Aktionstag am Sonntag: So will die Stadt Lahr ein Zeichen gegen die Todesstrafe setzen

Gemeinderatsglocken am Rathaus 2
StadtDer weltweite Aktionstag wird zum 24. Mal organisiert, die Stadt Lahr ist seit 2011 dabei. Am 30. November läuten zwischen 8.55 und 20.55 Uhr fünf Minuten vor jeder vollen Stunde die Gemeinderatsglocken. Die Mediathek stellt bis Samstag, 29. November, einen thematisch passenden Büchertisch im Haus zum Pflug bereit.
Seit 2002 soll der Aktionstag „Cities for Life“ mit seinen Veranstaltungen die Zivilgesellschaft sensibilisieren und eine Kultur stärken, die das menschliche Leben auch unter schwierigen Umständen achtet. Diese nach Angaben der Veranstalter weltweit größte Mobilisierung von Städten hat das Ziel, die Aufmerksamkeit auf die Menschenrechte und den Wert des Lebens zu lenken, wie es in einer städtischen Pressemitteilung heißt. Gerade in den aktuellen Krisenzeiten, die von Kriegen und deren Folgen geprägt seien und von manchen als „Epoche der Stärke“ bezeichnet werden, gebe es Tendenzen, im Justizsystem mit großer Härte zu reagieren und teilweise die Todesstrafe vermehrt einzusetzen oder wiedereinzuführen. Daher benötigen die Menschenrechte besondere Unterstützung, um nicht anderen Prioritäten wie etwa der Sicherheit untergeordnet zu werden, heißt es in der Mitteilung weiter.
Unlängst gab es Erfolge auf Weg zur Abschaffung der Todesstrafe
Der Aktionstag der „Cities for Life“ vereint demnach Städte im Einsatz für ein menschliches Justizsystem – auch in Ländern, die an der Todesstrafe festhalten. In Deutschland haben sich rund 300 Städte angeschlossen. Zu den Aktionen zählen etwa eine besondere Beleuchtung bekannter Gebäude, Dichterlesungen, Begegnungen mit Zeugen oder Projekte in Schulen.
Das vergangene Jahr brachte laut Mitteilung Erfolge auf dem Weg zur Abschaffung der Todesstrafe: So hat im Dezember 2024 die Generalversammlung der Vereinten Nationen zum wiederholten Mal eine Resolution über ein universales Moratorium der Todesstrafe verabschiedet – diesmal mit noch größerer Zustimmung. 130 Länder waren dafür, wohingegen es 125 Länder im Jahr 2022 und 123 Länder im Jahr 2020 waren. Im Juli 2024 trat in Pakistan die Abschaffung der Todesstrafe für Drogendelikte in Kraft. In Japan wurde im Oktober 2024 der 88-jährige Iwao Hakamada nach 45 Jahren im Todestrakt entlassen, was die Debatte um eine Abschaffung neu entfachte. Vietnam hat 2025 die Todesstrafe für einige Delikte abgeschafft.
Doch auch besorgniserregende Nachrichten blieben laut Mitteilung nicht aus. Insbesondere in Krisengebieten seien steigende Vollstreckungszahlen zu registrieren und auch die Zahl der Todesurteile habe zugenommen. Teilweise können demnach regimekritische Äußerungen zu Todesurteil und Hinrichtung führen, wie dies in Myanmar geschehen sei.
Gerade in Krisengebieten steigen die Vollstreckungen aktuell wieder an
Infolge des Konflikts im Nahen Osten habe es viele Hinrichtungen im Gazastreifen und im Iran gegeben. Teilweise seien Minderjährige hingerichtet worden, was gegen internationales Recht verstoße. Sudan, Südsudan und Uganda haben laut Mitteilung nach längerer Unterbrechung 2024 wieder Todesurteile verhängt. Daher bleibt der globale Einsatz für eine Kultur des Lebens weiterhin erforderlich, heißt es in der städtischen Mitteilung.
Die Gemeinschaft Sant’Egidio ist eine christliche Laienbewegung in circa 70 Ländern, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt. 2024 organisierte sie in Paris ein internationales Friedenstreffen der Weltreligionen zum Thema „Imagine Peace“, an dem auch Staatspräsident Macron teilnahm.
Seit 1998 engagiert sich die Gemeinschaft gegen die Todesstrafe und setzt sich mit der „World Coalition against the Death Penalty“ für die universale Abschaffung ein. Sie hat mit anderen Organisationen 2002 die Aktion „Cities for life – Städte für das Leben/Städte gegen die Todesstrafe“ gestartet. Mitglieder von Sant’Egidio pflegen Hunderte von Brieffreundschaften mit Todeskandidaten. Sie engagieren sich zudem insbesondere in Afrika, aber auch weltweit, für eine Humanisierung der Haftbedingungen in Gefängnissen.
Vorbild Toskana
Der 30. November wurde aus historischen Gründen für den Aktionstag gewählt. An diesem Tag im Jahr 1786 erklärte das Großherzogtum Toskana als erster Staat der Welt sowohl Folter als auch Todesstrafe für abgeschafft.