Störche in Hausach: Sieben Nester auf einem Dach

In Hausach gibt es inzwischen sieben Storchennester allein auf der Dorfkirche.
UhlIn Hasuach ibt es auch dieses Jahr wieder viele Störche. Der Winter ist vorbei und die meisten von ihnen sind wieder zurückgekommen, um hier im Kinzigtal ihren Nachwuchs großzuziehen. Dabei besiedeln sie meist die Nester, die zuvor zurückgelassen wurden, sagt Storchenbetreuer Rudi Allgaier.
Obwohl manche Nester – beispielsweise in Hausach wegen möglicher Gefahren für Fußgänger vor der Kirche – über den Winter verbaut wurden, siedelten sich viele Störche doch wieder an. Laut Allgaier seien es dieses Jahr alleine auf der Dorfkirche sieben Nester, die bebrütet werden – ein achtes sei abgestürzt. Fünf seien an alten Stellen und zwei an neuen Stellen gebaut worden. Auch auf der Stadtkirche, auf dem Rathaus und der Sparkasse sind die Störche wieder eingezogen. Insgesamt gibt es so in Hausach zwölf Storchennester.
Entfernung ist mit großem Aufwand verbunden
Die meisten Nester befinden sich auf der Dorfkirche und immerhin zwei auf der Stadtkirche im Städtle. Stellen so viele Nester mit ihrem Gewicht ein Problem für die Kirchen dar? Reinhold John von der Stabsstelle Schöpfung und Umwelt der Erzdiözese Freiburg sagt hierzu: „Je nach Gemeinde hat man gelernt, damit umzugehen.“ Das Entfernen von Storchennestern sei mit großem rechtlichem Aufwand verbunden. Die Kirche sei jedoch auch beim Artenschutz proaktiv, erklärt John.
„Der Storch steht mit 90 bis 95 Prozent Beliebtheit ganz weit oben auf der Liste“, sagt Allgaier. „Die restlichen Prozente haben dann wahrscheinlich selbst ein Nest auf dem Dach.“ In Riegel am Kaiserstuhl beispielsweise habe es sogar 16 Nester gegeben, berichtet John.
Bei all der Liebe für Störche stellt sich aber auch die Frage, ob es überhaupt genug Futter für die vielen Störche gibt – gerade in einer trockenen Wetterperiode wie der aktuellen. Es sei tatsächlich so, dass die Futtersuche auch wetterabhängig sei und sich das im Umkehrschluss auf den Nachwuchs auswirke, sagt Allgaier. „Wenn das Futter nicht vorhanden ist, gibt es auch keinen Nachwuchs.“
Laut dem Storchenbeauftragten fehlt in längeren Trockenphasen vor allem der Regen. Da die Hauptnahrungsmittel unter anderem Regenwürmer sind, entstehe ein Problem, denn beide Tierarten lebten hauptsächlich in feuchten Umgebungen. „Störche brauchen viel Platz um sich herum und sechs bis zehn Meter, bis sie in der Luft sind.“ Deshalb gehen sie nicht in Bäche rein. Mit der aktuell laufenden Mähsaison gibt es wieder mehr Futter für sie: „Viele laufen hinter dem Mähwerk her und fressen das, was ihnen in den Schnabel kommt.
In diesem Jahr sei die Brutsaison stark auseinandergezogen. „Das beschäftigt uns noch bis in den August“, ist sich Allgaier sicher. Doch wenn es in dieser Zeit nicht regnet, wird laut Allgaier nicht nur das Futter beeinträchtigt, sondern auch die Wasserzufuhr. „Die Störche müssen ja auch Wasser schöpfen.“
Hintergrund zur Populations-Entwicklung
Vor einigen Jahrzehnten war der Storch noch ein stark gefährdetes Tier. 1934 gab es noch rund 9000 Storchenpaare, 1988 waren es nur noch 2949. Diese Zahl erholte sich stetig, 2019 waren es schon 7532 Storchenpaare und 2023 rund 12.000. Die Störche in Westeuropa erholten sich wohl aufgrund der besseren Überwinterungsbedingungen. Die Oststörche haben sich hauptsächlich aufgrund der weniger intensiven Landwirtschaft, die als Folge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs im Osten entstanden war, erholt.