Stühle laden zum Schmökern ein: So feiert Haslach den Welttag des Buches

Vor dem Haslacher Buchladen stehen Lesestühle bereit.
BollerUrlaubszeit in der Haslacher Innenstadt: Bei freundlichem Wetter herrscht bereits morgens entspannte Betriebsamkeit. Und auch im „Buchladen“ von Buchhändlerin Ulrike Limberger ist was los. Sie und ihre Mitarbeiterin Sandra Schwörer nehmen sich für ihre Kunden Zeit, wo es geht. Der Welttag des Buches, bietet für Limberger Anlass, mit kleinen Aktionen bei den Haslacher Bürgern die Lust am Lesen zu wecken.
Dieses Jahr hat sie – über die Haslacher Innenstadt verteilt – Stühle aufgestellt. Auf der Sitzfläche jedes Stuhls liegt ein Buch. Passanten sind eingeladen, sich auf die Stühle zu setzen und ein bisschen zu schmökern. Und auch im Laden selbst ist was geboten: Kinder bis zehn Jahre können ein Rätsel lösen und wem das gelingt, darf den Comicroman „Cool wie Bolle“ des Autors Thomas Winkler und des Illustrators Timo Grubing mit nach Hause nehmen.
Die Buch-Aktion ist Teil einer deutschlandweiten Kampagne zur Leseförderung. Für die Jüngsten gibt es ein Pixibuch mit dem kleinen Maulwurf. Schade findet Limberger, dass der Welttag in diesem Jahr in den Schulferien ist. Sonst ist sie immer in die Schulen gegangen, um die vierten und fünften Klassen zu besuchen, aber das ist in diesem Jahr nicht möglich.
Podcasts sind für Buchhändler eine große Konkurrenz
Der Welttag des Buches hat die Funktion, das Buch in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu stellen. Aber wie sieht die Buchhändlerin die Zukunft? „Generell wird es für Buchhändler schwieriger“, so Limberger. Das immense Programm der Streamingdienste grabe dem traditionellen Buchmarkt zunehmend das Wasser ab. Vor allem der Hype um Podcasts macht Limberger Sorgen.
Auch E-Book-Reader und Tablets sind eine ernstzunehmende Konkurrenz. Zwar verkauft die Haslacher Buchhändlerin in ihrer Buchhandlung selbst E-Book-Reader, allerdings mit gemischten Gefühlen. Denn wer sich ein elektronisches Lesegerät zulege, finde danach nur noch selten den Weg in ihre Buchhandlung, ist Limberger überzeugt. Durch die Digitalisierung ändere sich auch die Kultur des Lesens an sich, so Limberger, der Rat und die Expertise von Buchhändlern sei immer weniger gefragt. Limberger bezeichnet sich persönlich als altmodisch, was das Lesen betrifft: Sie sei so an die Haptik von Büchern gewöhnt, sie könne sich kein anderes Format vorstellen. Die Buchhändlerin ist froh, dass es großen Teilen ihrer Kundschaft offenbar genauso geht. So sei die Situation für ihren Buchladen weiterhin einigermaßen komfortabel. Neben ihrer treuen und lesefreudigen Haslacher Stammkundschaft gibt es auch noch die Leselust der Urlauber des Kinzigtals, die ihren Buchladen vor allem in der Ferienzeit am Leben halte.
Haslacher Publikum ist treu und lesefreudig
Außerdem gebe es immer wieder neue Trends, die für neuen Schwung am Büchermarkt sorgten. Aktuell seien Romance-Bücher für junge Erwachsene besonders beliebt, sagt Limberger und zeigt auf einen Büchertisch direkt am Eingang des Ladens. Erkennbar sind diese Bücher an ihren kunstvoll bedruckten Buchschnitten. Im Mittelpunkt der Handlung steht ganz klassisch eine Liebesbeziehung – die manchmal auch bedrohliche und düstere Aspekte beinhaltet. „Vor allem junge Frauen zwischen 15 und 30 Jahren lesen das“, so Limberger. Und die noch Jüngeren kämen vor allem wegen Mangas und Animes. Ansonsten sei das Interesse ihres Publikum vielfältig. Was traditionell immer geht, das seien Krimis. Die Urlauber läsen gerne Schwarzwaldkrimis, so Limberger. Und die Haslacher? „Ebenfalls Schwarzwaldkrimis“, sagt Limberger und lacht. „Aber natürlich alle anderen Krimisorten auch.“
Welttag des Buches
Seit 1995 gibt es den Welttag des Buches. Damals hatte sich die Unesco von dem katalanischen Brauch inspirieren lassen, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Für alle Buchfreunde hat der 23. April aus einem weiteren Grund eine besondere Bedeutung: Er ist der Todestag von William Shakespeare und Miguel de Cervantes.