Theater Kolpingsfamilie Hofstetten: Familienstreit um das Erbe wird handfest

Die Laienschauspieler der Hofstetter Kolpingsfamilie sorgten am Wochenende mit ihrem Rosenkrieg auf der Bühne der Gemeindehalle für beste Unterhaltung. Bis am Ende Harmonie herrschte, gab es jedoch viele Turbulenzen.
StörrDer Ansturm zur Theaterpremiere der Kolpingsfamilie war am Samstag in der Gemeindehalle groß. Selbst das elektronische Bediensystem wurde „gesprengt“, wie Christoph Rudolph bei der Begrüßung augenzwinkernd erklärte. „Das Theater lebt von Nähe, von echten Gefühlen, von Lachen und auch vom Lampenfieber“, leitete er über.
Der Vorhang hob sich – und auf der Bühne passierte erst einmal nichts. Dafür nahm Bernhard Krämer (Vater Herbert) den Weg auf die Bühne durchs Publikum und begrüßte dabei einige Bekannte. Ihm auf den Fersen folgte Bianca Schneider, die zum einen Regie führte und zum anderen in der Rolle der maximal interessierten und bestens informierten Dorf-Tratschtante aufging. Für die ersten großen Lacher sorgte Jakob Krämer (Großvater), der mit großem Genuss und bei jeder sich bietenden Gelegenheit Öl ins Feuer der Wortgefechte goss.
Situationskomik weiß das Publikum zu unterhalten
Regisseurin Bianca Schneider glänzte in der Rolle der gut informierten Dorf-Tratschtante. Nicole Maier (Schwiegertochter) hatte alle Hände voll damit zu tun, ihn im Zaum zu halten. Auf der anderen Seite des Gartenzauns züchtete Philipp Heizmann (Vater Peter) mit großer Hingabe eine Rose, die er nach seiner Frau Hilde (Marion Ruf) benannte. Die resolute Hausfrau mit spitzer Zunge haderte in erster Linie wortreich damit, dass Tochter Nicole (Jenny Fehrenbacher) den Namen des Vaters ihres Kindes nicht verriet. Dass der am Ende ausgerechnet Nachbarssohn Kevin (Felix Lupfer) war, sorgte für den großen Knall im Familiendrama. Und das begann mit dem Ableben einer Großtante, die der Familie des Rosenzüchters ihren Lieblingsstuhl und der Familie um Großvater Josef ein Grundstück vererbte.
Als Notar Blatter (Alfred Krämer) einen Brief der Tante übermittelt, in dem sie die versteckten Bargeldreserven im Stuhl erklärte, wird zunächst ein Freudentänzchen aufgeführt. Bis Hilde einfällt, dass sie den Stuhl zum Sperrmüll gestellt hatte. Die Stimmung zwischen den Familien kochte zunächst verbal und dann auch mit zunehmendem Körpereinsatz hoch, was vom Publikum mit viel Gelächter und großem Applaus beim Fallen des Vorhangs verfolgt wurde.
Im zweiten Akt wurde auf der Bühne weiter aufgerüstet: mit rotem Absperrband zwischen den Grundstücken, scharfen Wortattacken und dem klein karierten Gemeinderat Gutmann (Frank Bauer), der sich die neuesten Infos stets bei der Dorftratsche holte und zwischen den Parteien vermitteln wollte. In das vergiftete Familienklima hinein platzte die junge Mutter: „Da kannst du ‚Hallo’ sagen zu deinem Filmriss!“ und legte dem Nachbarssohn das Baby in den Arm. Und er fing mit allen Beteiligten unter großem Beifall langsam an zu begreifen.
Mit dem Stubenwagen im Garten und zwei rührselig vereinten Großmüttern ging es ins für das Ensemble ins große Finale. Die Frauen waren sich auf einmal einig, dass die Männer im ganzen Streit am schlimmsten gewesen wären.
Die Erkenntnis kommt im großen Finale
Mit viel ungewollter Situationskomik, der Unterstützung von Souffleuse Veronika Singler und großem schauspielerischem Talent reifte die Erkenntnis: „Am Ende geht es nicht ums Geld. Familie, Freunde und Menschen, die uns nahe stehen, sollten immer noch das Wichtigste sein.“ Dem stimmte das Hofstetter Publikum mit viel Beifall zu.
Danksagungen
Aus dem Vorstand der Kolpingsfamilie bedankten sich Bettina Neumaier und Christoph Rudolph in alle Richtungen. Die Schauspieler wurden einzeln in ihren Charakteren vorgestellt und bekamen den verdienten Applaus. Ein besonderer Dank ging an die langjährige Regisseurin Gisela Mickenautsch, die im Hintergrund viel zum Gelingen beigetragen habe.