22 FSJler arbeiten in dieser Woche
: Junge Leute beheben Baupfusch am Lahrer Römerhaus

Die Nordwand des Römerhauses im Lahrer Bürgerpark ist in schlechtem Zustand. Nun ist die Jugendbauhütte Baden-Württemberg mit 22 FSJlern nach Lahr gekommen, um den Schaden zu beseitigen.
Von
Herbert Schabel
Lahr
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Schwarzwälder Bote

Dass mit der Wand etwas nicht stimmt, erkennen bereits Laien: An zahlreichen Stellen ist der dunkelrote Lehm zu sehen, aus dem sie aufgebaut wurde. Eigentlich sollte der Lehm durch weißen Putz überdeckt sein, doch die oberste Schicht ist vielerorts abgeplatzt, sei es durch Wind und Wetter, Baumängel oder Vandalismus. Dass der Putz nicht hält, hat viele Besucher offenbar dazu animiert, selbst noch Hand anzulegen und sich dort zu verewigen. So „zieren“ die Wand mehrere Initialen oder ganze Sätze, häufig in kyrillischen Schriftzeichen. Auch ein eingeritztes Herz ist auszumachen, Dunkelrot auf Weiß.

Das Problem ist die Bausubstanz, aus der die Wand besteht, wie Astrid Paul am Montag vor Ort erklärte. Die Architektin ist Inhaberin der Karlsruher Firma Naterra, die sich auf die Verwendung von Naturbaustoffen spezialisiert hat. Die Lehmbau-Expertin sagte, dass beim Bau der Wand Fehler gemacht wurden: Der verwendete Lehm sei „zu mager“ gewesen, er habe zu wenig Bindemittel aus Ton und zu wenig Stroh enthalten. Und er wurde vor dem Auftragen der Kalkschicht nicht angefeuchtet.

Das römische Streifenhaus wurde bekanntlich zur LGS 2018 errichtet und soll an die Geschichte des Orts erinnern – denn im heutigen Dinglingen stand vor 1800 Jahren ein römisches Straßendorf. Der Hausbau in Originalgröße war europaweit ausgeschrieben worden, wobei das günstigste Angebot von einem polnischen Unternehmen kam. Dass das Betrieb bei der Ausführung pfuschte, war schnell offensichtlich. Die Stadt meldete Regress an, die Firma musste nacharbeiten – doch die Probleme blieben.

Für die Sanierung fehlte bisher das Geld. Kathrin Lieb vom Stadtmuseum, die für die Römeranlage zuständige Archäologin, fand dafür aber eine kreative Lösung – sie knüpfte Kontakte zur Jugendbauhütte Baden-Württemberg. Ergebnis: In den nächsten Jahren wird stets im Oktober eine Gruppe von FSJlern in Diensten der Jugendbauhütte für eine Woche nach Lahr kommen, um das Römerhaus Stück für Stück zu sanieren. Mit der Nordwand wird der Anfang gemacht.

Das Römerhaus soll Stück für Stück saniert werden

Man helfe gern, sagte Tamara Bimesmeier von der Jugendbauhütte. Mit ihr sind 22 junge Leute angereist, die teils mit einem Archäologiestudium liebäugeln und sich deshalb bei der Jugendbauhütte beworben haben. Während ihrer Woche in Lahr sind die FSJler – teils aus Bayern und Nordrhein-Westfalen – auf dem Freizeithof Lan-genhard untergebracht.

Bei der Arbeit werden sie von Astrid Paul angeleitet. Es geht darum, die Nordwand praktisch neu aufzubauen, so Paul. Der Lehm werde mit Stroh und Ton aus einer Kiesgrube bei Ottenhöfen aufbereitet – und zwar so, dass er diesmal hält. Im nächsten Frühjahr soll dann auch ein neuer Putz aufgetragen werden. Die Materialkosten halten sich in Grenzen, wie zu hören war, trotzdem brauche es eine finanzielle Unterstützung. Die kommt von der Bürgerstiftung Lahr – Reichswaisenhaus 1885 und der Förderstiftung Archäologie in Baden-Württemberg.

Im Mittelpunkt steht die Arbeit der FSJler, die von OB Markus Ibert, Cornelia Lanz, der Leiterin des Amts für Stadtgeschichte und Archivwesen, Museumsleiterin Silke Höllmüller, Martin Wichmann von der Bürgerstiftung und Beate Grimmer-Dehn von der Förderstiftung Archäologie in Baden-Württemberg begrüßt wurden. Bei ihrer Arbeit – täglich von 9 bis 17 Uhr – erklären die FSJler Gästen gern, wie sie bei der Sanierung vorgehen.

Das ist die Jugendbauhütte

Die Jugendbauhütte Baden-Württemberg mit Sitz in Esslingen bildet den Dreh- und Angelpunkt aller, die im Bundesland einen Freiwilligendienst in der Denkmalpflege absolvieren. Die Aufgaben umfassen das gesamte Spektrum der denkmalpflegerischen Arbeit: Archäologie, Handwerk, Architektur und Restaurierung bis zur Wissenschaft.

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