Haslachs Biodiversitätskonzept: In zwei Jahren hat sich viel getan

Mehrere Beete in Haslach, wie hier beim Kloster, wurden bereits im Rahmen des Biodiversitäts-Konzepts umgestaltet.
BenzVor gut einem Jahr hatten Haslachs Stadtgärtner Uwe Schweitzer und Biodiversitätsberater Philipp Unterweger im Gemeinderat vorgestellt, wie durch eine Umstellung von Rasenflächen zu Wiesen mit Blühcharakter die Biodiversität verbessert und gleichzeitig der Pflegeaufwand reduziert werden soll. „Wir haben uns dran gemacht, das Biodiversitätskonzept auszuführen, und es sind schon tolle Erfolge zu sehen. Das Konzept trägt Früchte“, sagte Stadtbaumeister Clemens Hupfer in der Sitzung des Gemeinderats.
„Wir sind den Weg gegangen, haben viel Lehrgeld bezahlt, aber es macht viel Spaß“, betonte der Stadtgärtner. Bereits 2023 habe die Stadtgärtnerei einen Testlauf gestartet und die Friedhofswiese mit mehrjährigen Stauden bepflanzt, statt wie früher einjährige Pflanzen zu nutzen. Den Rasen habe man einfach mal stehen lassen, wodurch plötzlich viele Wildbienen und Schmetterlinge zu sehen gewesen seien. Ab Juli 2024 habe die Stadtgärtnerei die Mahd nach dem Pflegekonzept vorgenommen, und „nach der Mahd hat es wieder geblüht“.
Nach anfänglicher Kritik nun viel Lob für Schritte
„Es gibt vier Kommunen in Deutschland, die Wildstauden produzieren. Wir sind eine davon.“ 17 000 Stauden habe die Stadtgärtnerei schon selbst produziert. „Das hat uns niemand zugetraut“, berichtete Schweitzer. Sie zu kaufen, hätte sich die Stadt nicht leisten können, der Markt hätte es aber auch hergegeben, ist er überzeugt. Im Klosterpark habe die Stadtgärtnerei teilweise den Kirschlorbeer herausgerissen und verschiedene Stauden gesetzt, was anfangs durchaus für Kritik gesorgt habe. Das Blütenmeer, das sich inzwischen dort biete, sei aber bei Einheimischen wie Touristen gleichermaßen gut angekommen und inzwischen ein beliebtes Fotomotiv.
Schweitzer berichtete, dass er mit einem Kollegen aus Berlin in engem Austausch sei. Der habe ihn darauf hingewiesen, dass für derartige Umgestaltungsmaßnahmen auch Fördermittel zu bekommen seien. Er schlug den Gemeinderäten vor, Mittel über das Förderprogramm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ zu beantragen. Mit dem hätten Kommunen die Möglichkeit, 80 Prozent der Finanzierungskosten zu erhalten.
Schweitzer hat Maßnahmen aufgelistet, die er mit der Stadtgärtnerei in den kommenden beiden Jahren umsetzen würde. Die Gesamtkosten schätzt er auf 426 000 Euro brutto, der Zuschuss würde sich in dem Fall auf 340 800 Euro belaufen, sodass die Stadt nur noch Eigenmittel in Höhe von 85 200 Euro zu tragen hätte. Unter anderem sind der Ausbau der Staudenproduktion und die Umgestaltung des Straßenbegleitgrüns an der Hausacher Straße (vom Netto bis zur Bushaltestelle) vorgesehen. „Es würde eine Radikalmaßnahme geben“, sagte Schweitzer über letztere. „50 Prozent der Bäume würden fallen“, aber wie das Straßenbegleitgrün aktuell angelegt sei, sei es nicht zukunftsfähig. „Die Zeit von Rasenflächen und Tagetes ist durch, und darauf haben wir auch keine Lust mehr“, stellte er klar und bedankte sich auch beim scheidenden Bürgermeister Philipp Saar. „Wenn er nicht hinten dran gestanden hätte, wären wir heute nicht da.“ Lob für das Team der Stadtgärtnerei gab es seitens der Fraktionen von CDU, SPD, Freien Wähler und LHL.
Der Ratsbeschluss
„So motivierte Mitarbeiter zu erleben, ist eine Freude“, betonte Andreas Isenmann (CDU). Einstimmig beschloss das Gremium, dass der eingeschlagene Weg weiter verfolgt werden soll und die entsprechenden Fördermittel zum weiteren Vorgehen beantragt werden sollen.