Gastronomie in Wolfach
: Halbmeiler „Löwen“ hat geschlossen

Nach 27 Jahren im Traditions-Gasthaus lassen Sylvia und Thomas Harter die Gastronomie hinter sich
Von
Tobias Lupfer
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Halbmeils „Löwen“ ist vorerst Geschichte: Sylvia und Thomas Harter kehren der Gastronomie den Rücken.

Lupfer

In vierter Generation haben Sylvia (60) und Thomas Harter (58) den Halbmeiler „Löwen“ betrieben – im Ort verwurzelt, doch mit seiner Küche auch weit über Wolfach hinaus bekannt. Zu Wochenbeginn schlossen sie das Kapitel Gastronomie nach 27 Jahren ab. „Mit ein bisschen Wehmut“, wie die beiden sagen. „Aber auch mit Freude auf das, was jetzt kommen darf.“

Die Küche und das Kochen seien schon früh seine Leidenschaft gewesen, blickt Thomas Harter zurück. Nach Stationen in der Schweiz und fünf Jahren als Koch auf Kreuzfahrtschiffen kehrte er 1997 ins Kinzigtal zurück, absolvierte die Meisterschule und sah mit Gattin Sylvia die Zukunft im damals noch von Mutter Margarete Harter geführten „Löwen“. Zum 1. Januar 1999 übernahmen sie das Haus.

Für seine Schließung gebe es drei Hauptgründe, sagt Thomas Harter: Die vor drei Jahren begonnene, aber vergebliche Suche nach einem Nachfolger. Die immer schwieriger werdende Suche nach Personal. Und die Chance, die sich zwischenzeitlich eröffnet habe, als Koch im Vega-Betriebsrestaurant beruflich noch einmal eine neue Herausforderung anzugehen.

„Wir möchten nicht jammern“, betont Thomas Harter. Kundschaft, Team, Umsatz: der „Löwen“ lief. Doch: „Manchmal ist es ein knochenharter Job. Und von Jahr zu Jahr wird’s etwas mühsamer.“ Die beiden Söhne gehen beruflich andere Wege. Und das mit Aushilfen zuletzt zwölfköpfige Team sei mit den Chefs älter geworden. „Es ist halt ein Fakt, dass man mit 60 nicht mehr so springt wie mit 40“, sagt Sylvia Harter zum Service zwischen Gastraum und Garten.

Dankbar für die treuen Gäste und Mitarbeiter

Bewusst hätten sie sich frühzeitig auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht. Interessenten habe es gegeben. Doch gepasst habe es letztlich nicht. Plan B wäre gewesen, den „Löwen“ konzeptionell neu aufzustellen: Weg vom À-la-carte-Geschäft zu einem reinen Lokal für Familien- und Firmenfeiern. „Das ist besser planbar“, erklärt Thomas Harter. Doch jetzt freue er sich auf die neue Aufgabe bei Vega. In den 27 Jahren hätten sie sich „eine richtig schöne Kundschaft aufgebaut, wo man sich gefreut hat, dass sie kommt“. Für ihre Gäste und die treuen Mitarbeiter seien sie „unglaublich dankbar. Aber manchmal muss man Entscheidungen treffen im Leben.“

Der Halbmeiler „Löwen“

Foto: Lupfer

In den letzten Wochen hätten sie „unglaublich viel Wertschätzung erfahren dürfen“. Viele seien gekommen, um sich zu verabschieden und noch einmal einfach zu genießen. „Das wird mir am meisten fehlen an der ganzen Sache, dass ich nicht mehr diesen direkten Kontakt haben werde zu vielen tollen Menschen“, sagt Sylvia Harter.

Doch das Ende des Sieben-Tage-Jobs als Gastronom eröffnet auch neue, private Freiheiten: „Dass wir auch mal sagen können: Wir gehen am Samstag auf ein Konzert“, sagt er. „Und wir werden zum ersten Mal Weihnachten zusammen feiern“, ergänzt sie. „Das war bei uns immer powern, powern – Weihnachten, Ostern, Muttertag, Pfingsten.“ Den „Löwen“ wollen sie nach wie vor in neue Hände abgeben (Hintergrund). Die berufliche Zukunft von Grafikdesignerin Sylvia Harter ist offen. „Wenn’s wieder in eine kreative Richtung geht, würd’s mich sehr freuen.“ Bange ist beiden nicht: „Nur, wenn man einen neuen Weg geht, können auch nochmal neue Dinge auf einen zukommen.“

Das Haus

Nach der Schließung des „Löwen“ wollen Sylvia und Thomas Harter „einen kompletten Cut“ machen und das Haus, das seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Familienbesitz ist, verkaufen. „Es gibt schlimmere Schicksale, als hier zu wohnen“, sagt Thomas Harter mit einem Augenzwinkern. Doch mit den Söhnen auf eigenen Wegen und ohne die Gastronomie „ist das Haus einfach viel zu groß für uns“. Zumal auch die Pflege des großen Gartens im Alter nicht leichter werde. Die Lust, Neues zu machen, „die ist schon stärker, als dass man an allem Alten festhält“,sagt Sylvia Harter.

LZ aktuell
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Lahr Montag bis Samstag im kompakten Überblick.