Raiffeisen Kinzigtal
: 1,2 Millionen Euro für neue „Weinzeit“

Die Raiffeisen Kinzigtal hat auf ihr 90-jähriges Bestehen geblickt. Innerhalb eines sich verändernden Markts werde es zunehmend schwieriger, positive Ergebnisse zu erzielen.
Von
Claudia Ramsteiner
Oberndorf
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Markus Knoll (von rechts) im Interview mit Weinguide Anja Kopp, Vorstand Holger Meyer-Boye und Geschäftsführer Adrian Steiner bei der Feier in der Hausacher Stadthalle.

Ramsteiner

Trockene Regularien eingebettet in ein gemütliches Beisammensein: Das kündigte Moderator Markus Knoll für die Hauptversammlung zum 90-jährigen Bestehen der Raiffeisen Kinzigtal am Mittwochabend in der voll besetzten Stadthalle an. Daten und Zahlen gab es angerichtet an Kürbiscremesuppe, Hirschragout und Zwetschgencrumble vom Oberwolfacher „Hirschen“ mit begleitender Weinprobe, Wahlen und Regularien, getoppt von Joshua Trefzers Saxofonklängen und Comedy der „Kirchplatzschnallen“.

Im hart umkämpften Lebensmittelmarkt sei die Raiffeisen Kinzigtal eine feste Größe im Tal, gratulierte der Hausacher Bürgermeister-Stellvertreter Bernhard Kohmann zum 90. Geburtstag.

„Eine feste Größe Im Tal“ trotz hartem Markt

Aber von der Regionalität als Lippenbekenntnis könne niemand leben, deshalb seine „Bitte nach draußen: Nehmen Sie das Angebot an.“ Der geschäftsführende Vorstand Adrian Steiner und Vorstand Holger Meyer-Boye haben fast ein Drittel dieser Zeit geprägt. Hatte die „große Schwester“ ZG Raiffeisengruppe 2024 einen Umsatzrückgang von 5,5 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro zu verzeichnen, ging bei Raiffeisen Kinzigtal, bei gleichen Rahmenbedingungen, der Umsatz um 3,1 Prozent auf 14,38 Millionen Euro zurück, berichteten sie. Maßgeblich für diese Entwicklung seien die Schließung des Marktes in Durbach und die Beeinträchtigung des Hausacher Markts durch die Tunnelsperrung. Umsatzzuwächse gab es vor allem im Bereich Lebensmittel und an der stark nachgefragten „Grünen Theke“.

Deutlich seien die Umsatzrückgänge bei Futtermittel, im Energiebereich und bei den Getränken. Die Entwicklung zeige, dass besonders das Vereinswesen und die Gastronomie unter dem veränderten Konsumverhalten zu leiden hatten. Dennoch erzielte Raiffeisen Kinzigtal mit 78 Mitarbeitenden (38 Vollzeit, 36 Teilzeit, vier Auszubildende) einen Bilanzgewinn von 406 914 Euro. Die Versammlung folgte dem Vorschlag des Vorstands, dass an die Mitglieder drei Prozent Dividende ausgezahlt werden.

„In einem der schwierigsten Jahre“, die Adrian Steiner seit 28 Jahren bei Raiffeisen Kinzigtal erlebt hat, werde es sehr herausfordernd sein, für 2025 noch ein positives Ergebnis zu erzielen bei starken Kostensteigerungen und leichten Umsatzrückgängen. Er sehe aber Chancen für neue Geschäftsfelder. Dafür investiert die Raiffeisen Kinzigtal 1,2 Millionen Euro in den neuen Genusskeller „Weinzeit“, der am 15. November in Wolfach eröffnet wird und in die Erweiterung des Raiffeisenmarkts Schapbach. Dessen Verkaufsfläche wird verdoppelt, Fertigstellung ist für das vierte Quartal 2026 anvisiert. Raiffeisen Kinzigtal setze auf „neue Akzente und frische Impulse, um die Umsätze nachhaltig zu steigern und langfristig stabile Erträge zu erwirtschaften“, so Steiner. Damit eine Genossenschaft 90 Jahre überleben kann, brauche es „visionäres Denken, beständige Innovationen und treue Mitglieder“, sagte Patrick Schmälzle, Wirtschaftsprüfer des Genossenschaftsverbands Baden-Württemberg. Damit könnte es gelingen, 2035 das 100-Jährige zu feiern.

Stimmen

Adrian Steiner, geschäftsführender Vorstand: „Es erfüllt mich mit großem Stolz, ein Teil dieser Genossenschaft zu sein, die es über die Jahrzehnte geschafft hat, ihre Selbstständigkeit zu bewahren. Ein Weg, der mich persönlich sehr geprägt hat.“

Hartmut Brückner, 1978 bis 2021 Marktleiter in Schiltach: „Das Telefon war damals das einzige Kommunikationsmittel. Wir hatten eine mechanische Registrierkasse, die auch mechanisch ohne Strom funktionierte, haben noch Garbenseile verkauft und einen Waggon Torf am Bahnhof mit 1500 Mark bar bezahlt.“

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