Verein aus Wolfach ist hilft
: Hilfe ist in Haiti notwendiger denn je

Trotz sehr angespannter Lage unterstützt „Pwojè men kontre“ weiter Projekte in Haiti. Zentral sind die vereinseigene Schule und das Waisenhaus. Zu beiden gab es bei der Hauptversammlung Informationen aus erster Hand.
Von
Hannah Schmid
Oberndorf
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Der neue Vorstand (von links): Stefan Willeitner, Anke Brügmann, Lutz Diedrichs, Ulrike Haupt und Michael Schmidt-Maier

Schmid

Seit 2002 engagiert sich „Pwojè men kontre“ (Projekt der sich begegnenden Hände) im Krisengebiet Haiti. Am Samstag berichtete die Vorsitzende Anke Brügmann in der Hauptversammlung im Rathaus über die Aktivitäten des Wolfacher Hilfsvereins. Weiter ging es um eine Umstrukturierung im Vorstand.

Politisch sei die Lage in Haiti „sehr angespannt“ und „weit entfernt von freien Wahlen“, sagte Brügmann. Seit Jahren bestehe dort eine Art „Anarchiesituation“: Überfälle auf Krankenhäuser, monatelange Streiks in staatlichen Einrichtungen und unvorstellbare Gewalt seien an der Tagesordnung.

Die ländliche Region um Beaumont, auf die sich die Projekte des Vereins konzentrieren, sei jedoch noch vergleichsweise friedlich, auch wenn viele Waren oft lange nicht verfügbar seien. Zudem gebe es viele Flüchtlinge aus der Region um die Hauptstadt. Damit sei die Bedeutung der zentralen Projekte – des Waisenhauses und der Schule – noch einmal gestiegen.

Waisenhaus und Schule sind beide ausgelastet

Für beide Einrichtungen habe man 2024 aufgrund des großen Andrangs zahlreiche Kinder und Jugendliche abweisen müssen. Das Waisenhaus etwa nehme nur noch Notfälle auf, die sonst voraussichtlich nicht überleben würden. Davon habe es 2025 bereits vier gegeben. Die Mitarbeiter von Pwojè men kontre kümmern sich um 70 Kinder, bei vielen von ihnen sei aufgrund von Einschränkungen besondere Betreuung nötig. Für 2025 sei es ein großes Ziel, die vor einigen Jahren begonnene Standortverlegung abzuschließen. Mit Unterstützung der Ingenieure ohne Grenzen des Karlsruher Instituts für Technologie sei die Errichtung der neuen Gebäude so weit beendet, dass auch die letzte Wohngruppe bald einziehen könne. Bei den alten Anlagen, die zu Sozialwohnungen werden sollen, gebe es enormen Reparaturbedarf. Die bestehenden Sozialwohnungen seien mit 84 Bewohnern extrem ausgelastet.

Auch die Schule des Vereins finde laut Brügmann großen Anklang. Momentan würden dort 430 Schüler unterrichtet, die Nachfrage sei weitaus höher. Um dies finanziell stemmen zu können, habe man die Kantinentage von fünf auf drei pro Woche reduzieren müssen.

Trotz stetigen Engpässen bei Unterrichtsmaterialien und qualifizierten Lehrkräften habe die Schule in der Region einen sehr guten Ruf. Mit 67 Angestellten sei der Verein zudem der größte Arbeitgeber der Stadt. Unter den Mitarbeitern seien 15 ehemalige Waisenhaus-Bewohner. Solche Erfolgsgeschichten seien eine Bestätigung, so Brügmann.

Für 2025 seien neben dem Waisenhaus-Umzug weitere Bauprojekte geplant. Dafür habe man im Februar 2024 eine rund zwei Hektar große Fläche gekauft, um Klassenzimmer und Wohnräume zu errichten. Auch für die Landwirtschaft werde das Gelände benötigt, allerdings müsse es dafür erst besser geschützt werden: Auf den bisherigen Anbauflächen werde ein Großteil der Ernte gestohlen. Für mehr Selbstständigkeit suche der Verein nach neuen Wirtschaftszweigen. Geplant sei die Produktion von Zementziegeln.

Kassiererin Marlies Kleinheyer zeigte sich erfreut über die seit Jahren wieder leicht positive Bilanz. Diese sei allerdings nur durch drastische Einsparungen möglich gewesen. Insgesamt seien 2024 fast 330 000 Euro in die Arbeit in Haiti geflossen. Auch weiter sei man auf der Suche nach Paten für die Waisenkinder.

Der neue Vorstand

Anke Brügmann wurde als Vorsitzende bestätigt, um sie herum gibt es neue Strukturen: Kassiererin Marlies Kleinheyer kandidierte nicht mehr, für sie übernahm Michael Schmidt-Maier. Unterstützt wird er von Beisitzerin Ulrike Haupt. Das ist eine kommissarische Lösung, ein neuer Kassierer wird gesucht. Neuer zweiter Vorsitzender wurde Stefan Willeitner. Seine Vorgängerin Sigrid Friedrich ist mit Lutz Diedrichs und Gerd Brügmann Beisitzer.

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