Aufführung in Lahr
: Beim Stück über Demenz schlüpfen Zuschauer in Theaterrollen

Das interaktive Stück „Ich will hier nicht mehr bleiben“ hat das schwierige Thema Demenz auf die Bühne des Schlachthofs gebracht.
Von
red/sl
Lahr
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Das Stück zeigte realitätsnah, welche Probleme eine Demenzerkrankung mit sich bringt – gerade auch für die Angehörigen.

Baublies

Im Zentrum des Stücks steht Dr. Hubert Schreiner, ein ehemaliger Geschäftsführer, der an Demenz erkrankt ist. Weil seine Versorgung zuhause für seine Ehefrau Gerda nicht mehr möglich war, entschlossen sich die Angehörigen schweren Herzens, Hubert in ein Pflegeheim zu geben. In der neuen Wohnsituation fühlt er sich aber gar nicht wohl. Er ist desorientiert und will unbedingt wieder nach Hause, was zu Konflikten führt.

Aussagen wie „Ich will hier nicht mehr bleiben“, „Ich habe kein Mittagessen bekommen“ oder „Die will was von mir. Hast du gesehen, wie die mich angeschaut hat?“ spiegeln seine innere Verunsicherung und Hilflosigkeit wider, heißt es im Bericht der Stadt.

Auch bei Ehefrau Gerda wachsen die Zweifel: „Papa kommt ja gar nicht zurecht hier. Vielleicht hätten wir uns mit dem Pflegeheim noch Zeit lassen sollen“, sagt sie.

Die Tochter äußert gegenüber dem Stationsleiter Vorwürfe: „Mein Papa ist nun sechs Wochen da und ist immer noch nicht angekommen“ und „Wir merken nicht, dass Sie meinen Vater individuell unterstützen“. Solche Aussagen machten die Überforderung und emotionale Zerrissenheit der Angehörigen deutlich. So endet das Theaterstück zunächst mit einem provokanten Schluss und vielen offenen Fragen.

Das Publikum schlägt vor, wie man dem Erkrankten helfen kann

Die bewusst zugespitzten Szenen wurden von dem Theaterpädagogen und Psychotherapeuten Karlo Müller sowie der Sozialpädagogin und Krankenschwester Kornelia Masur konzipiert und inszeniert. Die Schauspieler ließen bei der Aufführung des Dialogtheaters Stuttgart im Schlachthof die Konflikte realitätsnah eskalieren, um die Zuschauer für die Herausforderungen im Umgang mit demenziell erkrankten Menschen zu sensibilisieren, berichtet die Stadt.

Nach einer kurzen Pause wurde gemeinsam mit dem Publikum nach Verbesserungsvorschlägen gesucht. Anhand der Fragen „Was hat Sie berührt?“ und „Wo sehen Sie Probleme?“ wurde das Publikum in die Szenen eingebunden. Es fielen Stichworte wie „Nähe und Zuwendung fehlte“, „Bevormundung durch Ehefrau und Krankenschwester“, „Umgang mit Trauer und Depression“, „kein Ansprechen der Gefühle von Dr. Hubert Schreiner“, „Überforderung und Hilflosigkeit der pflegenden Angehörigen“, „Grenzen finden“, „Dr. Hubert Schreiner mehr Verantwortung geben und ihn ernst nehmen in seiner Lebenswirklichkeit“ oder „Rituale und Orientierungshilfen, zum Beispiel durch Erinnerungen an das Gitarre spielen“.

Die Zuschauer spielen alternative Verhaltensweisen durch

Im zweiten Teil des Abends wurden die Schlüsselszenen erneut aufgegriffen – diesmal mit Unterstützung und aktiver Beteiligung des Publikums. Die Zuschauer schlüpften selbst in die Rollen und spielten alternative Verhaltensweisen zur Deeskalation der Konflikte. Auch Sylvia Bing und Heike Dorow von der Demenzagentur Lahr beteiligten sich und demonstrierten alltagsnahe sowie empathische Handlungsmöglichkeiten.

„Das war ein großartiges Theater, das tief ging. Ich nehme viele hilfreiche Impulse für meinen Alltag mit“, sagte eine Besucherin beim Verlassen des Schlachthofs. Die interaktive Auseinandersetzung ermöglichte so nicht nur einen Perspektivwechsel, sondern auch den Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen, Fachkräften und Interessierten – mit vielen Denkanstößen und auch Momenten des Humors.

Beatrice Meyer, Poolmanagerin des Projekts „Zeit für mich“ im Netzwerk Demenz, begrüßte die Gäste. Sylvia Bing, ebenfalls von der Demenzagentur Lahr, griff das Thema Demenz auf und stellte die Unterstützungsangebote der Demenzagentur vor. Vor und nach dem Stück informierten Flyer über die Demenzagentur und den Pflegestützpunkt Ortenaukreis, das Projekt „Zeit für mich“ sowie weitere Angebote rund um das Thema Demenz.

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