreis von 2,7 Millionen Euro.

Der Geschäftsführer hat sich seinen Traum vom Fliegen erfüllt

Unsere Redaktion hat mit Rebell über die Aussichten der neuen Charter-Airline, aber auch über die Faszination des Fliegens gesprochen. Denn der gebürtige Kenzinger ist gelernter Pilot. Er habe sich einst den Traum vom Fliegen erfüllen wollen, erzählt er – und sei davon nach wie vor begeistert. Es sei immer noch ein wunderbares Gefühl, ein Flugzeug zu steuern, das zum Beispiel aus einer Nebeldecke herausstößt und dann von Sonnenstrahlen erfasst wird.

Rebells Arbeitsplatz ist nun aber nicht ein Cockpit, sondern in erster Linie ein Schreibtisch im Firmengebäude von Sai Air, das sich direkt neben dem Terminal des Lahrer Flugplatzes befindet. Von dort aus steuert der 33-jährige Luftfahrtmanager das junge Unternehmen. Namensgeber für Sai Air war dabei die Familie Saier, mit der Rebell die Firma gemeinsam leitet. Geplant seien Flüge in ganz Europa, erzählt er beim Rundgang durch die Firmenräume. Das Geschäftsmodell umfasse Privat- und Business-Charter sowie Fracht- und Ambulanzflüge.

Geschäftsführer Adem Rebell und Pilot Pierino Colombo vor der Maschine, mit der Ziele in ganz Europa angesteuert werden.

Foto: Schabel

„Herzlicher Service zu fairen Konditionen“, das sei die Philosophie von Sai Air, sagt der Geschäftsführer, während er den Lounge-Bereich zeigt. Dort gibt es einen Tischkicker, einen großen Bildschirm und eine gemütliche Sitzecke – hier halten die Passagiere sich auf, ehe sie zum Flugzeug gehen. Der Raum werde noch eine Küche erhalten, in der die Gäste mit Getränken versorgt werden, ist zu hören. Man befinde sich in den Anfängen, noch sei nicht alles fertig, betont Rebell außerdem und zeigt den leeren Nebenraum, der zum Schulungszentrum für die Piloten des Charter-Unternehmens ausgebaut werden soll.

Sai Air setzt laut Rebell auf ein persönliches, kundenorientiertes Angebot. „Wir bieten unseren Passagieren kurze Wege und eine schnelle Abfertigung. Und wir stehen für einen sehr guten Service, die Piloten tragen zum Beispiel das Gepäck der Passagiere zum Flugzeug“, betont der Geschäftsführer.

Das alles hat seinen Preis, „wir sind nicht Ryanair“, stellt Rebell fest. Andererseits müsse man aber auch nicht schwerreich sein, um Sai Air zu buchen, betont er und macht diese Beispielrechnung auf: Ein Flug von Lahr nach Mailand koste bei dem Unternehmen weniger als 5000 Euro. Seien alle neun Passagiersitze im Flugzeug belegt, müsse jeder Gast anteilig lediglich um die 440 Euro bezahlen – für Hin- und Rückflug. Dabei sei es ein besonderes Flugerlebnis – wer wolle, erhalte ein Headset und könne in der Luft mit den Piloten sprechen. Dabei könne man auch kleinere Flugplätze ansteuern, da die Maschine keine große Landebahn brauche.

So ein Charterflug rentiere sich nicht nur für Unternehmer, die sich damit eine lange und umständliche Autofahrt zum Geschäftstreffen ersparten, sondern etwa auch für einen Verein, der einen besonderen Ausflug unternehmen wolle. Als Zielpublikum hat Rebell darüber hinaus Familien im Blick, die ein Kind mit einer Behinderung haben – denn man sei auch auf barrierefreies Fliegen eingestellt. „Ob im Rollstuhl, auf dem Weg zu einem wichtigen Geschäftstermin oder als exklusiver Privatflug – wir machen das möglich“, heißt es auf der Homepage der Firma.

Für medizinische Flüge wird der Innenraum des Flugzeugs umgebaut

Als echtes Standbein hätten sich bereits Ambulanzflüge erwiesen, für die mehrere Sitze im Flugzeug ausgeräumt und durch eine 27 000 Euro teure Spezialliege ersetzt werden, betont Rebell. Zu den Perspektiven des Unternehmens äußert er sich optimistisch, räumt aber auch ein, dass es in diesem Jahr erst mal darum gehe, sich zu etablieren. Auch Linienflüge seien indes geplant, ab dem Sommer etwa von Nürnberg nach Sylt. Lahr werde ebenfalls Fluglinien erhalten.

In Lahr beschäftigt Sai Air neun Mitarbeiter, darunter fünf Piloten. Im Cockpit der Tecnam P2012 Traveller nimmt zum Beispiel Pierino Colombo aus Argentinien Platz, der beim Besuch unserer Redaktion ebenfalls zugegen ist. In seiner Heimat habe Colombo Löschflugzeuge durch enge Täler gesteuert, um Waldbrände zu bekämpfen, schildert Rebell dessen fliegerische Erfahrungen.

Spitzengeschwindigkeit 333 Stundenkilometer, Reichweite 1850 Kilometer, Neupreis 2,7 Millionen Euro – das sind die Kenndaten der in Lahr stationierten Maschine, die Eigentum der Fluggesellschaft ist.

Foto: Schabel

Zum Pilotenteam gehört auch Florian Fibich aus Badenweiler. Der 33-Jährige erzählt dem Autor, dass er gelernter Industriemechaniker und Luftfahrttechniker sei. In dieser Funktion habe er Flugzeuge gewartet und dabei Lust bekommen, sie auch einmal selbst zu fliegen. An der Arbeit des Piloten gefalle ihm, dass sie technisches Verständnis, Präzision sowie Sicherheitsbewusstsein erfordere. „Man trägt unfassbar viel Verantwortung“, betont Fibich, der Flugbetriebsleiter bei Sai Air ist – und dass man sich immer wieder neu beweisen müsse. Piloten würden strengen, regelmäßigen Überprüfungen unterliegen, darunter Simulator-Checks und halbjährliche theoretische Tests. Diese Herausforderungen würden ihm gefallen, erzählt er.

Man sitze immer zu zweit im Cockpit, gibt Fibich einen Einblick in den Arbeitsalltag der Pilotencrew. Der könne auch darin bestehen, am Zielort ein paar Stunden oder auch mal ein oder zwei Tage zu verbringen, bis der vom Kunde gebuchte Rückflug nach Lahr ansteht. Das gehöre aber zum Pilotenleben dazu und sei kein Problem.

Neuer Hubschrauber

Auf dem Lahrer Flugplatz gibt es neuerdings nicht nur eine Charter-Airline – denn ab dem 1. Juli wird dort auch Rettungshubschrauber „Christoph Ortenau“ fest stationiert. Die DRF Luftrettung wird die neue Station mit einem Hubschrauber betreiben, der täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ausrücken wird, wenn es erforderlich ist.  

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