Bau ist nicht mehr zu retten
: Töpferofen in Lahrer Römeranlage stürzt ein

Der Regen der vergangenen Monate hat dem Lehmbau im Lahrer Bürgerpark so stark zugesetzt, dass er nicht mehr repariert werden kann. Damit endet das Töpferprojekt dort nach fünf Jahren. Experimentalarchäologen hatten den Ofen nach römischem Vorbild aufgebaut und betrieben.
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red/sl
Lahr
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Schwarzwälder Bote

Im April hatte es noch so ausgesehen, als ob der Ofen repariert werden könnte, teilt die Stadt mit. Der Archäotechniker Frank Wiesenberg aus Köln war vor Ort und plante mit der Lahrer Kulturvermittlerin und Archäologin Kathrin Lieb die Reparatur des Ofens.

Problematisch sah es schon damals aus: Aufgestautes Wasser sammelte sich in den Kiesschichten unter dem Ofen und floss nur langsam ab. Der Lehmofen saugte das Wasser wie ein Schwamm auf und zerbröselte langsam. Das feucht-warme Klima unter der Plastikkuppel, verbunden mit herabtropfendem Kondenswasser, verschlimmerte die Situation, so die Stadt. Die Stark- und Dauerregenereignisse im Frühsommer hätten dann dafür gesorgt, dass der komplette hintere Teil des Ofens einstürzte. „Da ist nichts mehr zu machen“, so das Urteil von Frank Wiesenberg.

Der sollte wichtige Erkenntnisse über die Römer liefern

Der Töpferofen war 2019 erbaut worden, er diente der Erhebung wissenschaftlicher Daten über den Bau und den Betrieb von Töpferöfen in den römischen Provinzen. Zahlreiche Funde zeigen nämlich, dass der Vicus Lahr-Dinglingen für sein wichtigstes Handelsgut, die „Lahrer Ware“, von der Nordwestschweiz bis Mainz und vom Elsass bis Rottweil berühmt war. Die Qualität und Menge der in Lahr produzierten Gebrauchskeramik deuten auf ein hochprofessionelles Töpferhandwerk hin, das einigen Familien der Siedlung als Haupterwerbsquelle diente.

In Lahr wurden Öfen aus der Römerzeit mit zwei Metern Feuerraum ausgegraben, die zu den größeren Vertretern der Keramikbrennöfen am südlichen Oberrhein gehören. Der Nachbau war kleiner, funktionierte aber nach den selben Prinzipien wie seine Vorbilder vor 2000 Jahren.

Der Töpferofen diente der experimentalarchäologischen Forschung und der praktischen Ausbildung von Studenten der Abteilung für Provinzialrömische Archäologie der Uni Freiburg unter Leitung von Professor Alexander Heising. Es wurden wissenschaftliche Daten über den Bau an sich und den späteren Betrieb erhoben. So wurde aufgezeichnet, welches Material, wieviel Zeit und welche Bedingungen notwendig sind, um den Ofen zu bauen und zu betreiben. Auch wie lange er hält, sollte erprobt werden.

Der Ofen wurde jährlich am Töpferofenwochenende angefeuert. Hunderte Kinder und Erwachsene haben dort ihre Töpferwaren gebrannt. Das ist nun vorbei „Das Stadtmuseum und die Ehrenamtlichen der Römeranlage bedauern diese Entwicklung“, so die Stadt.

Jedoch: Die Ergebnisse des Projekts sind festgehalten. Alle Ofenbrände wurden fotografiert und dokumentiert. Die Entstehungsgeschichte des rekonstruierten Ofens und viele Hintergrundinfos rund um die Töpferei im Lahrer Vicus fanden Eingang in eine Abschlussarbeit an der Abteilung für Provinzialrömische Archäologie der Uni Freiburg.

Als Ersatz ist ein römischer Backofen geplant

Ab 2025 ist laut Stadt geplant, einen römischen Backofen auf der Römeranlage zu bauen. Schon bei Planungsgesprächen im Jahr 2017 sei die Idee dazu aufgekommen, so die Stadt. Der Backofen könne öfters im Jahr angefeuert werden und stoße brandschutztechnisch auf weniger Hindernisse als der Töpferofen. Finanziert werden soll das Projekt unter anderem durch Mittel der Stadt, des Fördervereins Stadtmuseum Tonofenfabrik und Drittmittel aus externen Fördertöpfen. Silke Höllmüller, die neue Leiterin des Stadtmuseums, sieht die Chance, das Angebot der Römeranlage zu erweitern und den Backofen auch in Führungen oder Programmen aktiv einzubinden.Das Team des Stadtmuseums Lahr sucht deshalb Menschen, die sich ehrenamtlich fürs römische Bäckereihandwerk und den Betrieb des Backofens auf der Römeranlage einbringen möchten. Interessenten melden Sie sich per E-Mail: museum@lahr.de.

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